
tin fast überall, wenn auch in geringer Menge gefunden
wird. Man könnte deshalb annehmen, dass dieses
Platin mit dem Golde auf Quarzgängen vorgekommen
sei. Indessen hat man es bis jetzt auf diesen noch
nie gefunden, und so möchte es wohl wahrscheinlich
sein, dass auch das Platin der Goldseifen ursprünglich
in Serpentin eingewachsen gewesen ist, wenngleich
in viel geringerer Menge als in dem Serpentin der
Bjelaja Gora, wo es durch Zufall sich nur so angehäuft
hat, als man aus der Reichhaltigkeit des dortigen
Seifengebirges an Platin anzunehmen berechtigt
ist. Eine zufällige Anhäufung metallischer Stoffe
kommt in dem Serpentine öfters vor, wie z. B. zn
Reichenstein in Schlesien, wo der Serpentin eine
grosse Menge von Arsenikeisen enthält, das sonst doch
nur sehr selten darin vorkommt. Da der Serpentin
am Ural so verbreitet ist, und überall mit den Gesteinen,
die die Goldgänge enthalten, vorkommt, so ist
nun auch aus der theilw'eisen Zerstörung dieses Serpentins
der kleine Gehalt an Platin zn erklären, der
sich gewöhnlich in den Goldseifen findet.
Wie das Platin, so ist auch wahrscheinlich das
Osmium-Iridium und das gediegene Iridium, da sie
stets mit dem Platin zusammen Vorkommen, in dem
Serpentin ursprünglich eingewachsen, und es wird
deshalb auch wahrscheinlich, dass das gediegene Gold,
welches mit dem Osmium-Iridium und eben so mit dem
Titaneisenerz verwachsen, im Seifengebirge vorgekommen
ist, sich ebenfalls aus dem Serpentin herschreibt,
da auch von dem Titaneisenerze oben gezeigt
worden, dass seine ursprüngliche Lagerstätte wahrscheinlich
der Serpentin ist. Man muss also annehmen,
dass nicht alles Gold des Seifengebirges aus den
Quarzgängen, sondern ein Theil aus dem Serpentine
herzuleiten ist, worin man in Kyschtimsk es in geringer
Menge auch wirklich angetroffen hat.
Wenn aus dem Angeführten nun aber auch hervorgeht,
dass das Seifengebirge des Ural durch eine
ganz locale Zertrümmerung eines Theiles des anstehenden
Gesteins entstanden ist, so bleibt es doch noch
eine andere Frage, wodurch diese Zertrümmerung
hervorgebracht und zu welcher Zeit sie geschehen
sein mag. Wahrscheinlich steht sie in einem innigen
Zusammenhänge mit der Umänderung der neptunischen
Bildungen in die metamorphischen, mit der Aufrichtung
der Schichten, der Erhebung des ganzen Gebirges,
und der Bildung der Erzgänge, welche Erscheinungen
vielleicht alle nur Wirkungen einer und derselben
Ursache, und alle wohl ziemlich zu gleicher Zeit erfolgt
sind, da das Seifengebirge unmittelbar auf dem
metamorphischen Gebirge ruht, mit dem es in Rücksicht
seiner mineralogischen Beschaffenheit übereinstimmt.
Die innige Verbindung des älteren ueptuni-
schen und metamorphischen Gebirges am Ural zeigt,
dass dieser ein verändertes älteres neptunisches Gebirge
ist, aber wir können deshalb noch nicht schlies-
sen, dass diese Umänderung auch sehr alt sei. Sie
kann im Gegentheil in einer sehr späten Zeit erfolgt
sein, wie in den Alpen, wo wir zwar keine älteren
neptunischen Bildungen mehr erkennen und ihr Vorhandensein
nur aus einzelnen Umständen vermuthen können,
die metamorphischen Schichten aber in die deutlich
erkennbaren Schichten der Kreideformation übergehen,
die Umänderung der Schichten also erst nach der
Bildung dieser letzteren erfolgt sein kann l ). Da wir
so wenig über die Ursachen dieser Veränderungen
wissen, so bleibt die Bestimmung, wann diese Umänderung
erfolgt sei, um so schwankender, je weniger dieselbe
sich über die älteren Schichten ausdehnte. Setzt
man sie in Verbindung mit dem Erscheinen des massigen
Gesteins, so ist es bemerkenswerth, dass am
*) Vergl. Ly e l l Elemente der Geologie, Ueberselzung von
H a r t m a n n S. 443.