
Euplotes patella St. (Abb. 87).
Die Be sonderheit d e r Morphologie von E. patella im Baikalsee, ebenso wie auch d e r
zwei an d e ren Euplotes-A rten , besteht im V orhandense in eines meh r oder weniger deutlich
ausgesprochenen flügelförmigen F o rtsa tz e s a u f d e r re ch ten K ö rperseite.
Eupl. patella ste llt im Ba ika lsee eine lito ra le F o rm d a r; sie kommt am U fe r in reinem
Wasser, m itten u n te r Ulothrix, Tetraspora, Draparnaldia vor; u n te r diesen Bedingungen
k a n n sie während der Sommermonate eine seh r große E ntw ick lu n g erre ichen. E in e solche
w urde von u n s z. B. bei stillem W e tte r vom 26. V II. bis zum 1. V I II . am östlichen U fe r des
südlichen Baikalsees zwischen den S ta tio n en Murino und Panjkowo beobachtet, wobei die
T em p e ra tu r d e r Wasseroberfläche am T age bis 19° e rre ichte . In diesem Be zirk w a ren die
Ufera lgen, sowie die Algen von ein e r Tiefe von 3— 5 m d ich t m it E. patella besetzt. Die
In fu so rien wurden zusammen m it den vom Ufer losgerissenen Algenklumpen in den offenen
Ba ika lsee weggeströmt, wo sie im L au fe m eh re re r Tage umherschwammen. In ih ren
V e rdauungsvakuolen w u rd en bestän d ig k leine ep ip h y te Diatomeen gefunden. Dies In fu so r
wurde bei ein e r T em p e ra tu r von 4— 19° beobachtet; N o 1 a n d beobachtete es im Wisconsin
See bei 6— 21°. E. patella muß, wie es scheint, zu den eu ry th e rm en Fo rm en gestellt
werden. Sie w urde schon frü h e r von L. R o s s o l im o (1923) in d e r T schiwyrkui-Bai
m itten u n te r den fadenförmigen Algen am U fe r u n d am Boden in d e r Tiefe d e r Bucht
nachgewiesen.
In der Literatur wurde dies Infusor für kleine stagnierende Becken, Sümpfe, Gräben, Altwasser (viele alte Verfasser
und L e v . a n d e r , 1893; S k a d o w s k y , 1926; We t z e l , 1928, u. a.) und für das litorale Gebiet, der Seen und
Flüsse erwähnt: Kaban-See ( R u s s k i , 1889), K. Balatan-See ( F r a n c é , 1897), Lago Maggiore ( A n d r é , 1912), Newa-
Fluß ( S k o r i k ow, 1909), Donjez-Fluß ( F a d e j e w , 1926) u. a.
Euplotes harpa St. var. baikalensis var. nov. (Abb. 85, 86).
In den Monographien, Übersichten, Be stimmungstabellen der In fu so rien u. dgl. wird
E. harpa a ls eine re in m a rin e A r t bezeichnet, die au ch in Salzseen vorkommt. Im Meer
kommt sie im L ito ra lg eb ie t u n d im Pelagialgebiet, sowie in den Süßwasserbezirken des
Meeres vo r; sie is t also eine eu ry h a lin e F o rm . Als die neuesten seien die Angaben L. R o s s
o l i m o s erw äh n t, daß dies In fu so r im pelagischen P la n k to n des Karsky-Me eres und
im Ob-Jennissej-Vormündungsbezirk v orkommt (1927).
In d e r L ite r a tu r lieg t ab e r auch ein Hinweis a u f das Vorkommen von E. harpa im
S üßwasser vo r; A n d r é h a t dies In fu so r im Uferg eb ie t des Genfer Sees g efunden (1914).
Das Vorkommen d e r A r t im Ba ika lsee ste llt somit den zweiten F a ll ih re s Vorkommens im
S üßwasser vor, wo sie, wie es scheint, in d e r T a t sehr selten a u f tritt.
Im B a ika lsee is t E. harpa eine ziemlich v e rb re ite te Fo rm, u n d ih re Morphologie
u n d Ökologie in diesem See b ie te t einige in te re ss an te Besonderheiten.
Die Größe von E. harpa im Ba ika lsee is t gerin g e r, als fü r die m a rin en E x em p la re a n gegeben
wird. Die K ö rp e r länge ü b e rtrifft n ic h t 90—95 [x, gegen 130 (x fü r das Meer. (Über
die Größe d e r E x em p la re au s dem Genfer See liegen bei A n d r é keine Angaben vor.) Der
K ö rp e r ist seh r du rch sich tig u n d s ta rk ab g ep la tte t, so daß die Rückenseite n u r schwach
konvex ist. Diese letzten Merkmale sind bei den pelagischen In d iv id u e n besonders s ta rk
ausgesprochen, deren K ö rp e r eine feine, durch sich tig e P la tte vo rste llt. Abgesehen davon,
is t d e r re ch te K ö rp e rra n d zu einem dreieckigen F lü g e l ausgezogen, dessen Größe bei v e r schiedenen
In d iv id u e n in bedeutendem Maße schwankt und bei den extremen Fo rm en eine
B re ite bis 25 [/. e rre ic h t, d. h. beinahe die halbe K ö rp e rb re ite . A u f Abb. 85 u n d 86 sind
zwei extreme F o rm en d e r A r t m it einem schwach u n d s ta rk ausgebildeten Seitenflügel
d a rg e ste llt. E in e ebensolche Tendenz zu r Bild u n g eines se itlichen Auswuchses wird im B a ikalsee
au ch bei zwei an d e ren Euplotes-A rte n beobachtet: bei E. charon u n d E. patella, sowie
bei den V e rtre te rn von Aspidisca, a b e r in g e rin g e re n Grade a ls bei E. harpa.
