
Lichte uns zu der weiteren Fahrt. Es war ein warmer
schöner Abend, der uns noch lange auf dem Verdecke
fesselte, bis wir uns endlich in die Kajüte zurück
zogen. Das Meer war hier ö wieder überaus flach,'
so dass- man beständig den Grund sondiren musste,
um nicht auf eine völlige Untiefe zu gerathen. Aber
nachdem wir uns schon lange zurückgezogen hatten,
hörten wir stets noch von dem Matrosen, der das
Senkblei hielt, den einförmigen Ruf sehest s’polowinoi
(d. i. 6j ) , der nun mit dem von sehest s’tschetwertju
(d. i. 6£) nämlich Fuss, abwechselte. Wir legten
uns zuletzt zur Ruhe; in der Nacht um 3 Uhr
aber weckte mich der Capitain, da er wegen eintretenden
Mangels an Holz weiter zu fahren anstand,
und deshalb umzukehren für nöthig fand. Wir waren
nach seiner Aussage nun 75 Werste von Tschetyre
bugri und 95 Werste von Birutschicassa entfernt. Ich
füllte einige Flaschen mit dem Meerwasser, aber un- *
geachtet des doch keinesweges ungünstigen Windes,
der das Wasser aus dem Meere nach der Wolga, treiben
musste und der nicht unbeträchtlichen Entfernung
von den Wolga-Mündungen, war das geschöpfte W a sser
so wenig salzig, dass man es recht gut trinken konnte.
Die Temperatur desselben war 13° R., die der Luft
13°,3, die Tiefe des Meeres an dieser Stelle 3 f Faden.
Wir sahen auch jetzt so wenig wie früher ein Leuchten
des Meeres ’), vielleicht nur wegen des Mondenscheins,
denn zu anderen Zeiten soll es doch zu sehen sein,
J ) H a b l i z l sah im Mai 1774 zu Enzelli am kaspischen Meere
Feuerfuukeu im Schlamm des Ankers und in lodten Muscheln des
My tilu s polymorphus. Die Leuchtthierchen waren Weibchen des
Cancer pulex, die kleine gelbe E ie r u n te r dem Bauche trugen. Auch
d e n Hausen (Acipenser Huso) und Zander (P e rca Lucioperca) sah e r
todt leuchten. (Vergl. E h r e n b e r g über das Feuchten des Meeres
in den Abhand], d. Akad. d. Wiss. von Berlin 1834 S. 434 und 535.)
E i c h w a l d sah kein Leuchten, hörte aber von den Schiffern, dass
das Meer im Sommer in den südlichen Gegenden Licht gebe.
auch keine Fucus-Arten, wie sie doch in anderen
Meeren Vorkommen, weder hier noch am Ufer$ das
Wasser' war ganz reih.
Der geringe Salzgehalt des geschöpften Wassers
ergab sich noch bestimmter nach meiner Rückkehr
nach Astrachan; ich dampfte hier das Wasser einer
der Flaschen ab, und erhielt dabei nur so wenig Rückstand,
dass er in eine ganz kleine Kapsel gefüllt werden
konnte. Das Wasser der anderen Flasche untersuchte
nach meiner Rückkehr in Berlin mein Bruder
H. R o s e ’) ; er fan(i sein specifisches Gewicht bei
10° R. nur 1,0013, also nicht grösser als das vieler
Brunnenwasser, und seine Zusammensetzung:
Chlornatrium 0,0754
Schwefelsaures Natron 0,0036
Schwefelsäure Kalkerde 0,0406
Doppelt kohlensaure Kalkerde 0,0018
Doppelt kohlensaure Talkerde 0,0 440
Wasser mit einer sehr geringen
Menge organischer Substanz 99,8346
100,0000
Es enthält hiernach also nur 0,1654 pC. feste Be-
standtheile. Bei einer Wiederholung dieser Untersuchung
mit der noch übrig gebliebenen geringeren
Menge Wasser erhielt er aus 100 Th. derselben 0,13
Th. fester Bestaüdtheile, was in so fern gut mit der
ersten Analyse übereinstimmt, als auch in dieser die
Menge der festen Bestandtheile, nach Abzug des ganzen
Kohlensäuregehalts in der doppelt kohlensauren
Talkerde und des halben in der doppelt kohlensauren
Kalkerde, 0,1368 Th. beträgt. Den aus dem Wasser
der ersten Flasche erhaltenen Rückstand untersuchte
mein Bruder ebenfalls. Der Rückstand wog geglüht
0,670 Grammen und enthielt:
*) Vergl. P o g g e n d o r f f s Annalen B. XXXV S. 185.