
allem die Vereinfachungen der letzten Autoren besonders Keilhacks wirklich einen Fortschritt
bedeuten. Bei der Beantwortung dieser Frage handelt es sich im wesentlichen um folgende Punkte:
1. Lassen sich genügend Gründe für eine Trennung der Hyalodaphnien von den übrigen nebenkammlosen
Daphnien finden.
2. Lassen sich die nebenkammlosen Daphnien mit Nebenauge in gut unterscheidbare Gruppen
aufteilen und wie stehen hyolina und die gaZeota-Rassen mit Zyklomorphose zueinander.
Wir kommen also wieder auf eine Diskussion der vielumstrittenen Spezies longispina, hyolina,
pdlucida und galeata hinaus. Neben diesen spielen die Sars’schen Arten, rosea, caudata und wie sie
alle heißen, eine untergeordnete Rolle. In der Hauptsache hat sich aber der Streit um die Leydigsche
hyolina gedreht. Ihr muß daher besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Doch sehen wir uns
zunächst die Charaktere, die zur Unterscheidung der Arten benutzt wurden, auf ihre Brauchbarkeit
für die Systematik an und betrachten wir, welche Teile des Daphnidenleibes werden von der Variation
am meisten betroffen.
Sars bemerkt 1903: „It may be here noted, that the characters which are subject to the greatest
Variation are, besides the general size, the form of the head, the relative lenght and direction of the
shell-spine, the size of the eye partly also the more or less perfect pellucidity of the shell and the development
of its marginal denticles.“ Gerade diese Merkmale sind es, die in den Diagnosen wiederkehren.
Es kommen vielfach noch dazu die Form des Rostrums und des' Stirnprofils, die Bezahnung
des Postabdomens, die Länge der Ruderantennen und die Stellung und die Größe der Processus
abdominales. Damit ist aber auch die Aufzählung der Teile und Organe des Daphnidenkörpers
beinahe erschöpft. Es fehlen höchstens noch die Beine, Mundgliedmaßen und inneren Organe.
Werden diese Charaktere zur Unterscheidung von Spezies benutzt, so treten sie fast immer
auf mit wenig sagenden Attributen wie „meist“, „verhältnismäßig“, „mehr oder weniger“, wobei
als Maßstab die Ausbildung des Merkmals bei anderen Spezies zu Hilfe genommen wird. Was nützen
uns dann aber solche Angaben! Nicht jeder, der sich mit Daphniden zu beschäftigen wünscht, verfügt
über Vergleichsmaterial, das ihm die Bestimmung erleichtern könnte. Wir sind nun über Systeme,
deren A r t e n auf solchen unbestimmten Angaben beruhen, glücklich hinaus. Auf der anderen
Seite wird aber die gleiche Unklarheit wieder in das System hereingebracht, indem die V a r i a t
i o n e n auf die gleiche Weise unterschieden werden. Das Kind hat nur einen anderen Namen
bekommen. In Wirklichkeit stehen wir noch genau auf demselben Fleck wie früher. Gerade Keilhack
dürfte mit seinen Diagnosen keinen glücklichen Griff getan haben. Ein Beispiel zeige dies.
Keilhack führt bei seinen 9 Formen der var. longispina s. str. von 6 die Anzahl der Abdominalzähne
als Charakteristika mit an. Es sind: meist etwa 15, 11—13, 11—14, 12 16, 13 17, 14 17. Was
sollen solche Angaben in kurzen Artbeschreibungen! Sie machen dieselben nur unübersichtlich;
läßt man sie ganz weg, dann bleibt nicht viel übrig, meist nur eine Schilderung des äußeren Aussehens
des Tieres und das wird am besten in einer g u t e n Umrißzeichnung wiedergegeben.
Das wichtigste Merkmal zur Unterscheidung der Variation wird der allgemeine Habitus wohl
auch sein, und dieser richtet sich nach der Gestalt des Kopfes und vor allem nach seiner Größe im
Verhältnis zur Länge der Schale.