F e rn e r wird bei den plan k tisch en In d iv id u e n d e r E. harpa eine Tendenz zu r R eduktion
des W im p e rap p a ra te s beobachtet: die Z ahl d e r S tirn -C irre n schwankt von 5 (normale
Zahl) bis 3, die Z ahl d e r B auch-C irren von 4 (normale Zahl) bis 3; die Ran d -C irren fehlen
bei einigen In d iv id u e n gänzlich. E in e ebensolche Redu k tio n d e r C irren beschre ibt L. R o s -
s o 1 i m o bei den p lanktischen E. harpa au s dem Karsky-Me er, wobei er diese F o rm in eine
besondere V a rie tä t, v. marina, ste llt.
Im Baikalsee, sowie im Meer, is t E. harpa eine in hohem Maße polytope F orm. Sie
kommt ziemlich häufig an re in en Ufe rn m itten u n te r den U fe ra lg en vor, wo sie sich v o rnehmlich
von kleinen Diatomeen e rn ä h r t, die u n te r Ulothrix, Tetraspora, Draparnaldia
u. a. wuchern. Bei stillem u n d warmem Sommerwette r wird E. harpa, zusammen m it den
vom Ufe r abgerissenen Ulothrix-K lumpen, in den offenen See fortgeschwemmt u n d kommt
d o rt bestän d ig in frisch en u n d in zerfallenden, b ra u n gewordenen Klump en vor. Sie kommt
ab e r auch eupelagisch im offenen B a ika lsee vor. So w urde sie vom 29. V II. bis zum 5. V I II .
1928 in allen P ro b en des oberflächlichen P lan k to n s angetroffen, die im g roßen A n te il des
n ördlichen Baikalsees von d e r Landzunge Kotelnikowski bis z u r Landzunge R y ty i, zwar
in g e rin g e r Z ahl (bei ein e r T em p e ra tu r von 7,61—13,30°), g efunden wurden.
Schließlich kommt E. harpa als Kommensal a u f den pelagischen Amphipoden Macro-
chaetopus Branitzkii vor. Das In fu so r leb t vornehmlich an den Bru stb e in en u n d in der
Umgebung d e r Mundteile seines W irte s, wobei es a u f d e r Innen se ite derselben h e rum k
rie ch t, so daß es bei d e r Be sichtigung des Tie res von au ß en gewöhnlich n ic h t sic h tb a r ist
u n d e rst bei dem Auseinanderlegen d e r E x trem itä te n u n te r d e r L upe nachgewiesen wird,
wobei man es in d e r Zahl von m eh re re n Zehnern m it ein e r P ip e tte e rh a lten kan n . Die von
E. harpa infiz ie rten Amphipoden kommen ab e r n ic h t besonders häufig vor, ebenso wie die
m it Chilodon cucullus infizierten (siehe S. 67). Wenn man die Macrochaetopus in ein k le ines
A q u a rium b rin g t, so v e rlä ß t E. harpa sie nich t, solange sie am Leben bleiben, und e rst
na ch dem Tode d e r W ir te k a n n man im Wasser des A q u a rium s eine gewisse Z ahl dieser
In fu so rien k o nsta tieren.
Die T em p e ra tu rg ren z en fü r E. harpa im B a ika lsee b e trag en 5—13,30°.
Farn. Asp id i s c id a e Claus.
Aspidisca co st ata St., Aspidisca lynceus Ehrenberg.
Beide A rten erscheinen im Baikalsee als Uferformen. Werden a lle ro rten u n d in g ro ß
e r Anzahl u n te r Ulothrix, Tetraspora u n d Draparnaldia gefunden; außerdem in frischen
Ulothrix-F lad en , die bei stillem W e tte r im offenen See umherschwimmen. Angetroffen
bei 3,5— 14°.
In der Literatur angegeben für kleine stehende Wasserbecken, Gräben, versumpftes Altwasser, Torfmoore usw. (viele
alte Verfasser, von den neueren R o u x (1901), M e rm o d (1914), L a u t - e r b o r n (1898), S a s s u c h i n (1927), We t z e l
(1928) u. a.) und für die litorale Zone folgender Seen: Balaton-See ( F r a n c é , 1897), Gr. Plöner-See ( Z a c h a r i a s ,
1893), See Glubokoje (D u p l a k o w , 1925), See Kaban ( R u s s k i , 1889) u. a.
Es bestehen Hinweise auf das Vorkommen von À. cosiata im pelagischen Plankton des Lac Léman ( A n d r é , 1914).
Beide Formen wurden außerdem auch im Meere gefunden.