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von W;iri|icrn in icr Halliimsiclit. Männliclic Sexnalorgane Wirlien unerkannt, die weisse Triilinnj mochte alier woU vom Eicrstockc
koiriiNCii. — Grösse Iiis V« Linie.
E r k l ä r u n g der Alibildnngcn Taf. XL. Fig. V .
Es siitil 2 Exemplare Ijei SOOmaliger Liiiearvergrüsseriing. o' Mund, w After?.
H U N D E R T V I E R U N D Z W A N Z I G S T E GATTUNG: WIMPER AUGE.
O p b r y o g l e n a . Opbryo^Iène.
CHARACTER: Animal c Colpodeoriim familia, undiqne dliatum et ocello frontali iiistnictuin.
CARACTÈRE: Animal de la famille des Kolpodés, cilié de tous côtés et pourvu dtm oeil au front.
Die Gattung Winiperange zeichnet sich in der Familie der Busentliierchen durch überall bewimperten
liörper und Besitz eines Stirn-Auges aus.
Die Gründung der Gattung geschah 1831 in den Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wissensch, mit 1 Art,
und 1833 wurden ebenda noch 2 neue hinzugefügt, welche Dreizalil seitdem niclit vermehrt worden ist.
Siinnutliche Arten waren vorher wohl unbekannt, doch könnte eine 4te unter MCLLEB'S Infusorien als Lmicophra
nolata befindlich seyn, die aber anch zu ChUodon ornatns gehören könnte. — Die reiclie Organisation
ist sclion seit 1833 von mir mitgetheilt. — Viele Liingsreihen von Wimpern bilden die äusseren Bewcgungsorgane.
— Als Ernäihrungsorgane sind zahlreiche polygastrische, oft mit Naviculis erfüllte, Zellen bei
allen Arten beobachtet, und bei 1 Art gelang Aufnahme von Indigo. Der Mund ist in einer Grube unter
der Stirn, und die Afterstelle ist auf der Rückenseite ein der Basis des Schwänzchens beobachtet. — Das
Sexualsystem ist sehr vollständig ermittelt. Braune Eikörnchen sind bei 1 Art direct gesehen, und bei den
andern ven-iith sie die gelbe und schwarze Farbe. Eine grosse mittlere Drüse ist bei 1 Art deutlich, vielleicht
auch bei den andern undeutlich, gesehen, und contractile Sexualblasen sind bei 2 Arten sehr in die
Augen fallend, bei einer sternartig, bei der andern rund, üebcrdiess ist bei 1 Art ftneer- und Längstheilung
beobachtet. — Als directes Empfindungsorgan ist ein an der Stirn befindlicher, nie fehlender, grosser,
rother oder fast schwarzer Augenpunkt annehndich, wie es bei den Euglenen und Räder thieren häufig,
und bei letzteren mit wissenschaftlicher Sicherheit, der Fall ist.
Die gcographisclie Yerbrcitung der Gattung ist nicht ausser Berlin sicher ermittelt.
5 2 2 . Ophryoglena atra, scUwarzes Wimperange . Tafel XL. Kg. VL
0 . corpore ovato conijiresso atro, jjostico fine acuto, ocello frontis atro inarginali, cilüs albidis.
Ophryogleite iioire^ a corpx ovaJe comprimé, noir, aigu au bout pottérieur, pourvu de cils blancs
et ttitn oeil noir au bord du front.
Ltiirophrn laniiiniiilit, MCILEH? Animale. Infus, p. 141. Toli. XXi. Fip. —û. 1786.
Opinmaima nira, AbUandl. der Akädomi e d. Wi . .8n!cl i . zu Ber l in, 18M. '¡liS. Tuf. VU. Fif. IX.
A u f e n t h a l t : Bei Berlin, wohl kaum bei Copenhagen.
