
prächtig, wenn gleich altmodisch decorirte Zimmer
nach der Strasse z n , mit anderen schlechten und
verfallenen nach dem Hofe zu, die gegen den Glanz
der vorderen merkwürdig abstachen. Kaum angekommen,
begrüsste uns auch schon der General-Gouverneur,
und wir erwiederten den Besuch, nachdem wir
uns umgekleidet hatten.
XI. Astrachan und das kaspische
Meer-
Gemischte Bevölkerung von Astrachan. — Beschreibung der Stadt. —
Weingärten. — Kathedrale. — Persischer und indischer Kaufhoff.
— Gottesdienst der Hindus. — Fakir. — Armenischer Ball.
— Exkursion nach dem kaspischen Meere. — Wolgamündungen.
— Dampfschifffahrt au f der Wolga. —■ Insel Birutschicassa
mit der unteren Quarantaine. — F a h rt ins kaspische Meer. —
Beschaffenheit des Wassers vom kaspischen Meere. — Leuchtthurm
au f der Insel Tschetyre bugri. — Fischereien in der
W o lg a . Tiefe Lage des kaspischen Meeres. — Besuch bei dem
Kalmückenfürsten Sered-Dschab. — Rückreise nach Berlin, —
Astrachan hat keine grosse Bevölkerung, denn
die Einwohnerzahl beträgt noch nicht 40,000 *), und
») Die Bevölkerung is t frü h e r grösser gewesen, und soll noch
vor einem Jah rh u n d ert bis au f 70,000 Einwohner gestiegen sein.
(Mü l l e r , der ugrische Volksstamra T h .I, Abth. 1 S, 6 0 5 .) Auch h a t
die Stadt in den letzten Jahrhunderten mannigfache Schicksale e rlitten.
Vor ih re r Ero b eru n g durch die Russen u n te r dem Z a r Iwan
Wa s i 1 j e wi t s c h, die im Jah re I5 5 4 , 2 Jah re nach der E roberung von
Kasan, e rfo lg te , stand sie auf einer anderen S te lle , wahrscheinlich
10 We rste a u fw ä rts , und wurde e rs t nach dieser Epoche au f ihre
jetzige Stelle verpflanzt. Später wurde sie u n te r dem falschen D e m
e t r i u s gep lü n d ert, 1670 von den rebellischen donischen Kosaken
u n te r ihrem Anführer S t e n k a R a s i n genommen und verheert,
1692 und 93 von der Pest heimgesucht, der 16,000 Menschen zum
Opfer fielen, 1705 von den Strelitzen h a rt g ed rü ck t, 1719 von den
Persern gep lü n d e rt, und 1767 durch -einen Brand zum Theil eingeäschert
(s. E r d m a n n ’s Beitrage II, 1 S. 213).