
1 oder 2 Zellen gebildeten Ringes (Textfig. 93— 96, 98 hz). Daß aber, selbst wenn Koenenia
wirklich kein Herz hätte, ein solches Verhalten auf keinen Fall etwas sehr Ursprüngliches
sein könnte, braucht wohl niqht weiter ausgeführt zu werden. Ob übrigens G r a s s ! das
wirkliche Herz von Koenenia gesehen hat, welches sich nach ihm ,,in corrispondenca dell’
addome e della parte posteriore del cefalotorace“ durch Pulsation ausgezeichnet haben sol||
erscheint mir zweifelhaft. Mir gelang es an lebenden Koenenien nicht, eine eigentliche Herzpulsation
zu konstatieren, wenn ich auch das Herz in der Ausdehnung der Textfig. 39 habe
sehen können, eine Beobachtung, deren Richtigkeit mir die später vorgenommenen Schnittserien
gezeigt haben. Im Prosoma fiel mir aber jene?' merkwürdige rhytmische Bewegung
auf, die durch eine regelmäßige, bisweilen jedoch unterbrochene und dann wieder beschleunigte
Kontraktion und darauf folgende Erweiterung des prosomalen Darmdivertikels erzeugt
wurde. Vielleicht ist diese Schluckbewegung es gewesen* welche G r a s s i zu seiner Aussage
geführt hat. —
Besonders kräftig fand ich bei den Uro- und Amblypygen nur die R in gm u s k e l s c h ic h t
des Herzens entwickelt, während eine ausgesprochene Längsmuskelschicht zu fehlen scheint;
nur wenige, zarte, längsgerichtete Fasern, deren muskulöse Natur sich nicht sicher feststellen
ließ, fand ich dorsal über den Ringmuskeln gelegen. In der Umgebung der Ostiqlen haben
diese einen sehr charakteristischen Verlauf, indem sich stets je 2 Fasern zu einer Schleife
Zusammenlegen, und nehmen an der Bildung der Ostiolenklappen teil.
XII. D ie V en tra lsä ck e de s M esosom a.
Das Verdienst, zum erstenmal bei einem unzweifelhaften Vertreter der Arachniden a u s -
s t ü lp b a r e V e n t r a l s ä c k c h e n beobachtet zu haben, hat W . M. W h e e l e r (74). Seine
Entdeckung bezog sich auf Koenenia wheeleri Rucker, welche von W h e e l e r ursprünglich
für K. mirabilis gehalten worden war. Der Fund W h e e le r ’s erregte ein umso berechtigteres
Aufsehen, als ähnliche Ventralsäcke sonst nur von Myriopoden und Hexapoden bekannt ge worden
waren. Ihr Entdecker nannte sie „Lung-books“ oder ,,Lung-sacs“ .
H a n s e n (30) fand diese lung-sacs noch bei einigen anderen Koenenia-Artenj und kritisierte
gleichzeitig die Ansicht W h e e l e r ’ s, daß diese Organe als die Vorläufer der Lungen
oder Tracheen zu betrachten seien, was auch ich in k e in e r W e i s e glauben möchte. Auch
bestritt er die Angaben W h e e l e r ’s und R u c k e r ’s, denen zufolge die Dorsoventralmuskeln
die Wiedereinstülpung der „lung-sacs“ besorgen sollten, ohne jedoch die wirklichen Retraktor-
muskeln derselben gefunden zu haben.
Zu gleicher Zeit etwa fand ich bei verschiedenen Tarantuliden ein P a a r a u s s t ü lp -
b a r e r V e n t r a l s ä c k e , deren L a g e zwar nicht mit derjenigen eines der drei Säckchenpaar.e
der ausgewachsenen Koenenia wheeleri übereinstimmt, aber deshalb umso interressanter ist',
als sie dem 3. mesosomalen Segmente angehören, in dem außerdem das 2. hintere Lungenpaar
gelegen ist. D i e s e T a t s a c h e s p r i c h t s o m i t e n t s c h i e d e n g e g e n d i e v o n
W h e e l e r e i n g e l e i t e t e u n d v o n M iß R u c k e r n o c h e tw a s w e i t e r a u s g e f ü h r t e
A n s i c h t . Die Ventralsäcke der Pedipalpen, wie ja auch jene der verschiedenen Ateloceraten,
sind keine ursprünglichen Bildungen, sondern n e u e r w o r b e n e O r g a n e , die bei den ersteren
k e in e n f a l l s m it p r im ä r e n R e s p i r a t io n s o r g a n e n in B e z i e h u n g zu b r in g e n s in d .