Nachdem ich 1831 die gelhe Art zuerst entdeckt hatte, fand ich im folgenden Jahre am 16. Ajiril 1832 die hranne nucl am
24. Juni diese schwarze Art. Letztere ist mir dann am 4. Juli 1834, am 5. Juni 1835 und am 5. Mai 1836 in derselben Gegend
in Torfgruben wieder zahlreich vorgekommen. An denselben Orten leben die formverwandten Nassula aurea, Cliilodon aureus und
Stentor niger. Zwei Opbryoglenen zeichnen sich durch ihre platte Gestalt und dadurch bedingtes Wanken bei der etwas schwerfälligen
Bewegung aus. Der Körper ist von den Seiten zusammengedrückt, so dass Bauch nnd Rücken fast scharfe Kanten bilden. Hinten
scbliesst sich der Körjter abnehmend in eine kleine, nicht verlängerte Sjiitze. Die Anordnung der überall sichtlichen Wimjiern,
welche bei den andern Arten Längsreilien bilden, habe ich neuerlich hier unbeachtet gelassen. Den Mund bildet eine Grube dicht unter
der Stirn, Uber der auf der Röckenseitc das röthlich schwarze Auge steht. Die Mundgrube gelit trichterförmig tief in den Körper,
und es schien mir neuerlich, als ob sich daran eine ovale helle Drüse schlösse, welche ich 1833 und in der Zeichnung noch als Miindrauin
dargestellt habe. Da, wo diese helle Stelle aufhört, bclindet sich gegen den Rücken hin eine sternartig contractile Blase. Die
dunkle Farbe gehört inneren sehr feinen Körnchen an, welche zu Eierchcn fast zu fein sind, und sie erlaubt keine scharfe Unterscheidung
der übrigen Organe, doch sah ich einige dunklere Körjier (Nahrnngsstoffe in den Magenzellen) durchschimmern. Schon 1832
beobachtete ich Qneertlieilnng, aber 1836 sah ich auch Längstbeihing, und bei letzterer eben sah ich die mittlere helle Stelle ziemlich
deutlich als langovale Druse, welche sich anch bei der Qneerthcilnng theilt. Ich halte sie nicht mehr ffir den hintern Mnndrauui. Zeichnungen
der neuen Ansicht konnten nicht mehr aufgenommen werden. Bei Längstheilnng erweitert sich erst der Mund, theilt sich und es
bildet sich gleichzeiHg sogleich ein 2tes Auge im Baucbtheile, während der Rückentheil das alte behält. Bei der Qucertheilung bildet
sieb lange vor der Trennung eine 2te Sternblase, das neue Auge aber erst spät. Die weissen Wimpern erscheinen als ein Silberring
um den Körper, besonders vorn. MÜLLER'S Thiereben war knglig und hatte die Spitze vorn, war also wohl ein anderes. Beim Zerllicsscn
sieht man Magen nnd Körnchen. - Grösse der Einzelthiere Vis Linie, bei Qucertheilung — Vs Linie.
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E r k l ä r u n g der Abbildungen Taf. XL. Fig. VI.
Flg. 1. rccbte Scllciiansicbl; Fig. 2. sclimalo Biuichfläcbo; Fig. 3. (jiieere Scibsllbcilung. Vcrgriisscrurg 300iiial im Diirclinicsser. Fig. 3. bat in
der binlcrn Hälflc 5 dunkel crliillte Magen.
5 2 3 . Ophryoglena acuminata, sescliwänztcs Wimperauge. Tafel XL. Fig. V IL
O. corpore fusco, ovato, compresso, postico line brcviter caudato, acuto, ocello frontis rubro.
Ophryoglene a queue, le corps brun, ovale, comprime, avec une petite f/ueue aiguë et un oeii rouge
(m front.
- Ofhr,j,}lcna ocmni.mW inignmm), Aliliondl. J. Akail. d. Wissenscli. in Berlin, 1833. p. 174 , 568. Tal. VII. Fig. X. 1835. p, 164.
A u f e n t h a l t : Bei Berlin.
Am 16. April 1832 in Torfgruben bei den Pulvermühlen entdeckt. Die Stirn überragt den Anfang des Mundes um '/» der
Korjierlange. IDuten endet der Körper in eine verlängerte scharfe Spitze. Ich sah 15 — 20 Wimperreiben auf der Halbansicbt. Die
schon 1833 angezeigten 2 hellen Fleckc haben sich neuerlich 1835 als 1 grössere kugell(irmige Drüse und 1 kleinere runde Sexualblase
ergeben. Im Innern sah ich oft beim Abplatten und Zerlliesscn des Körpers viele Naviculas graciles und die branue Farbe als
Körnchen, auch leere Magenblasen. — Grösse Vis Linie.
E r k l ä r u n g der Abbildungen Taf. XL. Fig. VII.
Fig. 1. und 4. linlio Seitenansicht; Fig. 2. Bauchfläclie; Fig. 3. abgeplaltcl imd icrflicssend. o Auge, o' Ende des baibseitlicben Mundes, t Drüse,
s Scxualblase.
5 3 4 . Ophryoglena Jlavicans, gelbes Wimperaugre. Tafd XL. Fig. vm.
0 . corpore flavicante, ovato, turgido, postico fine attetmato obtiiso, ocello rabro frontali.
Ophryoglene jaunâtre^ a corps Jauìiàire, ovale ^ gonflé ^ aminci et ob lus au bout postérieur ^ avec
un oeil rouge au front.
OpÄri/of/iojrt /r«üicons, Abl iandl . der Akademi e d. Wi s sensch, zu Ber l in, 183i. p. 18, 117, 152. Taf. II. Flg. IX. 1833. p. 174, m
A i i f c n t l i a l t : Bei Berlin.