Die Spina ist nach Länge und Richtung sowohl der Alters- als auch der Saison- und Lokalvariation
stark unterworfen. Im allgemeinen ist es so, daß die Sommertiere einen längeren Schalenstachel
besitzen als die vor der Bildung der Ephippien stehenden Herbsttiere. Je mehr die Tiere
an das pelagische Leben angepaßt sind, desto länger wird die Spina und desto mehr neigt sie zur
Krümmung nach aufwärts.
Stachel
In der
einem größeren Teich stammte Es ist mit langer Spina ausgerüstet.
Die groben Litoralformen zeichnen sich daher durch kurze und gerade
iel aus- Dies Verhalten wird vielfach an pvlex- und magwa-Populationen recht augenfällig.
'T Textfigur 1 ist ein magna- Weibchen abgebildet, das der Frühjahrsgeneration angehört und aus
Die Stellung des Stachels richtet sich sehr nach der Größe des Brutraumes und der Anzahl
der in diesem liegenden Eier, indirekt also wieder nach der Generationszahl und der Ernährung.
Werden nämlich viele Eier in den Brutraum abgelegt, so wird der Rücken stark aufgetrieben und die
Spina nach vorn gedrückt. Als Gegengewicht macht sich eine
starke dorsale Biegung bemerkbar. Bei jungen $ und solchen,
die wenig Eier tragen, sehen wir gerade das entgegengesetzte
Verhalten, eine dorsale Verlagerung. Die größten Abweichungen
von der normalen Lage weisen die Ephippialweibchen auf. Vielfach
werden dadurch höchst merkwürdige Formen erzeugt, wie
die in der Textfigur 2 dargestellte Daphnia cucvllata vom 24. X.
aus Kospuden. Weibchen von derartigem Aussehen gehörten
keineswegs zu den Seltenheiten.
In Kulturen zeigte sich, daß die alten
Tiere kürzere Spinen haben als die jungen
und daß ferner die Länge und Richtung von
dem Grade der Ernährung, abhängig ist, in
der Art, daß bei gutem Futter die Länge zunimmt
bei starker Neigung nach oben. Hunger
bewirkt sehr schnell eine Verkürzung.
So variabel nun auch dieses Merkmal
sein mag, mithin für die Systematik wenig
Wert hat, so läßt es sich in extremer Ausbildung
doch zur Aufstellung von Varietäten
Fig. 2.
Daphnia cucullata
Eph.-$. Kospuden
Mühlteich. 24. X.
verwenden. Auf der einen Seite erhalten wir
dann die var. obtusa, während das andere
Extrem durch die Daphnia longispina var. caudata dargestellt
wird. Diese Varietäten sind wohlberechtigt. Eine weitere Aufspaltung
der Spezies auf Grund der Länge und Richtung der
Spina dürfte sich nicht empfehlen. Die Varietät caudata Sars, von der der Autor selbst eine gute
Abbildung gegeben hat — die Keilhack’sche ist nur eine Kopie der Figur von Richard und wenig
treffend — habe ich in der Lausitz im Zscharkteich bei Commerau wiedergefunden. Die Tiere dieses
Fundortes stimmten sowohl in der Länge des Stachels wie im ganzen Habitus und in der Verkürzung
der Schwimmborsten der zweiten Antennen mit der Sars’schen vollkommen überein.
(Taf.-Fig. 3.)
Das Auge und Nebenauge der Daphniden ist mindestens ebenso variabel. Vor allem ist es
die Größe und die Ausbildung des Pigments im Vergleich zu den aufsitzenden. Linsen, dem man
besondere Aufmerksamkeit schenkte. Wir wissen jetzt, daß das Verhältnis der Größe des pigmentierten
Teiles zu dem ihn umgebenden Saum von Kristallkegeln bestimmt wird durch die Lebensweise
des Tieres. An Uferformen konstatieren wir, daß die Linsen tief in das Pigment versenkt sind, während