
hat es seinen ausgebreiteteu Ruf durch seine Klingenfabrik
erlangt, die von dem Bergrath E v e r s -
mann mit Hülfe von Solinger und Klingenthaler
Klingeöschmieden, welche er im Aufträge der Regierung
nach dem Ural führte, angelegt wurde. Durch
diese deutschen Einwanderer ist der früher kleine
Flecken zu einer ganz deutschen Fabrikstadt geworden,
in der wir überall die vaterländische Sprache
hörten, und vaterländische Einrichtungen und Sitten
sahen. Jeder Meister hat seine eigene Werkstätte,
in welcher er die Klingen schmiedet, und nur das
Schleifen, Poliren und Vergolden geschieht gemeinschaftlich
in einem besondern Gebäude. Er ist verbunden
jährlich eine bestimmte Menge Klingen abzuliefern
und einige Russische Schüler zu bilden, und
bezieht dafür das in Russland hohe Gehalt von 2500
Rubel; ausserdem hat er eine freie Wohnung mit Garten,
und erhält, wenn er krank is t, freie ärztliche
Hülfe und Medizin nach Belieben zu Hause oder im
Hospital. Die deutschen Meister sind alle im Wohlstände,
und die, welche wir sprachen, mit ihrem Loose
zufrieden; sie beklagten nur, was freilich nicht anders
sein kann, dass ihre-Kinder sich nicht eines gleichen
Schicksals zu erfreuen hätten, da die in Slatoust angelernten
Meister nur einen Rubel täglich erhalten.
Der Stahl zu diesen Klingen wird in Slatoust
selbst bereitet; es ist Rohstahl, der aus dem hiesigen
Roheisen auf besondern Heerden dargestellt, und nachher
noch mehrere Male raffinirt wird. Die fertigen
Klingen werden einer strengen Prüfung unterworfen,
und jede zerbrochen, bei welcher nur der kleinste
Fehler zu bemerken ist. Hierdurch erleidet man freilich
einen Abgang von 20 pCt., erhält aber auch den
Ruf, in welchem sie stehen. Das ganze Quantum fertiger
Säbel, das zur Armee abgeliefert wird, beträgt
30,000 Stück; die Klinge kommt auf 6 Rubel, die fertigen
Säbel auf 18 bis 20 Rubel zu stehen.
Wir besahen unter der Leitung des Herrn Ober-
Directors Ach t e ') und der Herren Unter-Directoren
Ano s s o f f und He rmann noch denselben Nachmittag
die sämmtlichen hiesigen W e rk e , sowohl die
Hohöfen, Stahlheerde, Fabrikgebäude und Magazine,
als auch die Werkstätten von mehreren der
deutschen Meister, und bestimmten daher schon den
folgenden. Tag zu einer Exkursion nach dem Taganai,
wozu wir auch sogleich die Vorbereitungen machten.
Den 8 Sept. Der Taganai bildet, wie schon oben
erwähnt, einen langen Gebirgsrücken, der sich 10
Werste nördlich von Slatoust erhebt und nach N. mit
einer nur geringen Neigung nach W. fortzieht. Er
hat dasselbe Streichen wie die Urenga, und ist nur
als eine Fortsetzung derselben anzusehen, steht aber
doch in keiner, unmittelbaren Berührung mit ihr, da er
von ihrem nördlichen Ende, dem Kossotur, noch durch
ein breites Querthal und die darin fliessende Tesma
getrennt ist 2). Er zieht sich in der angegebenen
Richtung etwa 15 Werste fort, senkt sich nun aber
ebenfalls, worauf sich fast in derselben Streichungsli-
nie ein neuer Gebirgsrücken, dieJurma erhebt. Dasselbe
ist auch im Süden der Urenga der Fall, indem
hier in seiner Streichungslinie der Iremel lieg t, so
dass der Iremel, die Urenga, der Taganai und die
Jurma nur als von einander getrennte Glieder eines
und desselben Gebirgszuges zu betrachten sind.
Auch zeigen sie alle eine gleiche geognostische Beschaffenheit,
denn sie bestehen sämmtlich aus Glimmerschiefer,
der im Taganai, und also auch wohliin den
r ) J e tz t is t H e rr A n o s s o f f Ober- Dirsktor und H e rr A c h t e
bei seinem vorgerückten Alter pensionirt.
2) Die Tesma entspringt am südwestlichen. Fusse des Taganai,
und fliesst dann auf der östlichen Seite des Kossotur e n tlan g , bis
sie sich mit dem Ai bei dessen westlicher Wendung verbindet; sie
h a t demnach >in dem Längenthale zwischen dem . Kossot.ur und dem
Ural, eineu fast entgegengesetzten Lauf wie der Ai,