
Die Z o o c e c i d i e n werden duich Würmer und Arthropoden erzeugt.
Unter den Würmem kommt einem Rotator (Notommata Wernecki), welcher an verschiedenen
Vaucheriaarten lebt, und verschiedenen Nematoden (Aphelenchus, Heterodera und
Tylenchus), die Fähigkeit Gallen hervorzurufen, zu. Von den drei Nematodengattungen sind Heterodera
und Tylenchus die weitaus wichtigsten. Für Heterodera radicicola erwähnt Houa rd in seinem
neuen Gallenverzeichnis (Les zoocécidies des plantes d’Europe et du bassin de la Mediterranée, 1909),
auf dessen Angaben wir in den ¿felgenden Berichten uns vielfach stützen, werden, 121 Gallen, für
Heterodera Schachtii deren 12. Von Tylenchus sind mehrere gallenerzeugende Arten unterschieden
worden, Tylenchus devastatrix (nach Houard 37 Gallen), T. Davainii (7 Gallen), T. agrostidis (5 Gallen)
u. a. m. Sämtliche Tylenchus- und Heteroderagallen sind hinsichtlich ihrer anatomischen Struktur
und ihrer morphologischen Gestaltung äußerst einfache Gebilde; sie erscheinen auf Angehörigen
der verschiedensten Pflanzenfamilien; wichtig ist, daß sämtliche auf Bryophyten bisher gefundenen
Gallen Nematodengallen sind. —
Sehr ungleich ist die Befähigung zur Gallenbildung beim Stamm der A r t h r o p o d e n
verteilt: die Myriapoden sind niemals Gaflenbildner, die Crustaceen nur in sehr untergeordnetem
Grade, von den Ärachnoiden sind sehr viele Milben als Gallenerzeuger von hervorragendem Interesse;
bei den Insekten sind fast aus allen Hauptgruppen zahlreiche Gaflenbildner bekannt.
Von den Cr u s t ä c e e | kommen nur die Copepoden in Betracht, von diesen wiederum
nur eine Spezies, Harpacticus chelifer, welche auf Bhodymenia palmata unscheinbare Gallen
erzeugt.
Die G a l lm i l b e n , von welchen namentlich die formenreiche Gruppe der Eriophyidae
wichtig ist, interessieren nicht nur durch die überaus große Zahl ihrer Arten — allein für die Gattung
Eriophyes zählt Houard ungefähr 200 Arten undVarietäten mit ungefähr 700Gallen auf *) —, nicht
nur durch ihre weite Verbreitung über das Pflanzenreich, sondern auch vor allem durch die über,
raschende Mannigfaltigkeit ihrer Gallenprodukte. An Thallophyten sind bisher noch niemals Milben,
gallen gefunden worden, wohl aber an Archegoniaten (z. B. an Pteridium aquilinum, Aspidium filix
mas), an Gymnospermen und an einer außerordentlich großen Zahl von Angiospermen; die Gaflen-
milben erzeugen zum Teil ganz einfache Gewebesohweflungen von wenig charakteristischen Formen,
teils Wucherungen von bestimmten und artcharakteristischen Form- und Größenverhältuissen.
teils organoide Gallen von höchst kompliziertem und mannigfaltigem Bau.
Auf die Untergruppen der 1 n s'e k t r. n sind die Gaflenbildner folgendermaßen verteilt.
Das Hauptkontingent stellen die Dipteren, von welchen nach Houard für Europa und, das außereuropäische
Mittelmeergebiet 420 Cecidomyiden und 66 Musciden als gallenbildend bekannt sind.
Ihnen folgen die Hymenopteren mit 290 verschiedenen Gaflenbildnern (26 Tenthrediniden, 244 Cvni-
piden, 20 Chalcididen), die Hemipteren oder Rhynchoten mit 234 Arten (darunter 169 Aphididen,
45 Psylliden, 16 Cocciden), die Coleopteren mit 113 Arten (darunter 104 Curculioniden) und die
Lepidopteren mit 61 Arten (darunter 24 Tortriciden). Von den Orthopteren kommt nur eine
Locustide (Meconema varium auf Quercus) und von den Neüropteren eine Agrionide (Bestes viridis,
auf verschiedenen Dicotyledonen und auf Pinus strobus) für uns in Betracht.
