
zahlreiche Rückenschuppen, deren Zahlen (85—95 in ein e r Querreihe) von k e in e r an d e re
n Echse au s dieser Gruppe e rre ic h t werden. Daß endlich auch melanistische Rep tilien
keineswegs a u f Inseln a lle in b e sch rän k t sind, is t ebenfalls eine bek an n te Tatsache. Sogar
cyanistische F a rb tö n e , die bei manchen Inselechsen n ich t g e rad e se lten sind, tre te n bei
festländischen K rie ch tie re n gelegentlich au f: so beispielsweise bei den Männchen von Lacerta
sicula mertensi, die in den T empelruinen von P a e stum (Süditalien) lebt, bei m an chen
Fo rm en d e r Ga ttu n g Cnemidophorus, bei Teius teyou cyanogaster usw. D a ab e r alle
diese und ähnliche, in frü h e re n K a p ite ln e rö rte rte Merkmale bei K rie ch tie re n a u f Inseln
weit h ä u f i g e r und a u f f ä l l i g e r zu r Geltung kommen als a u f dem Festlan d e , is t m an
b erech tig t, sie als I n s e l m e r k m a l e bzw. I n s e l v a r i a t i o n e n zu bezeichnen.
Bei ein e r a u f einem E ila n d isolierten Reptilien p o p u la tio n kommen n u n d e ra rtig e
V a ria tio n en in ein e r ü b e rau s m an n ig fa ltig en Weise zum Ausdruck. E n tw ed e r können sie
n u r bei einigen wenigen In d iv id u e n a u ftre te n (Sin g u la rv a ria tio n en ) oder bei d e r Mehrzahl
(P lu ra lv a ria tio n en ); es k a n n ab e r n a tü rlic h au ch d e r gesamte Be stand ohne jede A u snahme
eine bestimmte In se lv a ria tio n a u f weisen.
Im allgemeinen sind die einzelnen Inselmerkmale in ih rem A u ftre ten ganz u n ab h än g ig
v oneinander. Zwar k a n n eine In se lfo rm sowohl durch bedeutende Gesamtgröße und
p lumpen H ab itu s wie au ch d urch zahlreiche, k leine Schuppen u n d eine seh r d ü ste re F ä r bu
n g ausgezeichnet sein; ab e r der Riesenwuchs m u ß sich du rch au s n ic h t immer m it
einem p lumpen K ö rp e rb a u oder ein e r E rh ö h u n g d e r Schuppenzahlen oder ein e r Verd ü ste ru
n g d e r Gesamtfä rb u n g verbinden. F ü r dieses völlig un ab h än g ig e V a riie re n d e r einzelnen
Merkmale, die z. B. au ch P l a t e (1907, S. 465) bei den Bahama-Schnecken d e r Gattu
n g Cerion beobachtet h a t, ließe sich u n te r den inselbewohnenden K rie ch tie re n eine lange
Reihe von Beispielen an fü h re n ; w ir wollen h ie r n u r einige wenige h erausgreifen.
So h a t Eumeces longirostris von den B e rmudas einen dickeren u n d p lum p e ren Schwanz
sowie z ahlreichere Schuppen als die k o n tin en ta le Ausgangsform (Eumeces fasciatus), d a fü r
a b e r einen schmäleren u n d meh r v e rlän g e rte n Kopf, d e r einen we it sc hlankeren E in d ru ck
m acht als bei E. fasciatus. Der Melanismus von Ablepharus boutonii k a n n sowohl m it
e in e r seh r hohen Schuppenzahl (burdeni: 30—34 in einer Querreihe) wie au ch m it einer
re la tiv nied rig en (ater: 24—26) v e rb u n d en sein. Bei d e r Riesenform Phelsuma newtonii
haben sich zwar seh r kleine K in n sch ild e r ausgebildet, dagegen ab e r seh r g roße Gular-
schuppen, die g rö ß e r sind als bei irg en d einem an d e ren Mitglied dieser Geckonengattung.
