
und da in dem Quarz eingesprengt, ebenso auch etwas
Malachit. Die grösseren Höhlungen des Quarzes
sind mit kleinen Krystallen von Quarz und Weissbleierz
von weisser Farbe besetzt, stellenweise wird
aber der Quarz sehr feinporig, hat dann eine gelbliche
und grünliche Farbe, und ist bier mit einer Menge
kleiner aber überaus glänzender Krystalle von Gelbbleierz
besetzt, welche die selten vorkommende, rnor-
genrothe Farbe haben, wie das Gelbbleierz von Retz-
banya im Banat. Die Form der Krystalle ist das
Hauptoctaüder, das zuweilen an der Endspitze und
den Seitenkanten schwach abgestumpft ist. Die Krystalle
sind nur höchstens eine halbe Linie gross, bei
dem grossem Glanze und der Glätte der Flächen war
es aber "noch möglich, ihre Winkel mit dem Reflexionsgoniometer
zu bestimmen; ich fand auf diese
Weise die Neigung der Flächen in den Endkanten
99° 38', die der Flächen in den Seitenkanten 131°
55'. Diese Winkel stimmen nicht genau unter einander
und mit den Winkeln von 99° 40' und 131° 35',
die Mohs angiebt überein, doch rühren diese Abweichungen
offenbar nur von den Fehlern in der Messung
her, die bei so kleinen Krystallen schwer gänzlich zu
vermeiden sind. Wie bei den Krystallen aus dem Banat
rührt die rothe Farbe von einem geringen Gehalte an
chromsauren Bleioxyde her, wie man an dem Verhalten
vor dem Lötbrohre sehen kann l).
Auch an zoologischen Merkwürdigkeiten sahen und
erhielten wir in Semipalatinsk manches Neue. Herr
Obrist von Kempen zeigte uns auf seinem Hofe eine
lebendige Saiga Antilope, wie sie in der Kirgisensteppe
in grösser Menge Vorkommen und Herr v. Kl o s
t ermann machte Herrn E h r e n b e r g ein Geschenk
mit dem Fell eines Tigers, der in Sibirien erlegt war,
und also ein Seitenstück zu dem Exemplare bildet,
*) Vergl. P o g g e n d o r f f s Annalen B XLVI. S. 639.
welches wir in der zoologischen Sammlung der Universität
von Moskau sahen. Andere Felle merkwürdiger
Thiere, wie besonders das eines üheraus interessanten
langhaarigen nordischen Leoparden erhielten
wir von einem Russischen Pelzhändler *).
Nachdem Herr v. Humbo l d t zur Bestimmung
der geographischen Lage des Ortes noch Sonnenhöhen
genommen, reisten wir von Semipalatinsk ab, verweilten
aber noch den Mittag auf der 7 Werste entfernten
und auf dem Wege nach Omsk gelegenen Besitzung
des Herrn Pop o f f und verliessen dieselbe erst nach
eingenommenem Mittagsmahle. Die Besitzung liegt
unmittelbar an dem Ufer des Irtysch, das hier eine
ganz bedeutende Höhe hat, und auf dem Abhange
zieht sich der Garten bis zum Strome hinunter. Letzterer
hatte schon ein ganz europäisches Ansehen; die
Wege waren mit Blumenbeeten und Reihen europäischer
Obstbäume besetzt, die Herr Popo ff zu accli-
matisiren versuchte, die aber doch noch klein waren,
und nur schwer in diesem Klima zu gedeihen schienen,
wie sie auch in Sibirien etwas ganz ungewöhnliches
sind. Dagegen waren die Arbusen sehr üppig,
die überhaupt in der Gegend von Semipalatinsk viel
gezogen werden, und hier von ganz besonderer Güte
sind. Neben dem Garten hat Herr Popof f eine
Schneidemühle angelegt, die von dem Wasser eines
kleinen Baches, der hier in den Irtysch fällt, in Bewegung
gesetzt wird.
Um 5 Uhr Nachmittags verliessen wir Herrn P o pof
f , herzlich dankend für die uns bewiesene Gastfreundschaft
und reisten nun ohne Aufenthalt bis Omsk.
Am Morgen des 23. August waren wir in der Redoute
Semijarsk, die durch ihre schöne steinerne Kirche be*)
Prof. K h r e n b e r g hat diese Felle in eitler besondern Abhandlung
in den Annales des Sciences naturelles von 1830 beschrieben.
Oer langhaarige Leopard ist eine neue Species u;id von ihm Felis
Irbis genannt worden.