
dasselbe ist jedoch nicht einfach, sondern gibt Seitenäste ab, welche zwischen dem 4. und 5.,
5. und 6 ., 6 . und 7., 7. und 8. und hinter dem 8. Dorsoventralmuskel abgehen (cf. Textfig. 43);
Der hinterste Sammelgang entspricht somit den beiden hinteren Divertikeln von Trithyreus
und Koenenia.
B l a n c h a r d gibt'“ für die Tarantuliden auch nur 4 Paare von Sammelgängen an, die
offenbar denen der Thelyphoniden gleichwertig sein dürften. Bei ihnen ist das Mittelrohr
von vorn bis hinten ziemlich gleich stark, bei den Thelyphoniden dagegen etwa vom
3. Rückenbauehmuskelpaar ab sehr dünn und nimmt erst zwischen den beiden letzten
Paaren dieser Muskeln wieder an Dicke zu, um in den ampullenartig erweiterten Enddarm
überzugehen.
Schon wiederholt ist der Versuch gemacht worden, die e in z e ln e n D a r m d i v e r t i k e l
d e s H i n t e r l e i b e s d e r v e r s c h i e d e n e n A r a c h n i d e n m i t e in a n d e r in H o m o lo g i e
z u b r in g e n . Aus den vorstehenden Zeilen geht nun klar hervor, daß wir dieselben nicht
ohne Weiteres in der zufällig vorhandenen Reihenfolge einander gleichsetzen dürfen, sondern
daß wir ihre Segmentzugehörigkeit, die leicht aus ihrer L a g e zu den Dorsoventralmuskeln
zu erschließen ist, beachten müssen.
W ie es bereits B e r n a r d (5) erörtert hat, gibt es kein Arachnid mehr, welches die
theoretisch größtmögliche Zahl der opisthosomalen Darmdivertikel noch besitzt, sondern bei
allen Formen konstatieren wir eine in verschiedener W e ise erfolgte Konzentration und Re duktion
derselben. A ls größte Zahl möchte ich, um von den bei den Thelyphoniden (und
Tarantuliden) obwaltenden Verhältnissen zu schließen, 8 P a a r H i n t e r l e i b s -D a rm d i v e r t
i k e l fü r d ie K l a s s e d e r A r a c h n i d e n annehmen, die ursprünglich unabhängig von
einander in das Darmmittelrohr einmündeten, resp. von diesem ausgingen. Es ist nun bekannt,
daß die hinteren Paare der Blindsäcke unter sich in der W e ise in Verbindung treten,
daß die der gleichen Körperseite durch einen Längskanal verbunden werden, um dann durch
einen gemeinsamen Mündungsgang in das Mittelrohr des Darmes überzugehen. . So wird die
Zahl der unmittelbar mit dem Darm kommunizierenden Divertikel vermindert; das jeweilig
letzte (hinterste) entspricht dann der Summe der hinter ihm theoretisch noch möglichen Paare
außer sich, falls nicht etwa die andere Möglichkeit, daß die hinteren Paare verschwunden
und an deren Stelle sich das jeweilig letzte um so mächtiger entwickelt hat, der Wahrheit
näher kommt.
Beachten wir nun ferner das Fehlen des ersten Blindsackpaares der Thelyphoniden (und
Tarantuliden) bei Trithyreus (und Koenenia), so kommen wir zu folgender Vergleichstabelle
der opisthosomalen Darmdivertikel der Pedipalpen:
Koenenia Trithyreus Holopeltidia - |- Amblypygi
0 ( = 0 0 ( [= 11) 1
1 (== 2) 1 ( = 2) • 2
2 ( = 3) 2 (= 3) 3
3 (= 4) 3 (== 4) 4—8
4 - (= 5) 4 ( = 5)
5—6 ( = 6—7) 5—6 (== 6—7)
6 (resp. 7) = '? 7—8 der Thelyphoniden und Tarantuliden.