Die Ventralsäcke der Amblypygen finden sich (stets nur in einem Paar) bei allen Phryni-
chinae Sim. und Charontinae Sim. mit Ausnahme der Gattungen Charinus E. Sim. und Catagius
T h o re ll, kleiner Formen, bei denen wir wohl eine Rückbildung der fraglichen Organe annehmen
dürfen. Eine ähnliche Rückbildung trifft auch für Dämon variegatus (Perty) zu, welche
bei dieser A r t jedoch n u r die e i g e n t l i c h e n Säckchen betroffen hat.
W ir unterscheiden nämlich außer den eigentlichen, ausstülpbaren Säckchen noch je
1 „ D e c k p l ä t t c h e n “ , die am Hinterrande der Bauchschiene des 3. Hinterleibsringes dicht
nebeneinander liegen (Taf. IV, Fig. 31 , dp). Diese Deckplättchen wurden von K r a e p e l i n
(35 b, 36), der merkwürdigerweise zwar von ihnen, aber nicht auch von den Säckchen Kenntnis
genommen hat, als „abgegliederter Randsaum“ oder „Randplättchen“ bezeichnet, und der
Gedanke, daß wir es in den „Deckplättchen“ mit Schnürstücken des entsprechenden Uro-
sternits zu tun haben, ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen.
Die beiden Säcke, welche man nicht selten an den in Alkohol konservierten Tieren
weit ausgestülpt findet, können eine ziemlich ansehnliche Größe erreichen (Taf. IV, Fig. 32,
34, vnts) ; wenn sie ausgestülpt s in d , fallen sie schon dem unbewaffneten Auge bei den
Größeren Arten auf. Ihr Integument ist sehr zarthäutig und unpigmentiert; auch fehlen Poren-
kanäie in demselben, wenn ich nach den diesbezüglich von mir untersuchten Säckchen von
Phrynichus reniformis (L.) einen Schluß ziehen darf. Die Hypodermis zeigt überall einen
normalen, nicht drüsigen Charakter (Taf. IV, Fig. 33); ihre Kerne sind relativ groß und
chromatinreich.
Die A u s s tü lp u n g der Säckchen erfolgt durch den B l u t d r u c k , der seinerseits durch
die, Tätigkeit der Muskulatur des Hinterleibes hervorgerufen wird. Schnitte durch die weitausgestülpten
Sä ck e eines Phrynichus reniformis 9 erwiesen diese auch tatsächlich dicht mit
geronnenem Blut und Blutkörperchen (Taf. IV, Fig. 33, blk) erfüllt. Bei Dämon variegatus
fand sich übrigens ein Kanal (Taf. VI, Fig. 91, ca), welcher die beiden hinteren Lungen
unterhalb der segmentalen Muskulatur (153) miteinander verbindet und vermutlich bei der
Zufuhr des Blutes zu jenen Säckchen eine R o le zu spielen hat.
Die E i n s t ü l p u n g der Ventralsäcke bewirken bei Phrynichus reniformis (L.), Dämon
variegatus und Charon grayi (Ger.v.), die auf diesen Punkt hin untersucht wurden, 2 r e l a t i v
la n g e M u s k e ln (154), welche schräg zur Körperlängsaxe gestellt sind, seitlich, am Vorderrande
des 3. Urosternits, oder gar noch von der die Tergite und Sternite verbindenden
Zwischenhaut abgehen und zum Teil am Vorderrande der Deckplättchen, mit zahlreichen
Fasern aber auch an der zarten Membran des Säckchens inserieren. Bei Dämon variegatus
fand ich außerdem noch einige kleine Fasern (154 a), welche von der zarthäutigen Hinterwand
des Uterus externus nach hinten verlaufen (und sich ebenfalls als Retraktoren d e r
Ventralsäckchen, resp. ihrer Deckplättchen betätigen dürften?).
Die Palpigraden sind nach den Angaben von W h e e le r , R u c k e r und H an s en entweder
mit 3 Paar Ventralsäckchen ausgestattet, oder sie entbehren derselben. Zu den ersteren
gehört Koenenia wheeleri Rucker, zu den letzteren Koenenia mirabilis Grassi. W o sie Vorkommen,
liegen jene Ventralsäckchen (wenigstens bei ausgewachsenen Individuen) im 4. bis