Die Gallen, welche von Insekten erzeugt werden, gleichen denen der früher genannten Tiergruppen
insofern, als auch auf sie zahlreiche Gewebeanomalien mit einfacher Struktur und unschein-
*) Die Zahl der Gallen übertrifft insofern die Zahl der Gallenerzeüger, als viele von diesen an hiehreren Pflanzen-
spezies Gallen erzeugen.
barem Äußeren zurückzufübren sind. Daneben finden wir aber bei den Insektengallen Gewebewucherungen
von unerreichter Kompliziertheit ihres Schichtenaufbaues.
Über das Leistungsvermögen der einzelnen gallenerzeugenden Insektengruppen gibt ein Überblick
über' die gut bekannten europäischen Gallentiere freilich insofern nur lückenhafte Auskunft,
als die tropischen Vertreter verschiedener Gruppen hinsichtlich der von ihnen erzeugten Gallen sich
wesentlich anders verhalten als ihre europäischen Verwandten und überhaupt die im gemäßigten
Klima heimischen Angehörigen derselben Verwandtschaftskreise.
Von den H e m i p t e r e n sind in unserem Klima die Aphiden von hervorragender
Bedeutung, sowohl durch die Zahl der gallenerzeugenden Arten, als durch die Mannigfaltigkeit
der Gallen selbst: -auf vegetativen Achsen und auf Blüten, vor allem aber auf den Blattspreiten
erzeugen sie allerhand Gewebeschwellungen, beutel- oder schlauchförmige Gallen, daneben
Organanomalien verschiedener Art. Daß auch Wurzeln Aphidengallen tragen können, ist
von den „Nodositäten“, welche Phylloxera vastatrix am Rebstock erzeugt, her bekannt. In
den Aphidengallen findet man meist eine große Anzahl lebender Bewohner vor und neben ihnen
zahlreiche, leere Bälge.
Die Psylliden rufen ebenfalls einfache Gewebeveränderungen hervor oder komplizierte Organgallen
(Livia). Aus den Tropen sind sehr viel kompliziertere Gallenbildungen von ihnen bekannt,
die im Habitus an unsere einheimischen Cynipidengallen erinnern.
Die Schildläuse treten in unserem Klima als Gallenbilder sehr zurück, sind aber von der
australischen Gallenflora her als Erzeuger sehr umfangreicher, seltsamer Gallen bekannt.
Von der großen Zahl der durch D i p t e r e n erzeugten Gallen war schon die Rede. Ihre
Produkte sind äußerst mannigfaltig in Form, Größe, Entwicklungsgeschichte und histologischem
Bau. Der Grad der Ausbildung, den die Dipteren bei ihrer Metamorphose noch im Schutz der Galle
erreichen, ist bei den verschiedenen Gattungen und Arten verschieden.
Die H y m e n o p t e r e n rufen in erster Linie Gewebsneubildungen hervor; Organanomalien
spielen bei ihnen eine ganz untergeordnete Rolle. Die Hymenopteren beanspruchen insofern ein
ganz besonderes Interesse, als die zu ihnen gehörenden Cynipiden Gewebewucherungen von
unvergleichlicher Kompliziertheit hervorzurufen vermögen. Überdies sind die Cynipiden als Gallenerzeuger
noch dadurch von besonderer Bedeutung, als viele von ihnen in jedem Jahre in zwei
Generationen erscheinen und die Larven der beiden Generationen an ein und derselben Wirtspflanze
(Quercus) Gallen ganz verschiedener Art erzeugen.
Die C o l e o p t e r e n und L e p i d o p t e r e n treten als Gallenerzeuger gegen die schon
genannten Gruppen sehr zurück, nicht so sehr durch die Zahl der als gallenbildend erkannten Arten
(s. o.), als durch die bescheidene Größe, den einfachen Bau und die geringe Mannigfaltigkeit ihrer
Produkte.
* *, *
Wie omnivor manche Arten der gallenerzeugenden Nematoden sind, war schon oben zu erwähnen;
bei den Insekten tritt in der weitaus überwiegenden Mehrzahl der Fälle eine Spezialisierung
im Parasitismus ein, derart, daß jedem Gallenerzeuger nur eine Pflanzengattung oder gar nur eine
Pflanzenspezies zugänglich ist. Über die Anpassung der gallenbildenden Insekten an bestimmte
Nährpflanzen oder Näbrpflanzengruppen soll im folgenden in der Weise berichtet werden, daß
wenigstens für die formenreicheren Gattungen der Hemipteren, Dipteren, Hymenopteren, Coleopteren
Zoologica. H e f t 61. 16