
ein fortwährender Luftstrom innerhalb der Luftkammern der Lungen, der in toto aufgefaßt,
ein Ein- und Ausatmen bedeutet. Unterstützt wird dieser Strom dann noch durch die oben
beschriebenen Erweiterungsmu$keln der Atemräume.
Merkwürdigerweise sind die Zellelemente der Lungenblätter bisher nur unvollständig
bekannt geworden. R a y L a n k e s t e r (37), M a c L e o d (44) und neuere Autoren kennen nur
jene „ S t ü t z b a l k e n “ , welche zwischen je 2 Lamellen in ziemlich großer Zahl Vorkommen
und aus 2 oder 3 miteinander verschmolzenen Zellen gebildet werden (Taf. IV, Fig. 37,
38, lp f ) 1 Sie erscheinen im Aufsichtsbilde bei schwacher Vergrößerung wie kleine runde
Körperchen, die schon B l a n c h a r d gekannt hat. Nach Angabe verschiedener Autoren sollen
sie eine mesodermale Herkunft haben, und nach M a c L e o d , wie bei Limulus, einen stark
lichtbrechenden, muskelfaserartigen Körper enthalten, der bei der Respirationsbewegung von
Bedeutung ist. Nach den Angaben P l a t e a u ’ s (49) ist diese Annahme auch keineswegs unwahrscheinlich,
doch erinnere ich, ohne etwa die Ansicht dieser Forscher für unzutreffend
erklären zu wollen, an die oben erwähnten und sich an die Lamellen ansetzenden Muskeln
der Thelyphonus-'Lnngtn. Bei meinen, leider für histologische Zwecke nur ungenügend con-
servierten Untersuchungsobjekten konnte ich auf Schnitten nie jenen lichtbrechenden Körper
in den „Stützbalken“ erkennen.
A u ße r diesen Gebilden finden sich nun in den Lungenblättern der fertigen Pedipalpem
lunge s t e t s e c h t e H y p o d e rm i s z e l l e n , welche sehr flach und daher nicht leicht zu sehen
sind. Hie und da findet man ihre platten Kerne (Taf. IV, F ig. 37, 38, hypk), die aber in
der Nähe der vorderen Wand der äußeren Luftkammer stets zu mehreren beisammen liegen.
Daß es diese Hypodermiszellen sin d, welche jene Chitinlamellen und deren Haargebilde ausgeschieden
haben und nicht etwa die Stützbalkenzellen, wie es M a c L e o d annahm, braucht
wohl kaum noch erwähnt zu werden.
X I . D a s Zirkulationssystem.
Speziellere Untersuchungen über das Zirkulationssystem der Pedipalpen habe ich nicht
angestellt. Soweit mir die Literatur bekannt geworden ist, hat bisher nur E. B l a n c h a r d
insbesondere dem Blutkreislauf der Thelyphoniden èine eingehendere Darstellung gewidmet.
E r beschreibt ein a r t e r i e l l e s , sowie auch ein v e n ö s e s Gefäßsystem, von dessen Vorhandensein
ich mich in vielen Fällen bei Thelyphonen und Tarantuliden habe überzeugen können.
Am leichtesten gelingt es noch, die direkt vom Herzen (resp. dem Pericard) und seiner vorderen
Verlängerung, der aorta cephalica, abgehenden Arterien zu präparieren; ebenso sind die
pneumocardialen Venen des Opisthosoma, welche das oxydierte Blut von den Lungensäcken
teils direkt, teils durch Vermittlung eines ventralen und der von diesem abgehenden lateralen
1 Allerdings scheinen auch B e r t e a u x (6) und A. S c h n e i d e r (60) bereits die echten Hypodermiselemente der
Lungenblätter gefunden zu haben, wenn sie aber annehmen, daß die Hypodermis im Bereich der Lungen d i s k o n t in u ie r lic
h sei, so steht das im Widerspruch zu den tatsächlichen Bauverhältnissen der Arachnidenlungen. Das Epithel ist zwar
sehr flach, aber stets kontinuierlich. S c h n e i d e r ’ s Anschauungen über die Blutzirkulation innerhalb der Lungen sind
— wenigstens für die Pedipalpen — nicht haltbar.
