
6strahlig, mit einmal geteilten Radialkanälen und die größten von 3 mm Durchmesser haben
24 Tentakeln, da zwischen je zwei größeren, zu denen die Äste der Kanäle führen, noch ein kleiner
Tentakel angelegt ist. Im ganzen liegen 16 Exemplare von 1—3 mm Schirmbreite vor.
6. Cytaeis tetrastyla Eschscholtz. (Taf. I, Abb. 5.)
Vom „V e 11 o r P i s a n i“ wurden etwa 20 Exemplare von Cytaeis erbeutet, von denen 3
in der Tropenzone des Atlantischen Ozeans, die übrigen aber im Pacifischen Ozean gefunden wurden.
Damals war noch keine Cytaeis aus dem Pacifischen Ozean bekannt, erst 1899 wurde die erste von
den Fidschiinseln unter dem Namen Cytaeis vulgaris von Agas si z und Mayer beschrieben und
sonst liegen nur die Beobachtungen von Bigelow von der Expedition des „Albat roß“ 1904—1905
vor. In den Anthomedusen und Leptomedusen der deutschen Tiefseeexpedition wies ich darauf hin,
daß C. vulgaris mit C. nigritina und C. tetrastyla identisch sei und daß der letztere, älteste Name
gelten müßte. Auch an den hier vorliegenden Exemplaren kann ich trotz der weit voneinander
entfernten Fundorte keine wesentlichen Unterschiede entdecken und rechne sie daher alle zu C. tetrastyla
Eschsch. Sie wurden an den folgenden Daten und Fundorten gesammelt.
24. YI. 1882 Tropenzone des Atlantischen Ozeans.
Tropenzone des Pacifischen Ozeans.
I. 1884
13. III. 1884
20. III. 1884
6. IV. 1884 j
24. Y. 1884 !
17. VI. 1884 ^
Die Beweise für die Zusammengehörigkeit aller Cytaeis-Arten will ich hier zusammenfassen,
weil sie sich bereits bei der ersten Untersuchung dieses Materials 1891 ergaben. H a e c k e l teilte
die Gattung Cytaeis in die Untergattungen Nigritina, ohne Magenstiel, und Cytaeidium, mit Magenstiel,
ein. Der letzteren sollte C. fusilla aus dem Mittelmeer als einzige Art angehören. Diese
Trennung kann nicht vorgenommen werden, weil die Cytaeis-Arten sämtlich eine mehr oder weniger
deutlichen Magenstiel besitzen, wie es auch Ma a s (Méduses provenant des campagnes des yachts
Hirondelle et Princesse Alice 1886—1903, S. 8, Monaco 1904) bereits andéutete. Allerdings kann
der Magenstiel individuell verkürzt, durch Kontraktion des Magens oder von Brutknospen verdeckt
sein. So gibt Ha e c k e l von C. nigritina 2 Abbildungen (System der Medusen, Taf. VI, Fig. 2 und 5),
von denen die eine (Fig. 5), obwohl er im Text das Gegenteil behauptet, deutlich den Magenstiel
erkennen läßt, und vergleicht man die Abbildung von C. pusüla bei Ge g e n b a u r (Zeitschr. f. wiss.
Zool., Bd. 8, Taf. VIII, Fig. 8) mit der von K e f e r s t e i n und E h l e r s (Zool. Beiträge, Taf. XIII,
Fig. 8), so zeigt sich, daß hier die Länge des Magenstiels stark variiert, was ich auch bei den vorliegenden
Exemplaren aus dem Pacifischen Ozean beobachten konnte. Bei diesen war der Magenstiel
an Schnitten stets nachzuweisen, auch wo er bei äußerlicher Betrachtung nicht erkennbar war.
