
deren ProliferationssclüaucJi, einem echten Stolo prolifer statt. Leider war der Stolo prolifer distal-
wärts etwas gekrümmt, so daß bei der queren Schnittführung der distale Stammabsclmitt schräg getroffen
wurde und infolgedessen Schnittbilder entstanden, die das Knospengesetz nicht mehr zu verfolgen
gestatten. Ob es überhaupt für die jüngeren Knospen noch
gilt (die Knospenähre wies 43 Knospen auf), möchte ich dahingestellt
sein lassen, da die Untersuchungen von Hertwig1) und Zoja2) lehren,
\ daß sich solche inneren Gesetze bei fortschreitender Entwicklung unter
\ dem Einfluß äußerer Lebensumstände (Ungunst der Ernährung usw.)
i sehr leicht verwischen. Diese Knospenähre, die ungefähr 1 mm lang
r war, hatte sich mit der Muttermeduse am Mundlappen des Wirtstiers
festgesetzt u n d zwar an ihrer Aboralfläche. Letztere zeigte eine becherförmige
Einsenkung (cf. die Textfigg. 14 a*), b), mit der sich die
Knospenähre an der Geryonia möglicherweise festgesaugt hatte. Mit
Textfigur iS. Illustration des steiiungsgc- dieser lebt sie im Kommensalismus, denn ich fand in der Gastralsetzes
für die Knospen der Cunina-Knospenähre , . . . . . ü m j. vom Typus m. Divergenz = ca. io5**. höhle der Muttermeduse einen Nahrungskorper, den ich aut lext-
figur 15 abgebildet habe.
Wir werden weiter unten sehen, daß dieser Befund nicht ohne Einfluß bleibt auf die Theorie
der Infektion der Geryonia mit den Cunina parasitica-Keimen.
Für die Entwicklung der Knospen dieses Cuninenstockes sind weiterhin folgende Züge
charakteristisch:
Die Tentakel erscheinen gleich, nachdem sich die Knospen als solche deutlich von dem Stolo
abheben, und zwar ent-steht zunächst nur ein einziger, der zuweilen
eine beträchtliche Länge erreichen kann, bevor der zweite erscheint.
Ältere Knospen ließen jedoch eine solche Ungleichmäßigkeit in der
Entstehung der Tentakel nicht mehr erkennen. Schon bei vierstrahligen
Knospen sind die Tentakel alle gleich lang. Sechsstrahlige Knospen
sind selten. Rüssel immer sehr lang.
Auch die Glocke ist auffallend groß;
dabei ist von einer Gallertlage nichts zu
bemerken. Im Vergleich zu den Lappen
erscheinen nunmehr die Tentakel ziemlich
kurz. Jeder der Lappen trägt von
Textfigur 14 b. Anfang an zwei deutliche Ektodermxext
Textfigur 14 a.
ligur 14a. Diagramm eines quer zum kontrahierten Stolo prolifer einer aboral proli- cm rl qt-üti f J - rn n r lo < v n fr.rlre ferierenden
Cunina-Larvc (Knospenähre vom Typus III) geführten Schnittes. Halb- VerCUGK.UD.g6n, a n C ie r e n IxTlTOClG e ill/0Q 6 1
schematisch. Stolo mit 43 Knospen. * = Einbuchtung des Schirms der Muttermeduso l r r n i , . i • i , l
angeschnitten. male Zellelemente unterschieden werden
Textfigur 14'b . Schematische Rekonstruktion der Einbuchtung des Schirms der .. . . . . i e r , a
Muttermeduse. k rv n n p .n , die A n l a g e n der binnescysten. An
den genannten Ektoderm-Vorwölbungen
erkennt man auch unter den Ektodermzellen Entwicklungsstadien von Nesselzellen (Peronie). Das
Velum ist bei den ältesten Knospen bereits entwickelt.
Selbst bei den ältesten Knospen waren weder Magentaschen noch ein peripheres Kanalsystem
zu konstatieren.
*) H e rtw ig , Ü b e r Kno sp u n g u n d G e schle chtsentwicklung be i H y d r a fusca. Biologisches C e n tr a lb la tt 1906. Bd. X X V I.
S . 489—508.
2) Z oja , Alcune R ic e rch e morphologiche e fisiologiche sull* H y d ra . P a v ia 1890.
Man vergleiche nun die vorstehende Schilderung der Knospenentwicklung bei meiner Knospenähre
vom Typus III mit der von Bigelow (1909 1. c.) gegebenen Darstellung der Knospung an dem
cunina stolon, den er, wie erwähnt, an der Subumbrella einer Rhopalonema angeheftet fand, und
man wird erstaunt sein über die geradezu verblüffende Ähnlichkeit in der Entwicklung beider Cuninen-
Spezies.
Leider bleibt zunächst der genetische Wert meiner Knospenähre vom Typus III trotz alledem
noch unklar.
