
Sperma'schlauch spiralig gewunden, und zwar von oben nach unten (oral-aboral) von links nach
rechts. In der oralen Partie sind die Windungen etwas gestreckt (vergl. Sepiola), am äboralenEnde liegen
die Windungen am engsten. Verjüngt sich nach vom sehr stark, bis gegen den projektilen Schlauch hin.
Projelctiler Schlauch vom Spermaschlauch deutlich 'abgesetzt. Flasche sehr lang cylindrisch,
wenigstens im aboralen Abschnitt. Die Homologien sind nicht klar festzustellen. Cylindrischer und
konischer Abschnitt, wenn man diese hier unterscheiden will, von gleicher Dicke und ähnlicher,
lang cylindrischer Ausbildung. Der „eylindrische“, d. h. der hintere Abschnitt scheint an der Aus-
stiilpung nicht teilzunehmen, verhält sich also wie der so bezeichnete Abschnitt bei Iliex und wie
der taube Teil des Spermaschlauches bei Sepiola (vergl. Frage der Homologien bei letzterer).
Trompe ein langer Schlauch von ungefähr derselben Dicke wie der als Flasche aufgef aßte Abschnitt.
Membranen des Projektilen Schlauchs.
Äußere Membran sitzt, soweit ich feststellen konnte, an der Flasche an, läuft an der Trompe,
in deren unterer Partie eng entlang, oralwärts in einer gewissen Entfernung von dem inneren Schlauch
getrennt durch eine nicht sehr dicke, durchsichtige, die „Mittlere“ Schicht, und. verstreicht oralwärts
in der äußeren Trompen- und Gehäusewand.
Innere (granulierte) Membran läßt sich von der Gehäusespitze aus als zackiger innerer Strang
durch die Trompe hindurch verfolgen, wenigstens in deren vorderer Partie. Wird nach aboralwärts
zu undeutlich; erscheint hier als Begrenzung einer ziemlich dicken, von der Mittleren Membran (siehe
oben) abgesetzten Sekretmasse. Aborale Partie des so gebildeten Schlauches besonders stark entwickelt
und mit faserigem Sekret erfüllt (vergl. die Ausbildung bei Abraliopsis).
Die hier gegebene Beschreibung fußt auf unvollkommenem Beobachtungsmaterial, und mag
daher noch Korrekturen erfahren. Der bemerkenswerteste Unterschied zwischen 0. macropus einerseits
und 0. defilippii und vulgaris andererseits ist der, daß bei 0. macropus die Trompe keine Andeutung
einer spiraligen Aufrollung zeigt; immerhin eine ziemlich bedeutende Abweichung.
Milne Edwards gibt eine ziemlich genaue-Beschreibung und Abbildung dieser Spermatophore.
Nach seiner Beschreibung folgt auf den spiralig gewundenen Spermaschlauch eine Partie mit einem
Spiralband im Innern, die bei meinen Exemplaren nicht mehr gut zu erkennen ist. Dieser Teil
erinnert in Milne Edwards Abbildung an den länglich zugespitzten Teil des Flaschenkörpers bei
E. aldrovandi. Nach oralwärts verlängert sich diese Partie und ist gefolgt von einem langen Abschnitt,
der seinerseits Ähnlichkeit hat mit dem cylindrischen Flaschenabschnitt bei Illex. In seiner hinteren
Partie ist dieser hell und granuliert, nach vorn nimmt er eine dunklere Färbung an; nach oralwärts
ist er deutlich abgesetzt. Hieran schließt sich die eigentliche Trompe, die in der aboralen Partie
ebenfalls dunkel gefärbt und sackartig erweitert ist. Die Trompe ähnelt in ihrer Ausbildung der von
Eled. aldrovandi; demnach würde der an sie nach aboralwärts anschließende Abschnitt dem walzenförmigen
Körper bei aldrovandi entsprechen.
Oetopus vulgaris-.. Taf. XXII, Fig. 1—4. Nach Präparat 1911.
Gehäuse verhältnismäßig weich und biegsam, sehr lang und dünn, cylindrisch, etwas vor der Mitte
am dünnsten, in der vorderen Hälfte etwa halb so dick wie in der hinteren. Länge 60 mm. Nach
Racovitza 53 mm. Nach Milne Edwards bis 80 mm. Jedenfalls variabel je nach der Größe des Tieres.
Spermaschlauch nach rechts spiralig gewunden. Nach vom, wo sich das Gehäuse verschmälert,
sind die Windungen nicht so deutlich und erscheinen mehr als klumpige Abschnitte. An diese Partie
scheint ein tauber Abschnitt sich anzuschließen, welcher keine Windungen zeigt (vergl. Sepiola).
