
Unsere Reise an der Irtysch-Linie entlang ging auf
Befehl des Gen. Lieut. We l j ami n o f f in Tobolsk mit
allem militärischen Gepränge von Statten. Wir wurden
stets von einer Station zur ändern von einer ganzen
Abtheilung Kosaken begleitet, die theils unserm Wagenzuge
voranritt, theils ihm nachfolgte. o wir an
einer Station ankamen, fanden wir die ganze Garnison
des Ortes aufmarschirt, die sich, sobald wir angespannt
hatten, in Bewegung setzte, um uns zu begleiten
und die Garnison der vorigen Station abzulösen;
wodurch unser Zug durch die Steppe, deren
Grün die Sonne schon längst verbrannt hatte, ein sehr
belebtes Ansehn erhielt.
Nachdem wir Ustkamenogorsk verlassen hatten,
setzten wir gleich hinter der Stadt auf der uns schon
bekannten Fähre über die Ulba und fuhren nun in der
Nacht auf dem ebenen Wege, den der Regen der vergangenen
Tage nur verbessert hatte, schnell vorwärts.
Am Morgen des 21. August waren wir nun völlig
in der Ebene; in der Steppe auf der linken Seite des
Irtysch bemerkten wir zwar noch einige Berge, aber
sie bildeten keine zusammenhängenden Reihen und
verloren sich auch bald. Den Irtysch selbst konnten
wir nicht sehen, da der W eg sich in etwas grösserer
Entfernung von ihm entlang z o g , und sein rechtes
Ufer hoch und steil, sein linkes aber eben und
flach ist.
Um 10 Uhr waren wir an der Uba, welche nicht
weit von dem Ueberfahrtsorte, einige Werste diesseits
Pjanojarsk und 90 Werste von Ustkamenogorsk
Hierzu kommt noch der Cordon, der vom Ural bis zu r Wolga
an dem Kaspischen Meere entlang gehf^ und der nach den hodome-
trischen Bestimmungen von Gö b e l von Jainankalinski am Ural bis
nach Chotschelaewka 306,6 und von da bis Aslrakan etwa 30 Werste
beträgt, so dass die ganze Länge der befestigten Linie 3698 Werste
oder 528 Meilen b e träg t, eine Länge, die so weil ist, wie die E n tfernung
in g erader Linie von Cadix bis Moskau.
sich in den Irtysch ergiesst. An ihrem Ufer sahen
wir wie an der Ulba anstehendes Gestein,,, das auch
wie dort aus Thonschiefer besteht, der hier nur noch
glimmerreicher ist, und grosse Knauer von Hornblendeschiefer
enthält. Der Thonschiefer erhebt sich nicht
über die Ebene, aber er beweist, dass auch hier noch
überall unter der oft nur geringen Decke von Dammerde
das Uebergangsgebirge zu finden ist, wie wir
dasselbe auch noch jenseits Pianojarsk häufig den
ebenen Boden bilden sehen, worüber wie fuhren, immer
mit einem Streichen St. 8, -1 und einem fast sai-
»•ern CT Einfallen nach S. W.
Von Pjanojarsk geht eine Poststrasse nach Schlangenberg,
das von hier noch 109 Werste entfernt ist.
22f Werste weiter an der Irtysch-Linie kommt man
an die Schulba, an welcher man noch die Ueberreste
der v onDemido f f im Jahre 1740 erbauten Schmelzhütte
sieht, wo die weiter aufwärts an den Ufern sowohl
der Schulba als der Uba in Menge sich findenden
Kupfererze verschmolzen werden sollten. Die
Hütte ist aber nicht in Gang gekommen, da bald
darauf allé von Demid o f f aufgenommenen Gruben des
Altai von der Krone übernommen wurden ') und man
den Bau auf die Kupfererze, die nicht hinreichend silberhaltig
waren, vorläufig aufgab. Die Erze brechen
nach P a l l a s 2) , der die verschiedenen Gruben je doch
auch nicht selbst besucht hat, auf Gängen im
Thonschiefer. Gruben und Schürfe waren sehr zahlreich,
und zu ihrer Entdeckung haben, wie bei den
übrigen Gruben des Altai, Tschudische Arbeiten gröss-
tentheils die Veranlassung gegeben.
Von Schulbinskoi an, welches jenseits der Schulba
unmittelbar an dem hohen Ufer des Irtysch liegt, wird
der W eg überaus sandig und es beginnt ein grösser
r ) Vergl. Tb. I. S. 510.
a ) Reise durch versch. Prov. des Buss. Reichs Th. VII S. 509.