
Nachdem wir auf diese Weise den Fischfang im
Tschagan vollständig kennen gelernt hatten, wurden
wir noch von Herrn S a p o s e h n i k o f f vortrefflich be-
wirthet, bei welcher Gelegenheit uns auch der so eben
bereitete Caviar vorgesetzt wurde, worauf vrir dann
um 6 Uhr mit dem Dampfboot abfuhren, und um 1 Uhr
in der Nacht in Astrachan wieder anlangten. —
Wir hatten nun die merkwürdigsten Gegenstände
Astrachans und seiner Umgebungen gesehen,
und es blieb uns nur noch wünschenswerth, die
Kalmücken und besonders' ihren merkwürdigen Fürsten
S e r e d -D s c h a b kennen zu lernen, der durch
seine Bildung und seine wissenschaftlichen Kenntnisse
vor allen anderen kalmückischen Fürsten hervorragt.
Er ist der Fürst der Choschuder Horde, die in den
reichen Wiesen zwischen der Wolga und der Äch-
tuba nomadisirt, dorthin aber erst von der westlichen
Steppe nach der grossen Flucht der Kalmücken der
östlichen Steppe im Jahre 1770, mit Erlaubniss der
Regierung eingewandert ist. Fürst S e r e d -D s c h a b
hat als Anführer der Kalmücken nicht bloss seiner
Horde, sondern auch der Horden der westlichen Steppe
die letzten Kriege der Russen gegen die Franzosen
mitgemacht, ist in Paris gewesen und war nun russischer
Oberst und Ritter mehrerer Orden. Nach seiner
Rückkehr hat er sich nicht weit von dem Wolga-Ufer
ein stattliches hölzernes Haus von russischen Werkmeistern
aufführen lassen, in welchem er wenigstens
den Winter über wohnt, wenngleich er, der Sitte seines
Volks gemäss, im Sommer noch in der Steppe
nomadisirt. Ebenso hat er sich nicht weit davon einen
steinernen Tempel von seinen Priestern, die diese
heiligen Gebäude allein bauen dürfen, aufführen lassen.
Da die Wohnung des Fürsten S e r e d -D s c h a b
nicht weit von der Wolga in der Nähe von Seraä-
nowskaja, der dritten Station von Astrachan auf der
Strasse nach Sarepta liegt, so wurde beschlossen
diese auf der Rückreise von hier aus zu besuchen,
denn die Reise auf dem linken Ufer der Wolga zu
machen, war wegen der vielen Kanäle und Flüsse,
die das Land zwischen der Wolga und der Achtuba
durchschneiden, nicht ausführbar. Wir verliessen demnach
Astrachan am 21. Oct., setzten am Morgen früh
in Begleitung des Herrn v. Os s ip o f f , in einem kleinen
Boote über die Wolga, und erwarteten auf dem
jenseitigen Ufer in dem hier gelegenen Hause der
Frau v on S aw a r i k i n , auf die Ankunft unserer Reisewägen,
die, da sie in grössere Boote geladen werden
mussten, zur Ueberfahrt längerer Zeit bedurften.
Um 10 Uhr war auch diese bewerkstelligt, worauf
wir uns dann von Herrn v. Os s ip o f f in dankbarer
Anerkennung der vielen genossenen Aufmerksamkeiten
trennten, und unsere Rückreise auf dem schon bekannten
W eg e antraten.
Bei der sandigen Beschaffenheit des ersten Theils
des Weges kamen wir in Semänowskaja (60 Werste
von Astrachan) erst am Abend an. Da wir von hier
nach Tumeniewka., der Residenz des Fürsten S e r e d -
Ds c ha b , übersetzen mussten, so blieben wir hier die
Nacht, wurden aber noch denselben Abend von dem
jüngeren Bruder des Fürsten S e r e n o rw a begrüsst,
den der Fürst, von unserer Ankunft untenichtet, uns
entgegen gesandt hatte, um uns zu verkündigen, dass
der Fürst uns am folgenden Tage erwarte. Es war
ein junger Mann, nach tscherkessischer Art mit einem
kurzen blauen mit silberner Borte besetzten Ueberrock
bekleidet, der vor der Brust auf beiden Seiten mit
einer Art Tasche zum Einstecken der Patronen versehen
war. Er blieb mit uns die Nacht in Samä-
nowskaja, und führte uns nun am folgenden Morgen
auf seinem mit 12 kräftigen Kalmücken bemannten
Boote über die Wolga.
Die Nacht war ziemlich kalt gewesen, und noch
jetzt am Morgen um 9 Uhr, wo wir übersetzten, hatte