Sonstige Unterschiede sind nach H a e c k e l noch die Form der Gonaden, die bei C. nigritina
hufeisenförmig und interradial, bei C. pusilla eiförmig und perradial sein sollten, ferner die Zahl der
Mundgriffel, sowie die Größe und Form der Tentakelbulben. Daß perradiale Gonaden überhaupt
nicht Vorkommen, habe ich auf Grund meiner Untersuchungen an diesem Material bereits 1891 betont
(Zool. Anz. Jahrg. 1891, S. 443). Die Tentakelbulben können individuell, nach Alter und infolge
der Konservierung verschieden sein. Die Gonadenform aber und die Zahl der Mündgriffel ist ebenfalls
vom Alter und von der Entwicklung abhängig; zwischen zwei größeren Mundgriffeln pflegt ein kleiner
zu stehen, was auf Vermehrung bei weiterem Wachstum schließen läßt. Die Unterschiede im Verhältnis
von Höhe und Breite des Schirms, die Haeckel noch anführt, kommen nicht in Betracht,
weil die Form stark durch die Konservierung beeinflußt wird und G e g e n b a u r auch C. pusüla
höher als breit abbildet.1) Die Wände des Magens sind sehr dick. Sie bestehen aus dickem Ektoderm,
welches durch eine dünne Stützlamelle von dem wenig kompakten, zuweilen schwammig erscheinenden
Entoderm getrennt ist. An der inneren Fläche des Entoderms finden sich zahlreiche rundliche Einlagerungen,
die das homogene Aussehen und die gleichartige Färbung der Gallerte zeigen (Fig. 7
und 8, Taf. II). Geschlechtsorgane sind bei keinem Exemplar, weder durch Aufhellen noch in Schnitten,
nachzuweisen, dagegen sind mehrfach Knospen vorhanden. Auch Ge g e n b a u r , K e f e r s t e i n
und E h l e r s ebenso wie Bi g e l ow und Va n h ö f f e n fanden nur ungeschlechtliche Vermehrung,
während Ha e c ke l , Maas, Br own e und A g a s s i z und Ma ye r Geschlechtsprodukte,
dagegen keine Knospung, bemerkten. Eins scheint demnach das andere auszuschließen.
Im Entoderm der Tentakeln findet sich häufig Pigment abgelagert, welches verschieden verteilt
sein kann. Bei einigen Exemplaren erscheint die ganze Tentakelachse schwarz pigmentiert (Taf. II,
Abb. 9), bei anderen fehlt das Pigment an der Spitze und manchmal ist es auch im Bulbus angehäuft,
wo es über oder unter dem ektodermen Nesselring den Eindruck eines Ocellus hervorruft. Ein
besonderes Organ, das als Ocellus gedeutet werden könnte, ist nicht vorhanden.
Große Exemplare mit großem Magen wurden von Ha e c k e l als C. macrogaster beschrieben.
Die Unterscheidung einer besonderen Art halte ich nicht für berechtigt, weil sie durch Übergangs-
formen mit der gewöhnlichen C. tetrastyla verbunden ist.
Je ein großes Exemplar von Cytaeis tetrastyla forma macrogaster wurde von C h i e r c h i a
am 24. VI. 1882 im tropischen Atlantischen Ozean und am 17. VI. 1884 im Gebiet zwischen Panama,
Galopagosinseln und Callao gefunden. Die Magenwände sind stark dehnbar, so daß der Magen fast
die ganze Schirmhöhle erfüllt und teilweise aus derselben herausragt. Solch aufgetriebenen Magen
fand ich stets mit Copepoden ganz vollgepfropft.
Die vordere Hälfte des Exemplars vom 17. VI. 1884 wurde in Taf. I, Fig. 5, abgebildet. Eine
Beschreibung desselben gab C h u n in Bibliotheca zoologicä, Bd. 19, S. 45. Es fällt durch die Größe
des Magens, bimförmige Gestalt des Schirms, geringe Anzahl der Mundgriffel und langgestreckte
Form der Tentakelbulben auf, also durch Merkmale, welche ich nur für individuelle halten kann. Der
oberen Hälfte des Magens sitzen einige schmarotzende Actinienlärven auf, während sich im unteren
Teil, in Gruppen angeordnet, zahlreiche Medusenknospen finden.
Als Übergänge zwischen Cytaeis tetrastyla f. macrogaster und der typischen Form fasse ich
Exemplare auf, die neben ellipsoidischem Schirm und zahlreichen Mundgriffeln große und spitze
Tentakelbulben und andere, welche bei konischem bis bimförmigem Schirm und 16 Mundgriffeln
niedrige, oben abgerundete Tentakelbulben zeigen. Solche Exemplare zeichnen sich auch durch reiche
Pigmententwicklung aus. Außer in den Tentakeln findet sich Pigment dann auch im oberen Teil
des Magens abgelagert, wo es den Magenfalten folgend durch die Umbrella als Kreuzzeichnung hindurchscheint.
Vielleicht ist auf solche Pigmentablagerung die Angabe H a e c k e Ps zurückzuführen,
l ) Obwohl heute noch kaum Zweifel an der spezifischen Übereinstimmung aller Cytaeisarten bestehen, schien es mir
doch gut, die einzelnen angeblichen Unterschiede genau anzuführen, um an einem Beispiel zu zeigen, wie Haeckel’s System der
Medusen die weitere Medusenforschung erschwert hat.
Zoologicä. Hoit 67. 2