T rotz d e r ausgesprochenen Neigung zum Zwergwuchs zeigt Lacerta galloti caesaris von
d e r K an a ren -In se l H ie rro eine stä rk e re Verm eh ru n g d e r Schuppen (90—110 in einer
Querreihe) als die ü b rig en Fo rm en des g alloti-K.r eises (nach B o u l e n g e r 1920, S. 110:
78— 106). Die Riesenschlange Enygrus carinatus kommt a u f den Solomonen la u t W e r n e r
(1930 a, S. 200) in ein e r Riesenform vor, die m it 1340 mm Gesamtlänge die g rö ß te der
ganzen Ga ttu n g ist; bei Schlangen ste h t n u n im allgemeinen m it der Gesamtgröße die Zahl
d e r V en tra lia - u n d S ubcaudaliaschilder in einem d irek ten V e rh ä ltn is: wäh ren d ab e r jene
Riesenform zugleich auch die höchsten V en tra lia z ah len a u f weist, is t bei ih r die Z ahl der
Su b c au d a lia g e rin g e r als bei Stücken von an d e ren F u n d o rten .
Was n u nm eh r die a l l g e m e i n e V a r i a t i o n s b r e i t e d e r verschiedenen Merkmale
inselbewohnender K rie ch tie re anbe trifft, so is t sie bei v ielen In selformen deutlich kleiner
als bei ih ren n ächsten Ve rw an d ten a u f dem Festlan d e . Das is t besonders häufig bei den in
ein e r ganz bestimmten R ich tu n g differenzierten Fo rm en d e r F a ll: Insel-Nigrinos sin d z. B.
in ih re r F ä rb u n g u n d Zeichnung n a tu rg em ä ß w e it k o n sta n te r als ih re n ic h t geschwärzten
Ausgangsformen a u f dem F estlande . Um gekehrt k a n n ab e r ein a u f dem F e stlan d e re ch t
k onstante s Me rkmal a u f ein e r Inse l zu einem h o chgradig v a riab len werden. So zeigt z.B.
die Walzenschleiche (Chalcides ocellatus linosae; Fig . 18) a u f d e r kleinen In se l Linosa eine
au ß e ro rd en tlich hohe V a ria tio n sb re ite ih r e r F ä rb u n g , wäh ren d ih re ko n tin en ta le S tam m form
in dieser Be ziehung sehr k o n sta n t ist. Die meisten E x em p la re des Linosa-Chalcides
haben eine d u n k e lb rau n e G rundfarbe; daneben g ib t es ab e r auch ganz dunkle, fa s t schwarze
un d wieder ganz helle, gelbliche Stücke; die F ä rb u n g d e r letzteren stim m t m it d e r oft
wüstenbewohnenden Nominatform so g u t wie völlig überein. Auch bei verschiedenen I n selechsen
d e r G a ttu n g Lacerta beobachten w ir a u f manchen Inseln eine erhöhte V ielgestaltig
k e it. In d e r F ä rb u n g u n d Zeichnung ste llt z. B. die Malta-Eidechse, Lacerta filfolensis
maltensis, eine au ß e ro rd en tlich v a riab le Rasse d a r. I n hohem Maße v e rän d e rlic h is t f e r n
e r Lacerta muralis insulanica a u f d e r In se l E lb a ; in bezug a u f F ä rb u n g u n d Zeichnung
n e n n t sie L. M ü l l e r (1922, S. 114) die v a riab e lste muralis-F o rm ü b e rh au p t. In s E x trem
g e s te ig e rt is t auch die V e rän d e rlich k e it des F a rb k le id e s d e r Lacerta lilfordi pityusensis
a u f d e r P ity u sen -In se l Ibiza, u n d zwar sowohl in den F a rb tö n en des Rückens u n d des
Bauches wie auch in d e r Zeichnung.
