
weiblichen Gesclilechtsausführgänge, Platz greift, die wohl exkretorisch tätige Oberfläche vergrößert
und vor allem durch das nunmehrige Hineinragen in die Lateralkammem des Oöloms auch eine
Umspülung der Kanäle durch die Leibeshöhlenflüssigkeit, wenn auch nur in bescheidenem Maße,
ermöglicht.
G o od r i c h hält alle ihm bekannten Kanäle bei seiner Art für Nephridien, die in den
Geschlechtssegmenten wohl sekundär mit entsprechenden Endabschnitten in den Dienst der Geschlechtsorgane
traten und nun zur Ausführung der Geschlechtsprodukte benutzt werden. Es läßt sich gegen
diese Auffassung zunächst nichts einwenden, und die Verhältnisse bei Sacc. major scheinen sie im
Gegenteil noch zu bestätigen. Die geschlungenen Kanäle in den vorderen geschlechtslosen Segmenten
der beiden Geschlechter und die Spermadukte gleichen einander völlig und auch gleichzeitig vielen
Exkretionsorganen anderer Anneliden.
Schwierigkeiten machen nur bei beiden Arten der Bau und die Lage der Ovidukte, die nun
in einer gewissen Beziehung zu dem sich zum Receptaculum erweiternden Kanal zu stehen scheinen.
Bein morphologisch kann man sich eine Entwicklungsreihe denken von dem einfachen Exkretionskanal
der vorderen Segmente des Männchen von Sctcc. papülocercus (Textfig. 6 a) bis zu dem
Spermadukt mit, seinen Differenzierungen bei Sacc. major (Textfig. 7 b). Einmal sind von jenem
Exkretionskanal abzuleiten der Spermadukt von Sacc. papülocercus (Textfig. 6 b), sodann die
Exkretionsorgane von Sacc. major in den geschlechtslosen Segmenten beider Geschlechter (Textfig. 7 a
und c), und endlich der Spermadukt der großen Art (Textfig. 7 b), zu dem das bereits in Schlingen
gelegte Organ in den vorderen Segmenten (Textfig. 7 a) einen Übergang darstellt.
Andererseits aber läßt sich von unserer Ausgangsform (Textfig. 6ä) ebenso leicht die in den
vorderen Segmenten der Weibchen von Sacc. papülocercus vorhandene Art der Exkretionsorgane
herleiten. Letztere unterscheiden sich ja nur durch ihren Endabschnitt von jenen, indem der horizontale
Kanal an seinem hinteren Ende nicht direkt nach außen mündet, sondern zunächst zwischen
Ring- und Längsmuskulatur nach der Ventralseite verläuft (Textfig. 6 c). Genau das gleiche Verhalten
zeigen dann die Ovidukte beider Saccocirrus-Arten (Textfig. 6 d und 7 d).
Diese Lage der Endabschnitte erinnert an ähnliche Verhältnisse, die manchmal bei Regen-
würmem zu konstatieren sind. So fand H u b r e c h t (1893), daß die Endkanäle derjenigen
Nephridien, deren Porus, wie es bei den L umb r i c i d e n häufig der Fall ist, nicht an der normalen
Stelle liegt, sich wie normale an die Körperwand begeben und dort zwischen Längs- und Ringmuskelschicht
die betreffende Körperstelle auf suchen, während die Nephridien selbst in Bau und Lage ganz
den normalen gleichen.
Auf Grund solcher Erwägungen könnte man also tatsächlich alle diese Kanäle von dem einfachen
Exkretionskanal in den vorderen Segmenten von Sacc. papülocercus herleiten, so daß nur noch die
ontogenetische Entstehung der einzelnen Teile derselben geklärt zu wetden brauchte, um, wie schon
G o o d r i c h bemerkte (s. obiges Zitat), den morphologischen Wert dieser Organe klarstellen zu
können.
* * *
Nun kommt aber als etwas ganz Neues der sich zum Receptaculum erweiternde Kanal in
den Geschlechtssegmenten der Weibchen beider Arten hinzu, der, wie wir sahen, bei Sacc. major wie
ein Nephridium mit einer inneren Öffnung in das Cölom des jeweilig vorhergehenden Segmentes
mündet. Zwar ließ sich bei Sacc. papülocercus diese innere Mündung nicht mehr feststellen, doch
kann man wohl der ganzen Art dieses Organes nach behaupten, daß es, wenn vielleicht auch jetzt
nicht mehr, so doch wahrscheinlich entweder in der Jugend der einzelnen Individuen oder zum
mindesten bei deren Vorfahren, genau so wie bei Sacc. major eine innere Mündung besessen haben wird.
