
dargestellte Gruppe, welche, da die schärferen Endkanten
des Octaöders o , welches in der Combination
immer vorherrscht, unter einem Winkel von nahe 120°
gegen einander geneigt sind, ungefähr das Ansehen
eines Hexagondodecaeders hat, das an den Endspitzen
gerade abgestumpft ist. Dieses Ansehen ist noch täuschender,
wenn die Flächen n fehlen, und dadurch die
einspringenden Winkel in der Mitte der Seitenkanten
des Hexagondodecaeders fortfallen. Diese sind indessen
meistens da, wenn auch häufig kleiner, als Inder
Zeichnung angegeben ist, und nicht selten treten auch
noch ■ die Flächen b hinzu, die den einspringenden
Winkel noch tiefer einkerben. Ausserdem verräth
sich noch der Drilling durch die Streifung auf den
Flächen o, die an der Gränze zweier Individuen unter
Winkeln von fast 60° zusammenstösst, und eben so durch
eine stets zu erkennende Gränzlinie auf den Flächen
. des Hexagondodecaeders in der Richtung ihrer Diagonalen.
Da indessen die schärferen Endkanten des Octae-
ders nicht genau unter einem Winkel von 120 0 g e neigt
sind, so ist auch die Form, welche die Zwillingsgruppe
hat, nur scheinbar die eines Hexagondodecaeders.
Jener Winkel beträgt, nachMohs1), 119? 46';
zwei gegenüberliegende Seitenkanten des scheinbaren
Hexagondodecaeders, die nämlich, welche aus den
Kanten der Octaeder o‘ und o" bestehen, bilden daher
keine gerade Linie, und eben so wenig deren angrän-
zende Flächen eine gerade Ebene, sondern an der
Gi •änze der Octaeder o' und o44 stossen, wenn die
Flächen » und b fehlen, die Kanten der Octaeder ©t
und o" unter einem Winkel von 179° 18' und die
Flächen unter einem Winkel von 189° 31' zusammen;
aber diese Winkel sind so stumpf, dass sie, zumal da
die Flächen nicht vollkommen eben sind, nicht sichtbar
*) Grundriss der Mineralogie, Th. II S. 348
werden, und die einspringende Kante an der Gränze
der Individuen ©' und o" nicht anders erscheint als
die tbeilenden Linien, sowohl zwischen den Individuen
o und o' als auch den Individuen o und o".
Die Krystalle dieses Chrysoberylls kommen von
sehr bedeutender Grösse vor; Herr Ober-Bergmeister
Kämme r e r aus Petersburg zeigte mir bei seiner
Durchreise durch Berlin im August 1839 eine Drillingsgruppe,
bei der die Entfernung zweier gegenüberliegender
Seitenkanten des scheinbaren Bodecae-
ders genau. 2$ Zoll, und der beiden Flächen a Zoll
betrug; indessen sind die Krystalle doch gewöhnlich
kleiner.
Ihre Farbe ist grasgrün und dunkler als die des
beibrechenden Smaragdes, auch sind s ie , wenigstens
die, welche ich gesehen habe, nur durchscheinend, und
ausserdem noch rissig, daher sie auch als Schmuckstein
nicht zu benutzen sein möchten. S ie besitzen
ferner einen sehr bemerkenswerthen Dichroismus, w'or-
auf mich schon Hr. Kämme r e r , durch den ich die
Krystalle zuerst kennen lernte, aufmerksam machte.
Wenn man in einer Richtung rechtwinklig auf «durch
sie hindurch sieht, sind sie sehr auffallend mit hya-
cinthrother Farbe durchscheinend, aber man sieht diese
Farbe nur, w'enn man die Krystalle gegen ein sehr
helles Licht, z. B. das der Sonne oder einer hellen
Kerze, nicht gegen die gewöhnliche Helle des Tages
hält.
Das specifische Gewicht eines etwa 1 Zoll breiten,
von ansitzender Bergart ganz freien, 3,1245
Grammen schweren Krystalls, im Besitz des Herrn
Kämme r e r fand ich 3,689 I).
i ) Dieses Gewicht ist geringer als das, welches Mohs für eine
durchsichtige spargelgrüne Varietät angiebt, und 3 ,/5 4 beträgt (Grundriss
der Min eralo g ie, Th. II S. 349);. der Unterschied rü h rt wahrscheinlich
von kleinen Höhlungen im In n e rn des uralischen Chrysob
e ry lls, die bei Drillings- und Zwillingskryslallen selten fehlen, so
wie auch von kleinen Sprüngen, die der Kryslall hatte, her.