
wurden dann von Zeit zu Zeit von den'Aufsehern mit
Peitschenhieben zurückgedrängt, waii, so unbarmherzig
es uns auch zu geschehen schien, doch niemals übel
aufgenommen wurde, und ganz in aller JYeundschaft
vor sich ging. Auch die Frauen der Sultane waren
aus ihrer Jurte getreten, und sahen auf einen Fleck
zusammengedrängt, den Spielen zu.
Nachdem das Ringen eine ganze Zeit lang g e währt
hatte, wurde ein grösser eiserner Kessel herbeigebracht,
der bis über die Hälfte mit gekochter
Grütze gefüllt war. In diesen warf der General Gens
einen Silberrubel, und liess nun die Kirgisen auffor-
dern, denselben mit dem Munde heraus zu holen. Ein
Äthemholen war unter der Grütze nicht möglich, daher
der Versuch nicht lange währen konnte, aber in
dem glatten Kessel die Münze mit den Zähnen zu
fassen, war schwer, und vielen missglückte der Versuch,
der zum zweiten Male von ein und demselben
nicht wiederholt werden durfte; sie mussten den Kopf
bis an den Schultern von anhaftender Grütze weiss,
zum «Trossen Gelächter der Umstehenden unverrichte-
ter Sache abziehn. Es war sehr ergötzlich die Anstrengungen
zu sehen, die jeder machte zum Ziele zu
gelangen, endlich glückte es einem, den Silberrubel
mit dem Munde bis an den Rand des Kessels zu schieben,
und ihn dann mit den Zähnen zu fassen, ein
zweiter fasste einen ändern hineingeworfenen Rubel
gleich unten mit den Zähnen, und brachte ihn glücklich
heraus, und so wurde das Spiel mit neuen Rubeln
noch eine Zeit lang fortgesetzt.
Nun traten zwei Tonkünstler in den Kreis, ein
alter und ein junger, die sich mit untergeschlagenen
Beinen einander gegenüber hinkauerten, und einem
einer Klarinette ähnlichen Instrumente klägliche Töne
entlockten, theils abwechselnd einzeln, theils zusammen
blasend. Sie schienen eine besondere Kunst darin zu
setzen, recht lang anhaltende Töne hervorzubringen,
und dabei erschreckliche Gesichter zu schneiden, worin
es besonders der Alte weit gebracht hatte, der sich
auch viel auf seine Kunst einzubilden schien. In ihrem
ganzen Spiel war keine Spur von Melodie wahrzunehmen,
aber sie waren davon doch selbst so entzückt,
dass man sie nur schwer bewegen konnte aufzuhören,
und sie immer von neuem wieder anfingen.
Wir wollten indessen auch die Frauen hören, von denen
nun eine ganz verschleiert in den Kreis trat
sich dann auf ähnliche Weise, wie die Männer hin-
setzte, und zu singen anfing, und wie diese, lang verhallende
Molltöne hervorbrachte. Nach ihr stimmten
2 junge Mädchen ein Duett an, sie setzten sich das
Gesicht einander zugekehrt, dicht nebeneinander, und
erhoben ihre Schleier so, dass sie sich gegenseitig, die
Zuschauer sie aber von den Seiten ansehen konnten, was
sie nicht übel zu nehmen schienen. Sie wurden durch
die Nachricht unterbrochen, dass man die Reiter ankommen
sähe, worauf sie aufstanden und alle übrigen
Zuschauer, von den Aufsehern durch Peitschenhiebe
häufi«- daran erinnert, vor uns zurücktraten, um uns
und den Frauen die Aussicht auf die heransprengenden
Reiter zu eröffnen. Ein Knabe war allen übrigen
zuvorgekommen; er gewann den Preis, der in einem
mit Silber gestickten Oberkleide bestand, doch wurden
auch noch die zunächst nach ihm Kommenden mit kleineren
Geschenken belohnt.
Nach dem Wettrennen zu Pferde wurde nun notfh
zum Schluss ein Wettrennen zu Fuss veranstaltet. Die
Kämpfer wurden bis auf eine Entfernung von anderthalb
Wersten fortgeschickt, von wo sie auf
uns zu liefen. Hier war es ein junger schon erwachsener
Kirgise, der den ersten Preis, in einem Silber-
rubel bestehend, erhielt, die übrigen erhielten Stucke
baumwollenen Zeuges und andere kleinere Ges°he“ke‘
Der erste Läufer hatte aber den Weg von anderthalb
Wersten, also von mehr als dem fünften Theil einer