
nisse und ihren mehr als zweifelhaften Chancen für die Zukunft ohne W e rt für die Arterhaltung
sind, wurde schon früher (p. 292, 294) hervorgehoben. Soweit also die Ascarisontogenese
abnormen Bedingungen gegenüber „Schmiegsamkeit“ besitzt, ist diese Eigen schaft
als wertloses und zufälliges Nebenprodukt der formbildnerischen Ausrüstung gezeitigt,
nicht aber ihrer selbst wegen erworben worden. Und wenn es für die Ökonomie der normalen
Entwickelung irgend einen Gewinn bedeutete, jene Reizmechanismen, auf denen die Schmiegsamkeit
beruht, durch anderweite Formbildungsmittel zu ersetzen, so stände dem der drohende
Verlust der Selbstverbesserungsfähigkeit gewiß nicht entgegen.
Nutzlos für die Erhaltung der A r t ist auch die Eigenschaft der Echinidenlarve, ihr
Mesenchym nach typischer Vorschrift zu gruppieren, selbst wenn die Blastomere zuvor durch
„schütteln“ in falsche Anfangsstellung gebracht werden; denn in der freien Natur werden
diese Larven von niemandem geschüttelt.
Und mit den f o rm a t i v e n Reizen verhält es sich oftmals ebenso. Nehmen wir an, die
Larve irgend eines Seegeschöpfes bewirke die Gliederung ihres Darmes genau in der schematisch
von uns aüsgedachten Weise und wäre deshalb befähigt, das fertige Organ, wenn
es. verstümmelt würde, durch Umgestaltung und Umlagerung der Elemente zu reparieren,
so hätte doch die Spezies in ihrem Kampfe ums Dasein keinen Vorteil von dieser F äh ig keit:
eine Larve, die durch den Biß eines räuberischen Feindes so schwer beschädigt wird,
daß ihr ein Stück vom Darme mit verloren geht, bedarf wohl in den allermeisten Fällen
keines Arztes mehr. Günstiger liegen die Dinge, wenn es sich nicht um den Darm oder andere
tief im Leibesinnern geborgenen T e ile handelt, sondern um irgendein äußerliches Organ, dessen
Beschädigung durch winzige Räuber nicht gleich den Untergang des Individuums zur unmittelbaren
Fo lge hätte. Allein es würde auch hier, wie vorhin bei Ascaris, zu bedenken sein,
daß in dem ungeheuren Rechenexempel der Arterhaltung die Rettung einiger jungen Larven
kaum eine Rolle spielt. Wo Hunderte von Keimen einer Art auf einmal verschlungen, Millionen
an den Strand geworfen, vom Seegang vernichtet, durch eine kalte Strömung getötet werden
können, da haben für die Selektion nur solche Verbesserungen Wert, die a l l e n o d e r d o c h
v i e l e n Keimen nützlich sind; an den Er folgen einzelner weniger schreitet sie achtlos vorüber.
So sehen wir denn, d a ß e s z a h l r e i c h e r i c h t e n d e u n d f o r m a t i v e R e i z v o r g
ä n g e g e b e n k a n n u n d g e b e n w i r d , d e n e n e i n e s t a r k e , n a c h e x p e r im e n t
e l l em E i n g r i f f s i c h g l ä n z e n d o f f e n b a r e n d e F ä h i g k e i t d e r S e l b s t k o r r e k tu
r i n n e w o h n t , o h n e d a ß S e l e k t i o n d i e s e F ä h i g k e i t g e s c h a f f e n h ä t t e , oder
Anstand nehmen würde, sie irgend eines anderen Vorteils halber zu beseitigen. Und solche
Verhältnisse werden besonders bei jüngsten und jungen Keimen und innerlichen Organen
anzutreffen sein.
2 .
A u f der anderen Seite ist nun bereits klar geworden, unter welchen Bedingungen
die korrektive Veranlagung der Reizmechanismen erheblichen und selektionsfähigen
Nutzen stiften könnte.. Je mehr mit fortschreitender Entwickelung die Riesenziffer der in die
W elt gesetzten Keime sich lichtet, desto stärkeres Interesse nimmt die Spezies an der E r haltung
jedes einzelnen der übrig gebliebenen Individuen; je größer und differenzierter diese
werden, uni so mehr wächst in der Regel auch d ieM ö g lich k e it geringer, nicht unbedingt
tötliJSIr Verletzungen, deren Reparatur sich, lohnt, Und in!.gewissen Fäälen, besonders bei
fcsiSitzenden;;. unäffiohützten "Pieren kann die Gefahr jder Verstümmelung eine derartig
chronische und dringende s j lm ,'d a ^ d ie F a l i r g k e i t d e r g e l b s t k o r r c k tu r g e r a d e z u
e in e B e d i n g u n g d a r s j t 'e l l t f ü r d i e E r h a l l u n g t lp r A r : . Für solche Tiere bedeuten
dann die •.schmiegsamen R!§iT.ecP.anisi.r|j.::i, deren ifcje Ontogenesis sich bedient,
nicht mehr primitive, der V§r,b<J|iung fähige Formbüdungsmittel, sondern im Gegenteil
einen ü b e r a u s w e r t v o l l e n B e s i t z , d e n s u f j j iu f k e in e n F a l l zu g u n s t e n a n d e r e r
V o r t e i l e (etwa erhöhter .Sicherheit | s | |o n to& ie tis ch en N o rm ä l v e r l a ü f® v e r ä u ß e r n
w ü rd e n .
