
Auch die Spermatophore von Octopus vulgaris ist von Milne Edwards ziemlich korrekt beschrieben
worden. Der von mir als Flasche aufgefaßte Abschnitt ist bei Milne Edwards dunkel dargestellt, feingranuliert,
und in der aboralen Hälfte mit Andeutung einer spiraligen Anordnung des Inhaltes. Offenbar
hat Milne Edwards frische Exemplare untersucht, und seine Abbildung würde die oben ausgesprochene
Vermutung über die Zusammengehörigkeit der oralen und aboralen Partien der Flasche bestätigen.
Auch im Anfangsteil der Trompe ist eine spiralige Struktur (ruban columellaire) dargestellt,
welche Milne Edwards richtig von der noch weiter vorn liegenden Spirale unterscheidet, die durch
Aufwindung der ganzen Röhre, nicht ihres Inhalts, zustande kommt.
Octopus d e filip p ii. Taf. XXI, Fig. 16—20. Fig. 16, 17 nach Präparat, 18, 19, 20 nach
frischem Objekt, 1906.
Ähnlich Octopus vulgaris, aber viel kleiner.
Länge 10 mm. Dicke des Gehäuses in der hinteren Partie %, in der vorderen %, mm.
Gehäuse langgestreckt, etwas hinter (aboralwärts) der Mitte am meisten verschmälert und hier
stärker gebogen, entsprechend der fast rechtwinklichen Knickung des Spermatophorensackes (vergl.
auch Octopus). Aborale Wand des Gehäuses etwas verdickt, trägt einen nach innen ragenden, aus
geschichteter durchsichtiger Substanz bestehenden Körper (frisches Objekt).
Spermaschlauch eng spiralig aufgewunden. Das Vorderende eine kurze Strecke weit gerad-
gestreckt, überragt die verschmälerte Stelle des Gehäuses. Am vorderen Ende des Spermaschlauches
ist auf Fig. 19 (39) ein tauber Anhang zu erkennen, der undeutliche Windungen hat und die unmittelbare
Fortsetzung des Spermaschlauches bildet (vergl. Sepiola).
Projektiler Schlauch nimmt die größere Hälfte des Gehäuses in Anspruch. Die Flasche ist
sackförmig dünnwandig, wie es scheint ziemlich vergänglich, spitzt sich nach oralwärts länglich zu
und geht hier in die Trompe über. Der vordere verschmälerte Teil der Flasche dürfte dem kegelförmigen
Abschnitt bei Decapoden entsprechen (vergl. auch das Verhalten bei O. vulgaris). Es
findet sich auch eine Andeutung der Querfalten, die den kegelförmigen Abschnitt („le sac“ Racovitza)
bei Rossia auszeichnen. — Trompe in ihrer hinteren Partie spiralig-quergestreift, gerade, in ihrer
oralen Partie aber in großer Ausdehnung spiralig aufgerollt, bis gegen das Ende hin.
Membranen deutlich zu unterscheiden. Äußere Membran etwas unterhalb des Gehäuse-Endes
ein Stückchen auf sich selbst zurückgeschlagen. Innere (granulierte) Membran reicht bis zu dem
kappenförmig geschlossenen Gehäuse-Ende. Zwischen beiden die durchsichtige Mittlere Membran.
Die Hauptunterschiede zwischen den Spermatophoren von O. vulgaris und O. defilippii sind,
abgesehen von dem Größenunterschied, folgende:
O. defilippii ist gedrungener gebaut. Die stärkste Einschnürung des Gehäuses liegt bei O. vulgaris
im zweiten Drittel (von aboralwärts gerechnet), am Beginn der Trompe; bei 0. defilippü oberhalb
des ersten Drittels (von aboralwärts), in der vorderen Partie des Spermaschlauches. Durchmesser
des Gehäuses bei 0. vulgaris auch in der spermaführenden Partie nicht sehr viel dicker als in der
vorderen Partie des Gehäuses; bei 0. defilippii etwa dreimal so dick als in der vorderen Partie, wo
die Trompenspirale liegt. (Dies steht im Widerspruch zu einer am Anfang über die Dicke gemachten
Angabe, welche ich nicht nachprüfen kann.) Spitze des Gehäuses bei 0. vulgaris leicht verschmälert,
bei 0. defilippii fast in gleicher Länge stumpf endigend.
