
kann sie nämlich nnr für ächte oder für After-Kry-
stalle der Hornblende halten.
Zu der Annahme, dass die Uralitkrystalle ächte
Hornblendekrystalle seien, könnte man durch die übereinstimmende
Spaltbarkeit beider veranlasst werden.
Der Uralit würde in diesem Fall als eine neue, bisher
noch nicht beobachtete Combination der Hornblende zu
betrachten sein, die ausser-der Längs- und Querfläche
von dem vertikalen Prisma (a : \ b : ao c ) , und von
dem schiefen Prisma (a : ; c) gebildet wäre, was,
wie oben gezeigt, sehr gut möglich ist.
Wenn aber auch von dieser Seite jener Annahme
keine Schwierigkeiten im Wege stehen, so finden sich
diese doch auf ändern Seiten. Die Flächen (a .* \b
ao c) sind, wie ebenfalls gezeigt ist, noch nie bei der
Hornblende auch nur untergeordnet, geschweige denn
so herrschend wie in diesem Fall, beobachtet worden.
Diess aber könnte Zufall sein. Eingewachsene Kry-
stalle pflegen sich indessen immer in der Form ziemlich
gleich zu bleiben ; diess sieht man bei der übrigen
Hornblende, beim Augit, Olivin, und sehr auffallend
bei dem Feldspath, der so häufig in Zwillingskrystal-
len eingewachsen vorkommt, die aber in diesem Falle
stets als breite sechsseitige Prismen erscheinen, während
er da, wo er sich in aufgewachsenen Zwillings-
krystallen findet, gewöhnlich in rechtwinkligen Prismen
krystallisirt is t Die Hornblende müsste also eine
Ausnahme von dieser Regel machen, und als Uralit in
eingewachsenen Krystallen Vorkommen, die von den
bisher beobachteten eingewachsenen Krystallen so verschieden
sind, dass man Uebergänge bisher noch gar
nicht beobachtet hat.
Dann spricht auch gegen diese Annahme noch
das geognostische Vorkommen des Uralits. Derselbe
kommt in den Augitporphyren häufig mit Labrador
Vor, wie auch der Augit, aber es ist bis jetzt noch
kein Fall bekannt, dass ächte Hornblende, welche
nicht mit Augit regelmässig verwachsen wäre, oder die
Form desselben besässe, mit Labrador vorkäme. Diese
Gründe, wenn sie gleich die obige Annahme nicht
unbedingt widerlegen, machen sie doch wenigstens
nicht wahrscheinlich.
Auf die andere Annahme, dass die Uralite After-
krystalle der Hornblende sind, führen besonders die
Verwachsungen, die so häufig zwischen Augit und
Hornblende stattfinden. Sie kommen stets so vor, dass
grössere Augitkrystalle mit kleineren Hornblendekry-
stallen, nie umgekehrt grössere Hornblendekrystalle
mit kleinen Augitkrystallen, regelmässig besetzt sind.
Um diese Verwachsungen aber recht zu verstehen,
ist e s nöthig in ein grösseres Detail einzugehen.
Die Verwachsungen der Hornblende mit dem Augite
kommen auf zweierlei Weise vor. In der königlichen
Mineraliensammlung zu Berlin befindet sich eine schöne
Druse von einem grünlichweissen Augit (Sahlit) von
Arendal, deren Krystalle die rhombischen Prismen
sind, an welchen die Abstumpfungsflächeu der schärferen
und stumpferen Seitenkanten nur untergeordnet
hinzugetreten, und die an den Enden mit den Flächen
P und t begränzt sind (vergl. die Fig. von H a fly ).
Die Druse ist an einer Seite mit einer krystallini-
schen schwärzlichgrünen Hornblende bedeckt, die auch
in einzelnen kleinen Krystallen auf den Seitenflächen
der Augitkrystalle aufsitzt. Die kleinen Hornblendekrystalle
haben in diesem Falle eine ganz regelmässige
Lage gegen den Augitkrystall, nämlich die, dass
ihre Hauptaxen und die Abstumpfungsflächen ihrer
vorderen (stumpfen) Seitenkanten den Hauptaxen und
den vorderen (stumpfen) Seitenkanten der Augitkrystalle
parallel sind; sie sind aber nur an den Augitkrystall
angewachsen, nicht in ihm eingewachsen,
und lassen sich daher mit einem Messer absprengen,
ohne einen Eindruck in ihm zu hinterlassen. Ausser
diesen grünlichschwarzen Hornblendekrystallen sitzen