
miethen konnten, schien Herrn von Humboldt , doch
zu misslich, wiewohl HerrKar e l i n , der uns zu dieser
Reise nach Kräften zuredete, sich von freien Stük-
ken anbot, uns bis zum Chane zu begleiten, und uns
mit seiner Erfahrung zu unterstützen, da er diesen
Weg schon mehrmals gemacht habe.
So blieb uns also nichts übrig, als die Steppe zu
umfahren. Diess kann aber auch auf zweierlei Weise
geschehen; indem man nämlich nördlich oder südlich
um die Steppe fahren kann. Der nördliche W eg ist
zu gleicher Zeit der Postweg, er geht von Orenburg
zuerst nach Busuluk und Samara, wo er die Wolga
trifft, und dann an dieser entlang über Saratoff und
Sarepta nach Astrachan. Diesen Weg zurückzulegen
hat keine Schwierigkeiten, da er aber von Orepburg
erst nordwestlich geht, und die Wolga von Samara
in einem grossen nach auswärts gekehrten Winkel
nach S. fliesst, so führt er nur auf einem sehr grossen
Umwege nach Astrachan. Der zweite W eg ist kürz
e r , er geht an der mittleren und unteren uralischen
Linie entlang über Uralsk nach Gurjeff an der Mündung
des Ural, und dann entweder zu Schiffe auf dem
kaspischen Meere oder auf dem Cordon an der Küste
entlang nach Astrachan. Auch dieser Weg hat bis
Gurjeff keine Schwierigkeiten, wohl aber desto grössere
von da weiter bis Astrachan. Ihn zu Schiffe ausführen
zu können, war unwahrscheinlich, da auf solche
Schiffe, wie sie zum Transport unserer Wagen nöthig g e wesen
wären, in Gurjeff nicht zu rechnen war; die Reise
hätte so nur auf einem Fahrzeug zurückgelegt werden
können, das von Astrachan nach Gurjeff eigends zu
unserer Aufnahme abgesandt worden wäre, und bei
dem Wege, auf dem Cordon war zu befürchten, dass
wir auf den Kosakenposten, die besonders von Gurjeff
aus in sehr weiter Entfernung von einander stehen,
nicht die für unsere Wagen nöthige Anzahl Pferde
finden würden, der Schwierigkeiten nicht zu gedcnken,
welche das Uebersetzen mit unseren Wagen über
die vielen Arme, in welche die Wolga vor ihrer Mündung
sich zertheilt, unfehlbar gehabt haben würde. So
blieb uns also nur der nördliche Weg übrig, der, wenn
er gleich auf grossem Umwege zum Ziele führte, doch
der einzige war, der eine sichere Rechnung zuliess;
worauf es bei der vorgerückten Jahreszeit Herrn v on
Humbold t besonders ankam, und dieser wurde dann
auch nun gewählt. Um aber doch noch Uralsk, den
Hauptsitz der uralischen Kosaken, kennen zu lernen,
beschloss Herr v. Humbol d t , zuerst den Ural abwärts
bis zu jener Stadt zu gehen, und dann erst in
Busuluk die grosse Strasse zu treffen.
So verliessen wir denn Orenburg am Morgen des
26. September. Unsere Freunde, die Herren Gens
und S u s c h k o f f , begleiteten uns noch bis zu der
drei Werste von der Stadt entfernten Sakmara; hier
sagten sie uns ein Lebewohl und hier trennten sich
auch unsre bisherigen Reisegefährten, die Herren
Hofmann und v oh H e lme r s e n von uns, die nun
von Orenburg den geraden W^eg nach Petersburg
nehmen wollten, wo wir sie wieder zu treffen hofften.
Eine Fähre führte uns darauf über die Sakmara, deren
Ufer mit hohem Laubholz (Eichen und Buchen)
angenehm bewachsen sind, und an welchen derselbe
rothe Sandstein ansteht, der sich auch an den Ufern
des Ural bei Orenburg findet. Nach der ersten Station
Tscheruoretschinsk (27 Werst von Orenburg) wird
der W eg sehr bergig, und bleibt es auch bis zur dritten
Station Nischne Osernaja (89 Werste vonO.), wo
wir am Abende anlangten. Das Steppen-Gebirge, der
Obschtschei Syrt zieht sich hier ganz nahe an den
Ural heran, weiter abwärts entfernt es sich mehr von
demselben , und läuft dann in östlicher Richtung fort,
die Zuflüsse des Uralfiusses von denen der Wolga
trennend, die sich durch die Samara dem Ural bei Tscher-
noretschinsk doch bis auf die geringe Entfernung von