Scaeurgus u n icirrus. Taf. XXII, Fig. 5. Nach Präparat, 1911, rekonstruiert.
Die vorliegenden Notizen stammen von zwei Präparaten, beide in abnormal umgestülptem
Zustande, die den einzigen Inhalt des Spermatophorensackes eines 1906 in Neapel frisch gefangenen
Tieres bildeten. Die Angaben beruhen daher zum Teil auf Rekonstruktion.
Gehäuse langgestreckt, nach vorn verjüngt, ähnlich wie bei Octopus, aber an zwei Stellen
eingeschnürt, nämlich erstens am oralen Ende des walzenförmigen Spermaschlauchabschnittes und
andererseits ein Stückchen oberhalb an der Stelle, wo die ,,Flasche“ an dem Spermaschlauch ansitzt.
Spermaschlauch spiralig gewunden. Windungen gegen die Basis der Flasche hin kleiner
und unregelmäßiger; einzelne Sperma enthaltende Klümpchen hängen wurstartig zusammen; alle
zusammen hängen fest an der aboralen Wand der Flasche.
Projektiler Schlauch beginnt mit der Flasche, einer sackartigen Erweiterung, in welche der
Spermaschläuch, oder vielmehr dessen orales Ende sich noch ein kurzes Stück schlauchartig fortzusetzen
scheint (vergl. ähnliches Verhalten bei 0. vulgaris). Die Homologien sind nicht sicher
festzustellen. Trompe von der Flasche nicht scharf gesondert, in ihrer ganzen Ausdehnung quergeringelt.
Äußere Membrän geht in die Wand der Flasche über. Eine gallertige (mittlere) Membran
fehlt; der Innenschlauch liegt fast unmittelbar der Äußeren Membran an.
Der ganze Habitus dieser Spermatophore ist dem bei E. aldrovandi ähnlich.
Ocythoe tu b e rcu la ta . Taf. XXII, Fig. 6. Nach Spirituspräparat.
Die Spermatophore von Ocythoe unterscheidet sich durch ihre außerordentliche Länge (sie
kommt nur in der Einzahl zur Ausbildung) in auffälliger Weise von allen hier beschriebenen Arten;
das abgebildete Exemplar wurde dem Spermatophorensackx) eines Ocythoemännchens entnommen.
Eine nähere Beschreibung kann nicht gegeben werden; doch wäre eine Verwandtschaft im Bau mit
den Octopoden zu erwarten.
Die Explosion der Spermatophoren.
Obwohl es mir nicht möglich ist, eine erschöpfende Darstellung des Verlaufs und Mechanismus
der Explosion zu geben, mag es vielleicht doch von Nutzen sein, die mir darüber bekannten Tatsachen
zusammenzustellen.
1. Allgemeiner Verlauf und Mechanismus der Explosion.
Die Spermatophore stellt, wie früher geschüdert wurde, ein geschlossenes Gehäuse dar, in
welchem außer dem eigentlichen Spermaschlauch ein verschieden von ihm gebauter Apparat, der
projektile Schlauch eingeschlossen ist, dessen Wände am Vorderende der Spermatophore in die Gehäusewand
übergehen. Der projektile Schlauch würde hier offen sein, wäre er nicht von außen her
durch eine Duplikatur der Gehäusewand, die Endkappe, besonders abgeschlossen. Der als Explosion
bezeichnete Vorgang besteht nun darin, daß zunächst dieserVerschluß sich lockert, und alsdann der
projektile Schlauch sich aus dem Vorderende des Gehäuses hervorstülpt, ohne aber den erwähnten
Zusammenhang seiner Wand mit der Gehäuse wand zu verlieren, und im allgemeinen bis zur vollständigen
Umstülpung des projektilen Schlauches nach außen. Ist dieser Vorgang beendigt, so ist
*) Uber die Homologien dieses Organs siehe meine frühere Arbeit, loc. cit. S. 171.