Die kleinere Zahl der Divertikel bei Koenenia und Trithyreus beruht vermutlich auf einer
Verschmelzung der zwei letzten Paare zu dem mit der Zahl ,,7“ bezeichneten. —
Zum Schluß sehe ich mich genötigt, noch einige W o rte über die funktionelle Bedeutung
der besprochenen Divertikel hinzuzufügen. H a n s e n (30) schreibt nämlich in seiner
Mitteilung über neue Koenenien auf Veranlassung von W . S ö r e n s e n , daß M is s R u c k e r ’ s
(57) Angabe, die „diverticula (of Koenenia) are invariably filled with food particles, which
have the appearance o f yolk granules“ , für die Hinterleibsblindsäcke jedenfalls nicht zutreffend
sei, und er bemerkt, daß S ö r e n s e n (62) und T u l k (69) die 4 großen Divertikelpaare der
Opi/iones als „D r ü s e n “ nachgewiesen und in ihnen keine Nahrung gefunden haben. E r sagt
deshalb weitert- „W e think, that the diverticula in question never contain food in any Order
o f Arachnids“ .
Diese Annahme entspricht jedoch keineswegs den Tatsachen. Ohne die Angabe S ö r
e n s e n ’ s und T u l k ’ s für die Opilionen bestreiten zu wollen, muß für die Pedipalpen entschieden
betont werden — im Einklang mit den Untersuchungen B e r t k a u ’ s über Araneen —,
daß d ie H i n t e r l e i b s d i v e r t i k e l d e r N a h r u n g s r e z e p t i o n d i e n e n , und daß man
n i c h t n u r b e i Koenenia, s o n d e r n a u c h b e i Trithyreus u n d d e n g r o ß e n P e d ip a lp e n
s t e t s m e h r o d e r w e n i g e r N a h r u n g in ih n e n f in d e n kann.
Die „yo lk granules“ , welche R u c k e r in dem Chylusmagen bei Koenenia beobachtet hat,
und welche auch ich nicht selten fand, mögen wohl zum Teil von verzehrten Arthropoden-
eiern herrühren, zum T e il sind sie aber jedenfalls das Ausscheidungsprodukt gewisser Darmzellen,
die bei Koenenia ähnlich ausgebildet sind wie bei anderen Arachniden (Pedipalpen,
Araneen etc.) [cf. Taf. V , Fig. 55].
c. D i e M a lp i g h i s c h e n G e f ä ß e .
Über die Harngefäße der Pedipalpen ist nur wenig mitzuteilen. Sie finden sich in der
für die meisten Arachniden typischen Ausbildung bei den Uro- und Amblypygen, wo sie sich
in dem F ettgeweb e dés Hinterleibes1 reichlich verzweigend verbreiten und etwa an der Stelle,
wo End- und Mitteldarm aneinander stoßen, in den letzteren übergehen. An ihrer Mündungsstelle
legen sie sich stets in einer Reihe von Schlingen, zu beiden Seiten oder auch wohl
auf der Ventralseite, dicht dem Darme an (cf. Textfig. 80),2 wodurch man sehr leicht auf
sie aufmerksam wird; aus diesem Knäul gehen :dann jederseits zwei Hauptäste nach vorn
und nach hinten ab. 3
Die von L a u r i e (41) als die „secernierenden Drüsenschläuche der Analdrüsen (Stinkdrüsen)“
beschriebenen feinen Röhren (der Thelyphoniden) sind die distalen Teile der Harn-
1 S c h im k ew it s c h (77) gibt an, daß ein Paar derselben bei Thelyphonus ins Prosoma ginge. Nach meinen Beobachtungen
kommt dies niemals vor und ich vermute, daß sich dieser Forscher durcir den prosomalen Abschnitt der „Dorsal-
schläuche“ (cf. Kapitel XIII) hat täuschen lassen.
* Nach S c h im k e w i t s c h (77) sollen sich bei Thelyphonus die Malpighischen Gefäße mit 3 P a a r Öffnungen in den
Darm öffnen; bei Trithyreus cambridgei fand ich deren ein Paar seitlicher und eine ventrale Öffnung.
3 Ein Paar zarter Gefäße fand ich bisweilen im vorhergehenden Segment (also vor den echten Malpighischen Gefäßen)
vom Mitteldarmrohr nach den Seiten verlaufend ; ich konnte es stets nur eine kurze Strecke verfolgen und deshalb
vermag ich weder mitzuteilen, ob es mit Chylusläppchen in Verbindung stand oder ob es sich in den Mitteldarm öffnete
(Schnitte anzufertigen wurde leider versäumt). Sollten wir in ihnen den Rest eines funktionslos gewordenen Sammelgangpaares
der Chylusdivertikel vor uns haben? Oder etwa Äquivalente Malpighischer Gefäße?