Gefäße unter der Hypodermis, d. h. außerhalb jenes voluminösen durch die Chylusläppchen
der Darmdivertikel, den Malpighischen Gefäßen und dem Fettgewebe gebildeten Organkomplexes,
dem Perikard zuführen, ohne besondere Schwierigkeit zu erkennen. Die von
K a ^ - l . a n k e s t e r undi seinen.S.chülorn (40) von f.imulns und Scorpionen zuerst beschriebenen
P e r i i a j r d i o v e n t r S -M u s k é l n finden sich gleichfalls bei den Pedipalpen, wo sie bei Thely-
phonen und Tarantuliden eine ähnliche Lagerung zu den tergosternalen Muskeln einnehmen,
wie es für die Scorpiane .zutrifft. Bei Trithyreus cambridgci und Koenenia mirabilis habe ich
vergeblich nach ihnen; gesucht.
Das Hifcrz stellt hier bekanntlich, ähnlich wie bei den
smcorpionen, epgin lartggeistrejlften Schlauch dar, def tsieh nach
hinten bis Zwischen: :die beiden letzten Dorsoyentralmuskél-
paare (bei TheLyphoniden und Amblypygen bis an den Vorderrand
des* S., bei Trithyreiis des 7, bei Koeifçriia wahrscheinl
i c h nur bis an den Hinterrand d e s g . ■Segmen^) ausdehnt,
wo e r sich bis iin die Arteriasijaudalis( unmittelbar verlängert.
Der ¿ f o s o m a l e A b l l j h n i t t d é spH e rz ens s c h ^ i nur bp||j
äLta Xhlypkmäin noch aljæjjlches angesprochen werden zu
können, indem er 2 ä f e d in g ^ weniger auffällige und bisher
vermißte ¡g fe te n p a a r e trägt, 'deren eines eben vor dem
1. Dorsoventralmuskelpaar dés 1 linterleibes, deren zweites
Sihtwa in der Mitte zwischen jenem und der die Basis ;deS:d
Oberschlundganglions umfassenden Gabel der Aorta i^pha-
1 ^ gelegen fet (TextfigîjS3|i' B a d e n Tarantuliden- fanden
sich keine Ostiolen mehr in der prosiämalen H e r z fe r lä n gM
rung, welche folglich in gleicher Weise, wie bei den Araneen,
mit Recht den schon lange gebräuchlichen Namen der Kopfaorta
verdient. Dies gilt übrigens auch für die TartanJen
( Trithyreiis).
Die Z a h l d e r O s t i o l e n p a a r e beträgt im Hinterleibe
bei den Thelyphoniden 7 , bei den Tarantulideng bei
Trithyreiis 5 und bei Koenenia vermutlich, nach Untersuchung
lebender Objekte,' nur 4. Die Thelyphoniden, welche in der
Zahl ihrer Herzkammern jedenfalls noch die -ursprünglichsten
' sein dürften, zeigen am Herzen mithin noch 9 Ostiolenpaare.
Fig. 53.
Schema eines Thelyphotiiden-H&rzens', die
Aorta cephalica (aoe) ist eben vor ihrer
Gabelung (dicht hinter dem Oberschlundganglion)
abgeschnitten.
Fig. 54.
Dasselbe v. Trühyreits cambridgei (Thor.) $.
Fig. 55.
Dasselbe von Koenenia mirabilis (Gr.) $.
Daß au ch Koenenia im'Bêsitze eines, dem der anderen Arachniden vergleichbaren Herzens
ist, wurde neuerdings: von Miss R o c k e r (57), trotz der Angabe G r a s s i ' s (26), welcher die
Pulsation des: Herzens beobachtet haben will, bestritten. Die amerikanische Forscherin sagt:
its definite heart has not ÿ e t made its appearance“ , eine Anschauung, zu der sie sich offenbar
nur hat verleiten lassen, weil sie, wie auch G r a s s i , in Koenenia „the most primitive
o f all Arachnoidea“ erblickt hat. Die Unrichtigkeit dieser Annahme, speziell der Herzlosigkeit
von Koenenia (mirabilis), geht jedoch aus meinem Funde unzweifelhaft hervor. A u f
Querschnitten, etwa in. der Region des 3. und 4. Hinterleibsringess. ¡findet man bei gut konservierten
Individuen und geeigneten Färbungen das Herz stets in Form eines kleinen, aus
Zoologica. Heft 42. 14
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