
Arm, den Tschagan, einznlenken, in welchem sich die
Fischereien des Herrn S a p o s c h n i k o f f befinden. Wir
konnten indessen den Weg nicht lange fortsetzen,
denn bald erhob sich plötzlich ein solcher Nebel,
dass wir anhalten mussten bis sich derselbe gelegt
hatte, was nicht vor Anbruch des Tages geschah.
Als die Sonne aufgegangen war, befanden wir uns
schon in dem schmalen Tschagan, dessen Ufer so flach
und dermassen mit Schilf bewachsen waren, dass man
von ihnen und dem angränzenden Lande nichts wahrnehmen
konnte. Erst weiter aufwärts erhoben sich
die Ufer mehr, blieben aber bis zur Watage des Herrn
S a p o s c h n ik o f f , wo wir um 3 Uhr ankamen, immer
noch sehr schilfreich.
Wir landeten in der Nähe eines sehr schönen Gebäudes,
das Herr S a p o s c h n i k o f f bei Gelegenheit
der Reise des Kaisers A l e x a n d e r nach dem Ural
im Jahre 1S24 hatte aufiühren lassen, in der Hoffnung,
dass der Kaiser auch nach Astrachan kommen uud
seine Fischereien besehen würde, was aber nicht g e schah.
Herr S a p o s c h n ik o f f , schon von unserer
Ankunft benachrichtigt, empfing uns sehr zuvorkommend,
und führte uns na.ch eingenommenem Frühstück
sogleich zu der Fischerei. Die Fische, welche hier
wie in den übrigen Fischereien der Wolga gefangen
werden, sind die nämlichen, welche in dem Ural Vorkommen,
und oben angeführt sind. Sie pflegen bei
ihren Zügen immer gewisse Striche zu halten, und
vorzugsweise dazu gewisse Arme der Wolga zu wählen
, die durch genaue Untersuchung nun schon g e kannt,
und an denen dann vorzugsweise die Fischereien
angelegt sind. Zu einem der fischreichsten Arme
gehört nun, vielleicht wegen seiner besonders schilf-
reichen Ufer, der Tschagan. Wir fanden hier wie im
Ural den ganzen Strom durch ein Pfahlwerk (Utschug)
gesperrt *), das in einem stumpfen Zickzack quer durch
1) Zu den übrigen fischreichen Armen, die auch durch einen
den Fluss geführt war. An den einspringenden Winkeln
desUtschugs, (wenn man nämlich stromaufwärts
geht, waren Oeffnungen angebracht, die wiederum an
der Aussenseite in einiger Entfernung durch halbzirkelförmige
Flechtwerke, die bis an den Boden reichten,
verschlossen waren. Die grossen Hausen und
Störe schwimmen stromaufwärts durch die Oeffnung
des Utschug in die mit dem Flechtwerk umgebenen
Kammern, aus denen sie, wegen der Schwierigkeit des
Umwendens, nicht wieder zurückkehren können, und
so dann von Zeit zu Zeit mit Haken herausgezogen
werden.
Die Fische, welche die ihnen verderblichen Oeffnungen
nicht so bald finden, sammeln sich vor dem Utschug
in grösser Menge an, und es wird ihnen nun hier
noch auf andere Weise nachgestellt. Durch den ganzen
Fluss sind querüber Taue gezogen, welche an
dem Boden desselben liegen. An diesen sind alle anderthalb
Spannen Schnüre von 2 Spannen Länge angebracht,
an deren Enden eiserne Haken befestigt sind,
die durch andere Schnüre mit kleinen Stücken Holz,
die auf dem Wasser schwimmen, in der Höhe erhalten
werden. Dergleichen Taue gehen nun mehrere
in gewissen Entfernungen durch den Fluss. Die
Störe, Hausen und Sewrugen, die sehr gefrässig sind,
schnappen nach dem Holz«, bewegen dabei den Angelhaken,
und stossen sich denselben in den Leib; sie
suchen sich nun loszureissen, stossen denselben aber
dabei nur immer tiefet, und verwickeln sich wohl gar
noch in einen benachbarten. Von Zeit zu Zeit fahren
nun die Fischer in einem Kahne an den schwimmenden
Hölzern entlang, ziehen mit Haken die gefangenen
Fische heraus und bringen sie gewöhnlich erst
nach einem durch Flechtwerk abgezäunten seichten
Utschug geschlossen s in d , gehören der Iwantschug, Uwari und
Kumusik.