
über die umliegende Gegend, auch bei besserm Wetter,
kaum und nur an einzelnen Punkten gehabt haben
würde. Mit zunehmender Höhe werden die Tannen
kleiner, stehen einzelner und mischen sich mit Birken ;
diese bleiben zuletzt ganz allein, bis dann auch sie
verschwinden. Der W eg wird hier sehr sumpfig, und
ist mit Felsblöcken bedeckt, so dass man sich oft ge-
nöthigt sieht, von einem Block zum ändern zu Springen.
Sogelangt man endlich zu dem eigentlichen Kamme,
auf welchem die Quarzmauer sich erhebt. Sie ist ihrer
ganzen Länge nach an zwei Stellen eingestürzt,
so dass dadurch der Taganai mit drei Felsenparthieu
gekrönt erscheint, was ihm sein eigentümliches An-r
sehn giebt. Die mittlere Felsenparthie ist die höchste,
auf den- zur Seite aufgethürmten Blöcken kann man
zu ihr hinaufklimmen, was Prof. Kupf f e r gethan und
auf diese Weise ihre Höhe bestimmt hat. Einige von
unserer Gesellschaft erstiegen sie ebenfalls, aber die
Nebel waren so gross, dass man sie von unten aus
nicht erkennen konnte. Hinter einer Felsenmauer, die
uns notdürftigen Schutz gewährte, warteten wir den
stärksten Regen ab, nahmen hier ein mitgenommenes
Frühstück ein, das ungeachtet unserer Unfälle in der
fröhlichsten Laune verzehrt wurde; und kehrten dann
auf demselben W e g e , auf welchem wir gekommen
waren, nach Slatoust zurück, wo wir am Abend mit
der untergehenden Sonne ganz durchnässt ankamen.
Von der mineralogischen Beschaffenheit des Taganai
ist nun wenig noch hinZuZufügen. Der Glimmerschiefer
gleicht im Ansehen dem des eigentlichen
Ural, sein Glimmer ist grünlichgrau bis graulichweiss,
sein Gefüge gewöhnlich sehr düunschiefrig. Er ist
grösstentheils ohne fremde Gemengteile, und nur auf
seiner Höhe in der Nähe des Quarzlagers enthält er
viele eingescblossene Krystalle von Staurolith und
Granat. Der erste ist bräunlicfcschwarz, wenig glänzend
und undurchsichtig, und findet sich in der R egel
in einfachen Krystallen. die aber oft eine Länge von
2 Zollen erreichen. Der Granat ist kolombinroth und
stark durchscheinend, und kommt in weniger d e u t lichen
Krystallen vor, die aber doch auch den Durchmesser
eines Zolles erreichen, und wo man sie erkennen
kann, Kombinationen des Leucitoöders und Dode-
caeders sind, an welchen die Flächen des erstem
vorherrschen. An der Stelle, wo wir diese Gemengtheile
sahen und sammelten, herrscht der Staurolith
sehr vor, und der Granat findet sich nur in untergeordneter
Menge, doch muss auch das Umgekehrte
Vorkommen, denn Herr He rma n n verehrte uns ein
ein grosses Stück Glimmerschiefer vom Taganai, der
ganz mit diesen grossen Krystallen von Granat erfüllt
is t, und gar keinen Staurolith enthält. Auch Cyanit,
breitstängelig und graulichweiss, findet sich mit dem
Staurolith in diesem Glimmerschiefer; Stücke mit dergleichen
Cyanit sahen wir in Slatoust, sie finden sich
auch* in der Eversmannschen Sammlung in Berlin,
doch haben wir den Cyanit an Ort und Stelle nicht
gefunden, da der starke Regen ein längeres Suchen
danach verhinderte T).
Der Quarz der Felsenmaüer auf dem Kamme des
Taganai ist von derselben Beschaffenheit wie der Vom
eigentlichen Ural. Er ist meistens ganz schneeweiss,
und nur mit wenigen weissen Glimmerblättchen g e mengt,
dann aber stellenweise mit den Farben des
Eisenkiesels bräunlichroth oder ockergelb gefärbt, und
enthält in diesem Fall meistens stärkere Glimmereinmengungen,
wodurch die schönsten Abänderungen von
Aventurin gebildet werden. Aus diesem Quarz bestehen
auch die Blöcke auf dem sumpfigen Abhange des
Taganai, unter denen man auch eine Menge schöner
Varietäten sammeln kann.
Cyanit kommt an mehreren Orten in der Gegend von Sla to
u s t, besonders aber auf den Quarzlagern im Glimmerschiefer vor.