■ Projektiler Schlauch. An dem vorher beschriebenen Abschnitt folgt die sehr lange, in
der aboraleh Hälfte schwach bauchig yiägewölbte, nach .oralwärts sich allmählich mehr und mehr
verschmälernde Flasche, welche der Wand des Gehäuses eng anliegt. Der letztere Umstand bedingt,
daß die betreffende Partie der Spermatophore auf den ersten Anblick als leer und einfach durchsichtig
erscheint; es mag sein, daß auch unter Umständen die Wände der Flasche aufgelöst sind.
Von der als Flasche bezeichneten Partie, die indessen hier mit einer Flasche keine Ähnlichkeit hat,
setzt sich der untere Abschnitt der Trompe ziemlich deutlich ab, Zeigt aber in der Beschaffenheit
sonst keinen großen- Unterschied und wird nur langsam dicker bis zu einem bestimmten Punkt, wo
die Trompe beginnt spiralige Windungen zujzeigen. Die ganze vordere Partie der Trompe ist von großer
Länge und eng (meist nach links) spiralig gewunden. (An einem Exemplar beobachtete ich einen
zweimaligen Wechsel in der Windungsrichtung). Nach dem Gehäuseende zu lockern sich die
Windungen, und vor dem abgerundeten Ende ist die Trompe gerade gestreckt. Der Endfaden-
apparat schließt das Gehäuse nach vorn ab.
Die Homologien zu dem cylindrischen und konischen Abschnitt der Flasche bei anderen
Cephalopodeh konnte ich nicht genau feststellen. Der hier als Flasche, auigefaßte Teil: zeigt bei einem
naher untersuchten Exemplar in seinem.aboralen Anfangsteil in seinem Innern einen locker anliegendem
nach kurzem Verlauf blind endigenden Schlauch, an den Sich noch undeutliche Gallertmassen schließen,
die ins Innere des Flaschenraumes hineinragen. Am oralen Ende der Flasche ragt wiederum das
aborale Ende der Trompe zungenformig in das Flasehenlumen hinein, SO daß man den Eindruck
erhält, es sei eine Schrumpfung eingetreten und der helle durchsichtige Abschnitt dadurch entstanden,
daß einerseits die orale Partie des Spermaschlauches, andererseits die aborale Partie der 'Trompe
sich aus ihr Zurückgezogen hätten, vielleicht im Zusammenhang mit der spiraligen Aufrollung. Die
Trompe zeigt in ihrer aboralen Partie in Gestalt von Querfalten viel Ähnlichkeiten mit dem Sack bei
Sepiola, könnte demnach hier als konischer Abschnitt der Flasche aufgefaßt werden. Das Lumen
dieses Abschnittes gehl, in der vorderen Partie der Trompe in einen dünner, inneren Kanal über,
der von der inneren Membran ausgeldeidet ist. Zugleich erscheint um diese hemm eine dicke gallertige
Schicht, die nach außen wieder von einer dünnen Membran (der „Äußeren“ ?) begrenzt ist. An dieser
Stelle beginnt die aufgerollte Partie. Die Wände des geschilderten durchsichtigen und anscheinend
ziemlich festen Schlauches legen sich eng aneinander; der dünnere InAansehlaueh ist im Innern sichtbar.
Die ganze Gallertsehicbt zeigt, am Formolpräparat, in dieser Gegend eine rußig-bräunliche Verfärbung.
Nach einer Reihe von Windungen, weiter oberhalb, zeigt sich ein etwas anderes Verhalten. Die äußere
Membran ist hier geschwunden; die Spirale wird nur durch den inneren Schlauch repräsentiert, der
nun in eine durchsichtige Gallertmasse eingebettet liegt. Dabei zeigt sich die braune Verfärbung
der letzteren nur noch in einer den inneren Schlauch ohne scharfe Abgrenzung umgebenden Schicht.
Noch weiter nach vorn, wo die Windungen beginnen sich zu strecken, erscheint zwischen dieser
braunrußigen Schicht und dem Innenschlauch eine neue durchsichtige Schicht, die rasch größere
Dicke zeigt. Der Innenschlauch durchzieht nun als dünner Kanal einen durchsichtigen Schlauch,
der nach außen von der nun dünner gewordenen braunen Schicht abgegrenzt ist, die ihrerseits zunächst
noch in ziemlichem Abstand von der Gehäusewand bleibt, dicht unterhalb des oralen Gehäuseendes
aber in diese übergeht.
Ein genauerer Vergleich dieses Verhaltens mit dem bei den Decapoden ist nicht leicht durchzuführen;
insbesondere als die Rolle der einzelnen Membranen bei der Explosion noch der Aufklärung
bedarf.