
ziehung bei den T-Riesen gibt, so würde dieser eine der erste sein, bei dem sie zu erwarten
wäre. Unter solchen Umständen steht und fällt die hier geprüfte Hypothese mit der Möglichkeit,
a u c h fü r .d ie s e s e i t l i c h e A b w e i c h u n g d e r S p in d e l e in e n n a c h R i c h t
u n g u n d A u sm a ß e n t s p r e c h e n d e n D r e h u n g s V o r g a n g d e r M i t t e l z e l l e u n d
ih r e r p r im ä r e n A c h s e n a c h z u w e i s e n .
V on irgend einer seitwärts aus der Medianebene heraus gerichteten Bewegung der
Mittelzelle ist bisher in dieser Schrift keine Rede gewesen. W ie auch in den deskriptiven
Darstellungen der meisten Autoren jede Andeutung über einen derartigen V o rg an g fehlt.
Und wenn es wahr wäre, daß in der normalen Entwickelung Bewegungen dieser A r t einfach
nicht vorhanden sind, so würde es überflüssig^ sein, bei T-Riesen danach suchen zu
wollen; denn zu a t y p i s c h e n Gleit- oder Drehbewegungen, wie sie in höheren Stadien
durch mechanische Wechselwirkung der abnorm gelagerten Elemente vielfach geschehen
müssen, fehlt der Zelle EM S t — und gerade hierdurch wird sie für unsere Analyse so bedeutungsvoll
— jeder Grund und jede Gelegenheit.
Ich habe jedoch bereits in meiner deskriptiven Ascarisarbeit (1896a p. 34.) betont, daß
die normale Schwenkung vom vierzelligen T
zum Rhombus, obwohl ihr Anfang und ihr Ende
in der gleichen Ebene, nämlich der Medianebene
gelegen - sind, dennoch keineswegs immer in
dieser selben Ebene vollzogen wird. Vielmehr
tritt zu allermeist die Bewegung gleich in ihrem
ersten Stadium rechtwinklig aus der T-Ebene
Normales Stadium IV während der Orientierung, heraus. D i e M i t t . e l z e l l e s t r e c k t u n d
von der Seite gesehen. Nach dem Leben. k r ü m m t Ä o z u n ä c h s t n i c h t k a u -
d a lw ä r t s , s o n d e r n z u r S e i t e h in , ihre
Schwester P 2 in der gleichen Richtung vor sich her schiebend (Fig. HH). D a nun das untere
Zellenpaar, wie wir wissen, endlich doch wieder in der Medianebene liegt, so muß natürlich
der Betrag der seitlichen Abweichung d u r c h e in e s p ä t e r e R ü c k k e h r b e w e g u n g kompensiert
werden. Dies geschieht zu einer ungemein variablen Zeit. Zuweilen fast unmittelbar
nach dem Beginn des Orientierungsvorganges; dann vollzieht sich die Schwenkung in
der Hauptsache wirklich innerhalb der Medianebene. Am häufigsten tritt die Rückkehr zur
Mediane ungefähr in der Mitte des Prozesses ein, so daß P 2 einen kurzen bogenförmigen
Umweg über die eine Flanke beschreibt. Gar nicht selten aber macht sich der Ausgleich
nicht eher geltend, als bis die Seitwärtsbewegung den W ert einer fast vollständigen Vierteldrehung
erreicht hat, die vier Zellen vorübergehend ein Tetraeder bilden, und eine horizontale
Drehung über 900 nötig wird, um das ventrale Zellenpaar in die Medianebene zurückzuführen.
Man erkennt sogleich, wie außerordentlich die L a g e durch diese . Präzisierung des
deskriptiven Verhaltens zugunsten unsrer Hypothese verändert wird. Nehmen wir an, der
problematische T-Riese mit der horizontalen, aber quergestellten Spindel gehöre zu der
letzten Kategorie; seine Mittelzelle habe sich also nach der Seite hin um ein volles Viertel
g ed reh t: so la g nach dem Abschlüsse dieser Bewegung die Primärachse der gedrehten
Zelle horizontal und quer zur Mittelebene, d .h . in d e r j e n i g e n S t e l lu n g , in d e r n a c h h
e r d ie S p in d e l g e b i l d e t w u rd e .
