
Die Angaben über die Fangtiefen (vergl. Tabelle S. 30) geben hierzu einen weiteren Beleg. Der
Fang Station 55 ist in dieser Hinsicht besonders bemerkenswert. Es wurden vier Fänge ausgeführt,
einer mit dem Planktonnetz bis 200 m und drei mit dem Vertikalnetz bis zu 600, 1200 und 3000 m
Tiefe. Der mittlere Vertikalnetzzug bis 1200 m brachte die beiden Exemplare von Echinomysis zuTage.
Echinomysis chuni läßt sich am besten einordnen zwischen Brutomysis vogtii Chun und
Caesctromysis hispida Ortmann.
Daß sich Echinomysis im Vergleich zu Brutomysis mehr der pelagischen Lebensweise angepaßt
hat, geht aus folgenden Punkten hervor: Echinomysis ist reicher bedornt; die Schuppe ist kleiner
und schmächtiger geworden, entbehrt vor allem des kräftigen Außendorns; das Seitenauge ist wesentlich
kleiner im Verhältnis zum Frontauge; der Cephalothorax übertrifft das Abdomen an Länge,
während dies bei Brutomysis gerade umgekehrt ist.
Von Caesaromysis dagegen wird Echinomysis ihrer Entwicklung nach in mehrfacher Hinsicht
übertroffen: die Antennenschuppe ist bei Caesaromysis zu einem kleinen, zapfenartigen Gebilde reduziert;
das Seitenauge ist kleiner geworden; der Exopodit des Kieferfußes, der ja bei Echinomysis
schon sehr klein geworden ist (vergl. Tabelle S. 14), ist bei Caesaromysis bis auf einen Basisrest verschwunden;
das Abdomen von Caesaromysis ist noch mehr verkürzt.
Im folgenden seien die angeführten Vergleichspunkte zwischen einem Exemplar von Caesaromysis
und zwei solchen von Echinomysis tabellarisch zusammengestellt:
Caesaromysis: Echinomysis: Echinomysis:
Länge: 8 mm 7 mm 11 mm
Cephalothorax : Abdomen: 100 : 50 100 : 90 100 : 85
Schuppenlänge: 0,25 mm 1 mm 1,26 mm
Exopodit des Kieferfußes: Stummel 0,36 mm 1,35 mm 1,8 mm
Verhältnis der Durchmesser von
Front- und Seitenauge: 3:1 3 : 1,2 . 3 : 1,6
So fügt sich also Echinomysis chuni zwanglos ein in die Reihe der so interessanten pelagisch
lebenden Mysideen Euchaetomera, Mastigophthalmus, Brutomysis, Echinomysis, Caesaromysis, Arachno-
mysis.
Es gereicht dem Verfasser zur besonderen Freude, wenigstens zu einem kleinen Teile dazu
beitragen zu können, daß ein Wunsch unseres hochverehrten Jubilars seiner Erfüllung näher gebracht
werde, den er in folgenden Worten ausspricht1): „Sicherlich wird es bei emsigem Nachforschen gelingen,
neue Gattungen aufzufinden, welche die Kette dieser originellen Wesen enger schließen und zur
Stütze für die oben vorgetragene Ansicht dienen, daß die pelagischen Mysideen einen in sich abgeschlossenen
und in einseitiger Richtung weiter entwickelten Zweig der genannten Schizopodengruppe
abgeben.“
l) C h u n , Uber pelagische Tiefsee-Schizopoden. Bibliotheca zoologica, H e ft 19, Lief. 3. Stu ttg a rt 1896. S. 189.
Tafel XV.
G. 111 ig, Echinomysis chuni, eine neue pelagisch lebende Mysidee.
Zoologien. Heit ß7.