A u ch hierfür ein Beispiel Ich habe früher (p p Ä c h e m a | | c h dargelegt, wie ein
p o l y p e n a ^ ^ ^ ^ H h i^ l nicht nur d i^e ii||^igrh<s£ |5^o le llauprgliederung seines, l.oibes,
sondern obendrein einen Kranz von r R lm a ß ig J g rd n e ten Tentakeln rein mit Hilfe aus-
los^nder und hemmender Formativreize h e ip r z u b r in & .v e rm o c h te . Nehmen wir jetzt an,
ein ^ z a itÄ iv o n emer Menge Feinde bedrohtejr,Hydioidpolyp entwickele | | :h in der Tat
nach W e h e r . Methode, so müßte ihm offenbar die inhärente Selbstverbesserungsfahigkeit
SEiner formbildenden M e c h an ism S äußerst nützlich 0 ^. Verlöre das Tierchen einen
Tentakel, ¡1 wüchse ei an der gleichen S t e lf f ln a c h , wurden l g lingsum sämtlich ab-
I p j r h l ö g j P r h das verwundete Ektoderm und p rodua erteyneue Tentakel m
typischer Verteilung. Und wahrhaft unverwüstlich erschiene ein solchei Polyp; wenn seine
Zeilensorten ebenso, wie vorhin für die eines hypothetischen Urdarmes angenommen
wurdeiy&lii dauernden B e tä t ig im g ,rh r e s» 3 n d e rv e rh a l^ ^ ^ ^ B k o n t i n u i e r l i c h wirkenden
Formativreizes bedürften: dann könnte e i t ^ B h e s Geschöpf beliebig zgffiqsen, verstümmelt,
bis auf den Stiel herunter. w # g g e f | | | |n igferden, g brächte doch durch Umordnung und
Umgestaltung der ihn^bliebeften«Zehen - p l E ihr<B nicht .gar zu wenige.jsmd — immer
wieder ein typisch-pUbportional .geformtes I'olyponköpirhi n mit Mund und Darm und Ten takelkranz
zustande, das sich ernähren und zur normalen Grösse heranwachsen könnte.
Nun bestände} wohl auch bei ¡ ¡ ¡ ¡ ¡em Polypen die die S h * # * und Präzision
des; dntfgenetischen N o rm a lv e r la u fS u e rh ö h e^ indem das komplizierte Zusammenspiel der
formativen Reize a b g s jjh ä fft und d ijg g an z e Verantwortung. :fm.er äquivalenten, durch
herbungleiche Klüftung zu- ze.rleg:endei,|Ddferenzierung des Eies Übertrager, wurde. Allem
so sehr ein solcher Methodenwechsel sich anderwärts gewiß empfiehlt: bei unserem Polypen
könnte er in anbetradit der. Häufigkeit abnormer Störungen und des entsi&eidenden
Wertes: eme&ielbstverbes^sungsmögliehkeit n u r B e r v erderbl»st|SjiRückschntt .sein.
- Ich halte für recht wahrscheinlich, daß - Zweckmäßigheitsgründe dieser A r t in vielen
F ällen , besonders bei stark gefährdeten Organen älterer Tie re , den Übergang vom
Reizmechanismus zur völlig autonomen Bildungsweise hintangehalten haben, obwohl eure
solche Umwandlung möglich und unter normalen Bedingungen nützlich war.
Aber noch mehr (Es konnte im W a n d e l der Erd^&hichte||}Eh|§|tei;§reignen, daß
eine Spezies n e u e r d in g s geriet, d i | f e n e "intensivere Gefahr abnormer
Störung in sich schlossen, als sie bis dahin bestanden hatte. Das Bedürfnis nach
Korrektionsfähigkeit, das vordem keine.Rolle spielte, wird nunmehr dringend. Und wahrend
der Organismus in der verflossenen Periode verhältnismäßiger Sicherheit seine Formbil