Im Soniiner 1831 \Ynr(lc diese Art von allen zuerst in Torfgrubon entdeckt, imd es gelang sogleich die Aufnaliine von Indigo
za bewirken. Sie glich einer Bursaria nnd ich unterschied sie von dieser nnr durcli den, bis dahin in der Familie unerhörten,
Constanten Augcnj)unkt, dessen physiologische Wichtigkeit ich festhielt. Der von der Stirn abgeJiende 3Iund bildet eine tiefe Tasclie,
und dauebeo war immer ein lieller, aber nicht so dcutlicJier, Fleck, als bei den vorigen Arten. Bei einem Exemplare sali icli dicht
über der hintern Spitze ein Bläsclien hervortreten, welches bald verschwand. War diess Gasentwickeiimg aus dem Darme? Es i.st mir
nur diese eine ähnliche Beobachtung vorgekommen. Die Jlundwimpcrn waren etwas länger, als bei den vorigen Arten, nnd ich zählie
12 — 1 6 Längsreihen von Wimpern auf der Halbansicht des Körpers. — Grösse Via Lijiie.
E r k l ä r u n g der Abbildungen Taf. XL. Fig. VIII.
Fig. 1. und 2. sind halbe Seitenansichten mit und ohne Farbenahrung. Fig. 3. volle Seitenansicht.
N a c h t r a g zur Familie der Kolpode en.
Ueber die Erscheinung und Auffassung des Ernährungscanals der polygastrischcn Infusorien.
Die Kolpoden und Paramecien gehören zu den grösseren, allgemeiner verbreiteten, daher leicliter sichtbaren Infusorien formen,
«nd es gelingt leicht, durch FarbestofTe ihre inneren Ernährungsorgane anschaulich zu erhalten. Seit ich 1830 die Resultate der, mit
wissenschaftlicher Schärfe angestellten, A^'ersnclie bekannt gemacht habe, hat es zwar viele bestätigende, aber dennoch auch einige schwankende
und widers])rcchcndc Beobachter gegeben, und es liegen iiberdiess einige Schwierigkeiten in der nie zu übersehenden früheren Geschichte.
Ich halte daher für nützlich, eine kurze Uebersicht über den Stand dieser Kenntnisse zusammenzufassen, werde diese aber
an's Ende des Werkes bringen. Hier nur einige Fingerzeige fiir die zum Grunde dieser Darstellungen liegenden Experimente nnd deren
Schwierigkeiten. Schon die ersten Beobachter der Infusorien haben vom Fressen dieser Thiere gesprochen und lange vor GLEICHEN
hat es sclion JOBLOT 1718 bei Stylontjchia pustulata abgebildet [p. 78. Tab. 8. Fig. 9.). So wie aber LINNE und PALLAS
durch die erkannten vielen «nd groben Irrthümer der Beobacliter überhaupt abgehalten wurden, auch das von diesen berichtete WaJire
fiir wahr zu halten nnd aufzunehmen, so reichten aucii GLEicnEN's Färbeversuche der Infusorien (1777), so glückJicJi sie auch einerseits
waren, der unj)h\siologischen wunderlichen Ansichten halber, welche er damit verband, so wenig als CORTI'S und GÖZES ähnliche
detaillirte Nachrichten über Sitjlonychia pustul. 1774 und 1777, oder Rotifer vulg. 1773 hin, 3IÜLLER s ürtheil für sicli zu
gewinnen, nnd dieser letztere, offenbar gewichtigste, Zeuge schrieb noch am Ende seines Lebens nieder, dass kein guter Beoba
c h t e r ein Fressen der Infusorien gesehen habe (s. Colpoda Cucullus). So fand ich die Kenntnisse 1830, und ich versuchte
sie mit mnsichtiger Prüfung zu befestigen oder zu bekämpfen.
Die Schwierigkeiten, welche die früheren Beobachter in Irrthum fiihrten, waren folgende: 1) hielt man die vielen runden Bläschen
im Innern, die Magen, für Eier oder Junge, weil sie beim Zerfliessen der Thiere zum Theil ganz liegen blieben, und GLEICHEN
hat mit der ernstesten Anstrengung ilir Auskriechen zu beobachten versucht, obschon er Farbe darin sah (s. Colpoda Cucullus
und Paramec. Aurelia). Icli habe nun diesen Bläsclien, Avenn sie gefüllt waren, einzeln eine scharfe Beobachtung geschenkt und gesehen,
dass sie nach einer kürzen Zeit sich entleeren und dass ihr früherer Inhalt von einem Bläschen zu einem andern wandert, wo