Denn um die Identität der beiden genannten Cuninenstücke feststellen zu können, hätte ich
die Entwicklung der Knospen, mindestens soweit verfolgen müssen, wie es Bigelow gelungen ist.
Es darf auch nicht vergessen werden, daß die Zugehörigkeit der geknospten Medusen jenes
cunina stolon Bigelow von diesem Autor nur vermutet wird. Soweit ich dies aus der Literatur ersehen
konnte, sind allerdings die Abweichungen geringfügiger Natur, jedenfalls nicht größer als die zwischen
der 2. Generation der Cunina rhododactyla (von Kölliker 1853 als
Stenogaster complanatus bezeichnet) zu denen der 1. Generation.
Jedenfalls sollten spätere Untersuchungen die von mir
entdeckten B e z i e h u n g smö g l i c h k e i t e n z wi s c h e n
de r m e d i t e r r a n e n C u n i n e n k n o s p e n ä h r e vom
T yp u s III u nd jenem mehrfach erwähnten „ c uni na
(pe regr ina? ) s t o 1 o n“ x) ebenso im Auge behalten wie den
Ge n e r a t i o n s z y k l u s de r Cu ni n a r h o d o d a c tyla.
2)>£— letzteren um so mehr, als Stschelkanowzew (1. c. 1906)
von manchen Knospenähren im Magen der Geryonien-Medusen
sich ablösen sah, die „höchstwahrscheinlich zur Gattung Eury-
stoma rubiginosum Kölliker gehören“.
N a c h d en U n te rsu ch u n g en von Metschnikoff (1885), Maas (1904 b) u n d
Stsche lkanowz ew (1906) s in d S y n o n ym a fü r C u nina rh o d o d a c ty la Hä ck e l: Cunina
ru b ig in o s a Köll. u n d E u ry s tom a rubiginosum.
Textfigur 15. Kahmngskörper (n) mit zahlreichen
schwarzen Kügelchen (Fettropfen, durch Os 0i
geschwärzt?) Stück der Körperwand der aborai
proliferierendcn Meduse. (Knospenähre vom
Typus m.)
Es ist nicht ausgeschlossen, wenn auch nicht gerade wahrscheinlich,
daß die von Stschelkanowzew beobachteten Knospenähren der 2. Generation von Cunina
rhododactyla Häckel (cf. Textfigur 9) oder meiner Knospenähre vom Typus III entsprechen.
Aber da Stschelkanowzew gleichzeitig Knospenähren vom Typus I beobachtete, so wäre
anzunehmen, daß diesem Autor nicht nur die verschiedene Anordnung der Knospen bei den Knospenähren
der Typen I und III (hier: die jüngsten Knospen proximal, dort distal, ferner die älteren
1) D a sich die p roxim a len A b s c h n itte d e r Knosp en äh ren vom T y p u s I, I I , von d em d e r Knospenähre v om T y p u s I I I
s e h r wesentlich unte rsch e id en , so w ä re u n te r an d e rem d a ra u f zu a ch ten , wie sich in die se r Be z iehung d e r fragliche cu n in a s to lo n
Bigelows v e rh ä lt.
E s wä re fe rne r von In te re sse , zu s tu d ie ren , ob de r cu n in a sto lo n Bigelows eine ähnliche Knospen Verteilung wie die von
m ir e n td e c k te K n ospenähre vom T y p u s I I I e rk en n en läß t.
U n d v o n en tsche idende r B ed eu tu n g wä re es n a tü rlich , zu wissen, ob s ich die gek n o sp ten Medusen zu d en en d e r m ü tte r lichen
Gen e ra tio n .entwickeln, d. h . ob ih r Fo rm en k re is m it d e n b e id en bish e r b e k a n n t gewordenen Gen e ra tio n en e rs c h ö p ft is t
od e r n ic h t.
2) B ek an n tlich be ziehen s ich die Abweichungen zwischen d e r m ü tte rlich en G ene ra tion (vgl. die Sy n o n ym a ) u n d d e r
ab o ra l prolife rie renden T ochte rg en e ra tio n n u r au f die Segmentz ahl. Gewiß b in au ch ich d e r A n sich t Metschnikoffs, d a ß (bes. bei
d en Na rcomedusen) diese T a ts a ch e n ic h t g en ü g t, um a u f sie d a s Vorhandense in eines D imorphismus g rü n d en zu k önnen. Aber
m a n sollte d a rü b e r au ch n ic h t vergessen, d aß de r Prozeß d e r sog. „ in n e ren Kno sp u n g “ (En tw ick lu n g b e fru c h te te r E ie r? ) b ish e r
n u r b ei de r m ü tte rlich en G ene ra tion ve rfo lg t w erden k o n n te , merkwürdigerweise b e i d e r a n S egmenten re iche ren T o ch te rg en e ra tio n
nie z u r Beob a ch tu n g ge langte . H ie r h ä tte n also k ü n ftig e U n te rsu ch u n g en e inzusetzen.