A ber damit wäre das Problem noch immer nicht ganz gelöst. W ir wissen jetzt, daß
die Primärachse von EM S t in diejenige Situation, die wir brauchen, normalerweise oft g e rät,
und also auch bei unserem Riesen auf Grund normaler Mechanismen gelangen konnte.
Allein die quer-horizontale Achsenstellung ist in der typischen Ontogenesis doch etwas vorübergehendes,
sie wird ohne Pause in die längs-horizontale umgewandelt. Und man sieht
nicht ohne weiteres ein, warum denn der Musterriese mitten in der vorschriftsmäßig begonnenen
Drehbewegung Halt gemacht und sich den Rest geschenkt haben sollte. — Um
diese auffällige Unterlassungssünde zu entschuldigen, erinnere ich abermals daran, daß bei
den T-Riesen jeder typische Einzelvorgang der Gefahr pathologischer Veränderung unterliegt,
und daß die so bedingten Ausfälle in unkontrollierbarer Willkür für sich allein oder
mit ändern zusammen auftreten können. Nun legt die eigentümlich ungeregelte Art, in der
die seitliche und die kaudalwärts gerichtete Schwenkung des T-Stammes ineinandergreifen,
wohl den Gedanken nahe, daß die Gesamtdislokation, wie sie sich geometrisch in zwei
Komponenten zerlegen läßt, auch physiologisch kein einheitliches Geschehnis sei; sondern
jeder Bestandteil durch einen eigenen, vom anderen ganz unabhängigen Drehungsmechanismus
vollzogen werde.. Und diese Vermutung wird unsere spätere Analyse bestätigen. Da
nun offenbar von zwei gesonderten Mechanismen, die für die komplete Umlagerung der
Zelle EM S t normalerweise in Gebrauch) genommen werden, bei Riesen der eine gesund,
der andere krankhaft verändert sein könnte, so gewinnt die Möglichkeit Raum, daß irgend
ein T-Riese den ersten, seitwärts gerichteten Teil der Gesamtdrehung tadellos vollendet,
beim zweiten aber matt und unsicher ist, oder ganz versagt. Und unser Musterriese könnte
in solcher La ge gewesen sein. — Übrigens la g ja die inkriminierte Spindel nur a n n ä h e r n d
quer zur Mittelebene; in Wirklichkeit war si#Hum einen geringen Winkel seitlich gegen
jene verdreht; so daß die Zelle EM St den horizontalen Teil ihres Bewegungspensums hier
wenigstens begonnen haben mochte.
Betrachten wir jetzt, nachdem die M ö g l i c h k e i t dessen, was wir vom Standpunkte
unserer Hypothese aus fordern mußten, so klar vor Augen liegt, noch einmal die Vorgeschichte
unseres Riesen, so gibt auch diese Zeugnis davon, daß seine Mittelzelle die
von uns als möglich vorausgesetzten Schicksale in W i r k l i c h k e i t e r l i t t e n h a t . Die Zelle
benahm sich, wie wir uns erinnern, zur Zeit des OrientierungsVersuches sehr auffällig. Sie
krümmte sich wesentlich stärker, als es die frühzeitig ins Stocken geratene Gesamtschwenkung
bedingt hätte, so daß der T-Stamm förmlich durchgebogen wurde (Taf. III,
Fig. 2 ip | Und als die Ruheperiode begann, wurde die Form unserer Zelle nicht regelmäßig
monaxon, wie es sonst bei T-Riesen geschieht, sondern sie behielt eine einseitige, weit vorspringende
Wölbung bei, was sie einer normal orientierten Mittelzelle nicht unähnlich erscheinen
ließ (Fig. 22, 23). Aus diesen ungewöhnlichen Vorgängen ist zunächst mit größter
Wahrscheinlichkeit zu entnehmen, daß hier die vorschriftsmäßige. Vierteldrehung der Mittelzelle,
ohne Rücksicht auf das Zurückbleiben ihrer Schwester P2, sich in der T a t vollzogen
hatte. Allein die stärkste Wölbung der Zelle befand sich nicht, wie es für den normalen
Rhombus gilt, genau am Vorderende; s o n d e r n v i e l w e i t e r l i n k s s e i t i g n e b e n d e r
M e d ia n e b e n e ! So bleibt denn wohl kein Zweifel, daß die Mittelzelle unseres Riesen