
in Orsk, um am Morgen des folgenden Tages erst
den Durchbruch des Ural zu besichtigen. Mit mir
blieb auch Herr Hofmann zurück, der sich wiederum
mit. der freundlichsten Bereitwilligkeit erboten hatte, mein
Begleiter und Führer auf dieser Exkursion zu sein.
Wir brachen demnach am Morgen des 20. Sept.
so früh als möglich auf, schickten unsern Wagen auf
dem grossen W eg e , der in grösserer Entfernung von
dem Uralflusse geführt ist, nach Chabarnoi, ddr nächsten
26 Werste von Orsk entfernten Station, und ritten
selbst, begleitet von einigen Kosaken1) , die uns
r ) Unter diesen befand sich auch ein junger Pole Namens J o hann
W i t k i e w i c z , ' dessen ich hier erwähne, weil in der neueren
Zeit sein Name vielfach die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich g e zogen
hat. E r war früher ein Zögling des Gymnasiums zu Krozc
im Wilnaschen Gouvernement, wurde a b e r, als I4jähriger Jüngling,
mit mehreren anderen seiner Kameraden wegen politischer Ursachen
noch bèi Lebzeiten des Kaisers Alexander nach Orsk v e rb an n t, und
verurtheilt zeitlebens gemeiner Kosak zu bleiben. W i t k i e w i c z
benutzte in Orsk seine freie Zeit zur E rle rn u n g der orientalischen
Sprachen, besonders des Türkisch-Kirgisischen Dialekts, des Persischen
und des Arabischen, Wozu e r in Orsk Gelegenheit h a tte , und worin
e r es bald zu grösser Fertigkeit brachte, und mochte, da sich ihm
bei der Thronbesteigung des Kaiser Nicolaus keine Aussicht zu einem
besseren Loose eröfinete, wohl die Absicht haben', bei erster
Gelegenheit durch die Steppen der Kirgisen zu entweichen und sich
au f diese Weise einen Weg nach Europa zu bahnen. H e rr v o n
H um b o l d t , welcher in Orsk von diesen jungen Polen h ö rte , und
von ihrem b ek lag e n sw e rten Schicksale ergriffen w a r, verwandte
sich bei seiner Rückkehr nach Petersburg für drei derselben persönlich
beim Kaiser Nicolaus. Die Verwendung hatte die glücklichsten
Folgen. W i t k i e w i c z wurde zuerst bei der Gränzkommission in
Orenburg angestellt, und später als Hauptmann über ßokhara nach
Kabul geschickt, und der russischen Gesandtschaft in Persie» unter
dem Herrn v o n S im o n i t s c h beigegeben, wodurch er in Afghanistan
mit dem berühmten Reisenden Sir Alexander B u r n e s , dem
Abgesandten der englischen Regierung, zusammentraf. Nach der
Z e it wurde W i t k i e w i c z über Tiflis ausPersien znrückberufen, da
die russische Regierung die dortigen Verhandlungen nicht billigte.
Kaum in Petersburg angekommen, nahm sich der talentvolle junge
Mann im Anfang des Jahres 1 840, wahrscheinlich aus gekränktem
Ehrgeiz, das Leben,
vor et wanigen Ueberfällen der Kirgisen schützen sollten1)
, den Fnsspfad', der hart an dem rechten Ufer
des Flusses entlang geht. Auf diesem Wege durchschneidet
man einen besonderen Höhenzug des Irenr
) Ein^, solche' Eskorte hatte auch gestern H e rr vò-n Hum-"
b o 1 d t erhalten , und erhalt überhaupt jeder Reisende an der mittleren
uraliSchen Linie, „denn die .Gränze von Orsk bis Orenburg. ist
eine der unsichersten des russischen Reiches. | Sehr häufig »pch rnay
chen die Kirgisen, die die Steppen südwärts und westwärts der mittleren
und unteren Üralischen Linie bewohnen, und die zu der kleinen
Horde gehören, den Urälfluss überschreitend, feindliche Einfälle
in das ’ russische Geb'iety ’un’d rauben 'Menschen und Vieh: Die e rstefèn
verkaufen sie den Khiwensen, im Süden des Aralsees, welche
die Russen als gufe Arbeiter schätzen, und zu ihren weitläuftigen
KanaLarbeiten in der Oase des Amu.-Dgria, die, sie bewohnen, gebrauchen,
und. daiier. theuer bezahlen. Die Nachbarschaft von Khiwa
is t' deshalb, eine der Hauptursachen des feindlichen Zustandes der
Gränze. Man sagt,* drtss an 6000 Russen in Khiwa in d^r Gefangenschaft
s c hm a c h te n t)d e n e n , .da sie durch:die Steppen von ihrem
Vaterlande ) getrennt s in d , ein Entweichen fast unmöglich gemacht
ist. Um von den Eififällen der Kirgisen gleich in Kenntnis« gesetzt
zu sein, sind zwischen den Redouten und Festungen der .Linie noch
von Zeit zu Z e it'h ö lz e rn e Warten (sogenannte „Majak's, von ßaikehi
zusammengefügte, Obén etwas abgestumpfte Pyramiden," zù denen von
aussen eine Treppe hinaufführt) errichtet," und auf wfelchd» WadhtA
posten gestellt sind, die von allen Veränderungen in der Steppe-den
nächste» : Fe stu n g en . d,er Linie durch ubgesandte Boten oder dnrtfh
Feuerzeichen berichten müssen. Ausser den Kosaken sind auch noch
die Raschlciren zu dem Vorpöstendiehst an* der mittleren üralischen
Linie Verpflichtet; ’ìndèf» si’e 's ta tt .des früheren Tributs je tz t 15,000
Mann-auf ihre eigenen Kosten zu stellen haben,-diesen Felddienst
zu verrichten. . . •
®) Diese Zahl gründet sich auf die Angabe Von Mu r a w i e f f ,
der selbst längere Zeit in Kbiwa gefangen gehalten wurde? "Nach
dem É840 mit .dem Khan-;vvon Khiwa abgeschlossenen Vertrage,, nach
welchem d*c russischen Gefangenen ausgeliefert werden so llten , Sind
jè'doch n u r 745 Russen zurückgekehrt , und nach der-Aussage .der
Zuiiickgekehrten n u r 18 in KhiWa geblieben. Der Khan von Khiwa
bat übrigens in Folge dieses Vertrages in einem Fertnan erklärt,
dass : alle Christen und ihr rEJigenthum un ter den Schutz des Khans
gestellt würden und künftig unantastbar sein so llten , wodurch nun
vVblil die 'Verhältnisse* ah der Gränze sich anders g e sta lten , und einen
friedlicheren Charakter annehmen werden. •