
Familie Thelyphonidae H. Lucas.
Mit den Merkmalen der Tribus und anderen weniger wichtigen Charakteren.
Mehrere Gattungen.
III. Subordo Amblypygi Thorell.
Cheliceren wie bei II., unbeweglicher Scherenfinger fast ganz rückgebildet. 2. .E x tre mität
wie bei II. 3. Extremität mit Patella und rudiment. Praetarsus. Prosoma so breit oder
breiter als lang. Hüften der Beinpaare strahlig angeordnet. Labiales Prosternum und äußere
Mundhöhle fehlt, Gnathocoxit vorhanden, mit ,,Pseudotrachea“ nahe der Mundöffnung. Mal-
pighische G e fäße vorhanden. Cöxaldrüsen ähnlich wie bei II., auf dem Entosternum ruhend.
Alle 12 Hinterleibssegmente normal mit Te rg it und Sternit. Integument normal. Flageilum fehlt.
Familie Tarantulidae.
Carapax einheitlich, rundlich, so breit oder b reiter als lang. Augen wie bei II, 2. 2
Lungenpaare wie bei II, 2. Prosomales Entosternum mit breiter einheitlicher Fläche, ohne
Foramina; opisthosomale Dorsoventralmuskel wie bei II, 2. Nervenkette ohne Hinterleibsganglion.
Gonopoden (am Genitalsegment) vorhanden; Samenreservoire verzweigt, ohne Dorsalschläuche;
Receptacula seminis fehlen; Ovarium meist paarig. Analdrüsen fehlen. Prosomales
Darmdivertikel ähnlich wie bei II, 2.
Die Gattungen gruppieren sich in 3 Unterfamilien, von denen die Phrynichinae Sim. und
Charontinae Sim. näher miteinander verwandt sind als die ersteren mit den Tarantulinae Sim.
1 . Coconhalter der 0 Q aus 2 einfachen Papillen bestehend, oder mit je 1 seitlichen
schwachen, unbeweglichen Dorn oder fehlend; 3. Hinterleibssegment mit 1 Paar ausstülp-
barer Ventralsäckchen, deren jedes 1 Deckplättchen besitzt, oder die Ventralsäckchen sind
mehr oder weniger rückgebildet; in den letzteren Fällen (auch bei fehlendem Coconhalter)
ist das Endglied der 2. Extremität mit deutlich abgegliedertem, 1 klauigem Praetarsus versehen,
sonst ist es eine Scheinklaue.
a) Praetarsus der 4.-—6 . Extremität ohne Pulvillus, Endglied der 2. Extremität stets
eine Scheinklaue, Tibia des letzten Beinpaares 1- oder 2gliedrig, Tarsus (inkl. Basitarsus)
stets 5gliedrig, Tibienenddornen der 2. Extremität nach vorn gerichtet, den Grund der ausgestreckten
„Hand“ weit überragend:
Phrynichinae Sim.
Hierher die G attun gen : Pkrynichus Karsch, Dämon C. L . Koch.
b) Praetarsus der 4.— 6 . Extremität mit Pulvillus, Endglied der 2. Extremität eine Scheinklaue
oder ein echter Praetarsus (alte Nomenklatur: Finger 1- oder 2gliedrig), Tibia des letzten
Beinpaares 3- oder 4gliedrig, Tarsus (inkl. Basitarsus) ögliedrig, Tibienenddornen der 2. E x tremität
seitlich gerichtet, den Grund der ausgestreckten „Hand“ kaum überragend:
Charontinae Sim.
Hierher die Gattungen: Charon Karsch, Stygophrynus Krpln., Sarax Sim.,
Charinus Sim., Catagius Thor.
2. Coconhalter der 9 9 aus einer festen, 2 teiligen, mit je 1 beweglichen Haken seitlich
versehenen, Platte bestehend; 3 .Hinterleibssegment ohne Ventralsäckchen; Endglied der 2 .E x tremität
stets eine Scheinklaue. — Praetarsus der 4.— 6. Extremität ohne Pulvillus, Tibia des
letzten Beinpaares stets 3gliedrig, Tarsus (inkl. Basitarsus) 5 g liedrig; Tibienenddornen der
?2; Extremität wie bei 1.
Tarantulinae Sim.
Hierher die Gattungen: Äcanthophrynus Krpln., Tarantula F ., Admetus C. L . Koch, und der
durch einen langen, nach hinten gerichteten Griffelfortsatz am Trochanter der 2. Extremität
abweichende Heterophrynus Poe.
Erst in allerjüngster Zeit hat P o c o c k (56) die von E. S im o n (61) aufgestellte und
von H. J. H a n s e n (28) und K r a e p e l in weiter gefestigte Einteilung der Amblypygen zu Gunsten
einer neuen fallen lassen, jedoch ohne dies näher zu begründen. E r teilt die Tarantu-
itden nach dem Fehlen und Vorkommen des letzterwähnten Trochanterfortsatzes von Heterophrynus
Poe. in :
Phryninae P o e . (— Tarantulidae Karsch exkl. Heterophrynus Poe.) und
Heterophryninae P o e . (mit der Gattung Heterophrynus Poe.). Diese Einteilung ist aber
genau so künstlich, wie wenn man die Collembolen z. B. in 2 Gruppen zerlegen wollte, deren
eine den mit einer kronenartigen Dornenbildung auf dem 5. Abdominaltergit versehenen
Proctostephamis CB., deren andere die übrigen Collembolen umfassen würde.
Vielmehr ist die S im o n ’ sche Einteilung der Tarantuliden in die 3 von ihm benannten
Unterfamilien eine durchaus natürliche und mit den Bauverhältnissen der verschiedenen Ve r treter
in Einklang stehende zu nennen. Nur über den Verwandtschaftsgrad derselben sind
die bisherigen Anschauungen noch etwas zu modifizieren. Während S im o n dieselben in der
Reihenfolge: Charontinae, Phrynichinae, Tarantulinae zusammenstellte, reihte sie H. J. H a n s e n
später als Phrynichinae, Tarantulinae und Charontinae aneinander und K r a e p e l in folgte ihm
darin. Doch sagt dieser Forscher schon, „d a ß es zum mindesten zweifelhaft ist, ob die
Tarantulinen oder die Charontinen den Phrynichinen am nächsten stehen.“ Ja, nach Aufzählung
einer Anzahl von wichtigen Merkmalen kommt er zu dem Schlüsse, daß „e s den T a tsachen
am besten entsprechen dürfte, wenn wir mit H an s e n , die Phrynichinae als den A usgangspunkt
der ganzen Gruppe betrachten, die beiden anderen Subfamilien aber als gleichwertige
und gleicherweise von den Phrynichinen, nicht aber aus einander abzuleitende Gruppen
anerkennen.“
Dieser letzte Satz ist gewiß richtig, und P o c o c k hätte sich bei Abfassung seiner neuen
Einteilung desselben besser erinnert. Freilich sind die Phrynichinen relativ ursprünglich, doch
dürfen wir nicht vergessen, daß z. B. die Charontinen mit Praetarsus an der 2. Extremität
in diesem Merkmal zweifellos noch ursprünglicher sind als die Phrynichinen. Dennoch möchte
auch ich sie als die Ausgangsgruppe betrachten, mit der die Charontinen durch Charon so
eno- verbunden sind, daß man versucht ist, beide zu einer höheren Einheit zusammenzufassen.
Der Bau des Coconhalters und der Besitz der Ventralsäckchen (die nur selten fehlen, bei
Charinus und Catagius) beweisen die im Hinblick auf die Tarantulinen engere Verwandtschaft