G o od r i c h möchte das Receptaculum mit seinem zuführenden Gang einfach für einen Blindsack
am Endabschnitt des Oviduktes halten, so daß es dann tatsächlich der Vesicula seminalis der
Männchen homolog wäre. Nachdem wir nun aber nachgewiesen haben, daß hier nicht einfach eine blind
endende Ausstülpung des Eileiters vorliegt, sondern daß die Samentasche nur der erweiterte Teil
eines wie ein Nephridium gebauten, mit innerer Mündung versehenen Kanales ist, muß sich diese
Anschauung beträchtlich ändern.
Der sich zum Receptaculum erweiternde Kanal gleicht in allen seinen wesentlichen Teilen
den Exkretionsorganen von Sacc. major, nur daß er eben in einem Teil seines Verlaufes speziell für
die Aufspeicherung von Sperma umgebildet ist und daß er vor allem zum größten Teile frei durch
die Leibeshöhle zieht, was jene nicht tun. Kann man ihn darum ohne weiteres den übrigen Exkretionsorganen
von Sacc. major homologisieren?
Zu dieser Frage veranlaßt uns die von der der normalen Nephridien erheblich abweichende
Lage dieses Kanals: Mit seinem weitaus größten Teile verläuft der Kanal in d e r Da rmk amme r
des Cöloms, und sein Ausführungsgang d u r c h s e t z t das v e n t r a l e L ä n g smu s k e l f
e l d in d e s s e n Mi t t e. Beides weicht von der sonst meist bei Anneliden üblichen Regel ab.
Schließlich mündet dieser Kanal mit dem Ovidukt zusammen nach außen. Will man nun
den in Frage stehenden Kanal den Nephridien von Sacc. major homologisieren, was hat dann der Ovidukt
für eine morphologische Bedeutung? Wie wir sahen, läßt auch er sich von dem einfachen Nephridium
mühelos ableiten. Haben wir somit etwa ursprünglich zwei Paar von Nephridien in jedem
Geschlechtssegment der Weibchen von Saccocirrus? Oder hat sich ein ehemals nur einfaches Exkretionsorgan
gespalten und die Funktionen unter seine Abkömmlinge derart verteilt, daß der innere
Kanal vor allem den Dienst als Receptaculum übernahm, während der äußere die Eier ausführte,
wobei vielleicht beide wenigstens in der Jugend noch exkretorisch tätig sind?
Hier ist eben der Bau der Exkretionsorgane in den geschlechtslosen vorderen Segmenten
von Sacc. papülocercus von Bedeutung, worauf bereits früher hingewiesen wurde. Wenn nämlich
dieses Organ nicht, wie Go o d r i c h es angibt, wie wir es aber nicht entscheiden konnten, den
Ovidukten gleicht, sondern ebenso wie das Nephridium des Männchens seitlich direkt nach außen
mündet, könnte man wohl ohne großen Zwang die Exkretionsorgane in den vorderen Segmenten,
die Spermadukte und die sich zu den Receptacula erweiternden Kanäle einander homolog setzen.
Neu hinzugetreten wären dann nur die Ovidukte der Weibchen, deren Auftreten man gleichzeitig
als Grund dafür anführen könnte, daß in den entsprechenden Segmenten die ehemaligen Exkretionskanäle
aus ihrer normalen Lage verdrängt würden und in die Darmkammer des Cöloms gerieten,
wo sie dann auch für ihre neue Funktion der Samenaufspeicherung mehr Platz fänden. .Auch bei
einer solchen Auffassung lassen sich dann vielleicht die Ovidukte als durch Abspaltung von dem
ursprünglichen einfachen Exkretionskanal entstanden denken.
Es verlaufen also in jedem Segment zwei Paar von Kanälen, ein Vorkommen, das keineswegs
vereinzelt dasteht, sondern sich bei manchen A n n e l i d e n findet. Es sei hier auf die 01 igo-
c h a e t e n hingewiesen, von denen V e j d o v s k y (1884) folgendes schreibt:
„ — nichtsdestoweniger findet man, daß nicht selten auch die gewöhnlichen Exkretions-
organe in dem Ovarialsegmente neben den Samenleitern fungieren, eine Erscheinung, die bei deü