E in e erhöhte Zunahme d e r V a r ia b ilitä t k a n n n u n n a tü rlic h niemals die E n d stu fe
eines Entwicklungsprozesses darste llen , sonde rn n u r eine Vorstufe. Diesen Satz finden wir
bestä tig t, wenn w ir die s tä rk e r d ifferenzierten E ide chsenpopulationen a u f den kleineren,
ben a ch b a rten K lip p en d e r großen, zuletzt genan n ten I n s e l n ^ S M a lta , E lb a , Ibiz a —
betra ch ten . Sowohl a u f E ilan d e n in u nm itte lb a rs te r Nähe von M a lta wie au ch a u f e n tfe
rn te r liegenden is t nämlich das F a rb k le id d e r Eidechsen weit k o n sta n te r; auch au f Pia-
nosa u n d d e r Scuola di P ian o sa än d e rn F ä rb u n g u n d Zeichnung n u r ganz wenig ab, im
Gegensatz zu den Elba-Eidechsen. Un d gen au das gleiche sehen w ir bei den Echsen, die
die K lip p en in d e r Nähe Ibiz a s besiedeln. Sie zeigen oft eine Neigung zum Grellerwerden
ih re r F a rb tö n e — wie die grü n g e lb u n d o ran g e ro t g e fä rb te Lacerta lilfordi grossae — oder
ab e r eine solche zu r V e rd ü ste ru n g ; ste ts sehen ab e r die gesamten Pop u la tio n en d e r k le inen
E ilan d e bei Ibiz a , jede fü r sich b e tra ch te t, weit g leichmäßiger aus als die eigentliche
Ibiza-Echse. M it Ausnahme d e r melanistischen Ra ssen entsprechen die meisten davon in
d e r Hau p tsa ch e den m an n ig fa ltig e n Färb u n g sp h a sen , die in die V a ria tio n sb re ite der Ibiza-
Echse fallen; oder m it an d e ren Wo rten : die einzelnen Eide chsenrassen a u f den K lip p en bei
Ib iz a re p rä s e n tie re n gewissermaßen die verschiedenen F ä rb u n g s- u n d ZeichnungsVariationen
d e r Ibiza-Echse in Reinzucht.
N a tü rlich g ilt das h ie r Gesagte n ic h t n u r fü r die F ä rb u n g u n d Zeichnung, sondern
auch fü r an d e re Merkmale. So zeigen manche In se lrep tilie n eine au ß e ro rd en tlich hohe
V a ria tio n sb re ite ih re r Beschuppungsmerkmale. Nach d e r zusammenfassenden A rb e it
( V a n D e n b u r g h 1912a) ü b e r die Galapagos-Schlangen d e r Gattung Dromicus, die
nach A m a r a l m it Leimadophis zu verein ig en ist, h a t die Z ahl ih re r V e n tra lia eine ab norm
hohe V a ria tio n sb re ite : sie schwankt nämlich zwischen 169 u n d 252! Auch die V a r
ia b ilitä t d e r Beschuppungsmerkmale d e r Tropidurus-Fo rm en im gleichen A rchipel ist
sehr bedeutend: die Z ahl der Schuppen ru n d um den K ö rp e r v a r iie r t zwischen 50 (Minusv
a r ia n te bei d e r Indefa tigable-Form) u n d 101 (P lu sv a ria n te bei d e r Abingdon-Form).
S ehr b e trä ch tlich ist auch die V a r ia b ilitä t d e r Anzahl d e r Schuppen im Rückenkamm: sie
schwankt na ch V a n D e n b u r g h & S l e v i n (1913) zwischen 30 (M in u sv a rian te bei der
Narborough-Form) u n d 62 (P lu sv a ria n te bei d e r Gardner-Form). Im allgemeinen pflegt
die V a r ia b ilitä t bei jü n g e ren T ie rg ru p p en erheblicher zu sein als bei ä lte ren : dementspre