
T em p e ra tu r | p}1 | Oa mg/l COa mg/1 | COa bicarb. mg/1 CaO mg/1 MgOmg/1 | SiOa in g/1 Oxydierbarlc. Oa mg/1
1 1
0,00—4,5° 7,2—7,6 10,56—14,25 0,99—4,29 41,2—57,7 20,9—26,8 2,1—6,1 11,00—2,44 0,96—2,78
Prorodon garganellae sp. nov. (Abb. 9, 10).
Die K ö rp e rfo rm ist ellipsoid, an beiden P olen g leichmäßig ab g erundet, von den Seiten
a b g ep la tte t und e rg ib t im Q u e rsch n itt ein Ellipsoid. K ö rp e rlä n g e 150—165 M-, m ax im a le r
Durchmesser 100 M-. F eine, k urze Wimperchen sitzen in Me ridionalreihen a u f u n d bekleiden
in F o rm ein e r gleichmäßigen Hü lle den ganzen K ö rp e r des Infu so rs. Am Vorderende
e rsch e in t d e r K ö rp e r gleichwie sa n ft e ingedrückt; e r b ild e t h ie r ein großes ovales Zyto-
stom, das in der Ebene d e r A b p la ttu n g des K ö rp e rs ab g ep la tte t ersche int. Das Zytostom ist
zum v o rd e re n P o l des K ö rp e rs exzentrisch an g eo rd n e t u n d g eh t b ereits a u f die la te ra le
Seite über; deswegen is t ein Rand desselben höher gelegen als d e r andere. Der maximale
Durchmesser des Zytostoms is t 76 H; er k a n n sich ab e r beim Verschlingen g ro ß e r Beuten
a u f das Doppelte ausdehnen. A u f dem in n e ren Ran d der Mu n d v e rtie fu n g kommt eine
schmale, lichtbrechende, homogene K an te zum Vorschein, von d e r d e r Schlund beginnt.
L e tz te re r is t seh r s ta rk entwickelt, lan g und zu s ta rk e r Ausdehnung fähig. In seinem Vo rd
e rd ritte l ist er s ta rk aufgetrieben, d an n g eh t e r jäh lin g s in eine lange, schmale kegelförmige
R öhre über, die m it ihrem h in te ren E nd e bis zu r H ä lfte des h in te re n K ö rp e rv ie rte ls
re ich t. D e r ganze Schlund is t in d e r R ich tu n g d e r A b p la ttu n g des K ö rp e rs ab g ep la tte t und
nimmt in bezug a u f die H au p ta ch se des K ö rp e rs eine sc hräge R ich tu n g ein. D e r Schlund
is t m it feinen, langen Proto p la sm a stäb ch en versehen, die sich entsprechend d e r F o rm des
Schlundes biegen u n d in ih re r Gesamtheit ein langes kegelförmiges Bünde l bilden. Die v o rderen
E nden d e r Stäbchen sind dicker, rü c kw ä rts jedoch werden sie d ü n n e r. Das Z ytop
lasma is t kleinwabig u n d en th ä lt eine Menge winziger, s ta rk lichtb re ch en d e r E in la g e ru n gen,
die dem In fu so r eine g rau lich e F ä rb u n g verleihen. Der K ö rp e r des In fu so rs is t n ich t
k o n tra k til u n d b eh ä lt seine k o n sta n te Form. Der Makronucleus is t in d e r h in te re n K ö rp e rh
ä lfte gelegen, is t entweder oval oder bohnenförmig. E in kug e lig e r Mikronucleus. Die p u lsie
rende Vakuole lieg t am h in te ren K ö rp e rp o l; sie wird durch Ve re in ig u n g einiger k le in e r
Vakuolen gebildet. Die Querteilung e rfo lg t in freiherumschwimmendem Zustand. Von
a llen b ekannten Prorodon-A rten n ä h e rt sich die vorliegende F o rm am meisten dem P . ni-
veus, unte rsch e id e t sich jedoch von dieser A r t d u rch die S tru k tu r des K e rn a p p a ra ts , die
F o rm des Schlundes wie auch d u rch die bedeutend kle in e ren Ausmaße. Deswegen hielten
w ir es fü r angezeigt, diese F o rm als besondere A r t abzusondern. Das In fu so r bewegt sich
m it mäß ig e r Geschwindigkeit. E s is t omnivor u n d ä u ß e rs t g e frä ß ig ; es v e rsch lin g t in
Massen P lan k to n a lg en — Cyclotella, Melosira wie au ch die so g u t m it T richocysten a u s g
e rü ste ten plan k tisch en In fu so rien wie Marituja pelagica und Didinium nasutum; schließlich
fanden w ir bei einigen In d iv id u e n in den Nahru n g sv ak u o len soga r Re ste von Rota-
torien.
Seiner Ökologie nach ersch e in t P . garganellae a ls re in p lanktische s In fu so r. Diese
F o rm h ä lt sich im P e lag ia l des offenen Baikalsees a u f und w urde bishe r in den an d e ren
Gebieten des Sees von uns n ic h t angetroffen.
Dieser Prorodon k an n im P la n k to n des offenen Baikalsees eine seh r wesentliche Rolle
spielen; doch is t e r im P e lag ia l des Sees keineswegs so weit u n d diffus v e rb re ite t, wie einige
an d e re typische pelagische B a ik a lin fu so rien wie Marituja pelagica u n d Mucophrya pelagica.
Prorodon kommt im Gegenteil ileckenweise n u r a n einigen P u n k te n vor, d a fü r ab e r
zuweilen in seh r b e trä ch tlich e r Anzahl, wäh ren d er in den ben a ch b a rten Bezirken gänzlich
v e rm iß t wird. So fanden w ir z.B . im L au fe von 3 J a h re n , 1926, 27 u n d 28, P . kein einziges
Mal im Südb a ik a l bei M a ritu j u n d K u ltu k . 1926 ab e r w urde P . garganellae in sehr
g ro ß e r Anzahl im R ayon d e r B u ch t Babu sch k a (20. VII.) u n d in d e r Gegend des K ap
Kotelnikowski (Nördlicher Ba ika l) (30. VI.) angetroffen. 1927 kam es im Rayon d e r O rtsc
h a ft Goloustnoe v o r und a u f dem ganzen Querprofil P o d k am en n a ja — Myssowaja (nördlicher
Teil des Siidbaikal), fe rn e r a u f d e r ganzen S tre cke vom Nishne je Isgolowje des
Sw ja to i Noss, K ap Kotelnikowski bis S. G oremyki, dabei in enormer Menge. 1928 erschien
P . garganellae, m it Ausnahme ein e r Stelle, im P e la g ia l des Baika lsees ke in Mal. E in e in ziges
Mal wurde das In fu so r am 18. V II. n u r a u f e in e r S ta tio n des Q u erschnitts K ap Kote
ln ik ow sk i— B u c h t Tompa gefunden, u n d zwar in 3—4 km A bstand von d e r Bucht
Tompa, dabei in g e rin g e r Anzahl.
D e r Grund dieser ä u ß e rst ungleichmäßigen V e rte ilu n g des P . garganellae ist von uns
b ish e r n ich t e rm itte lt worden. Je d en fa lls g ib t weder die Vergleichung d e r physico-chemi-
schen Angaben d e r E x p ed itionstagebücher, noch die U n te rsu ch u n g des q u a lita tiv e n und
q u a n tita tiv e n Bestandes des P lan k to n s je n e r Stellen, wo das In fu so r m a ssen h a ft a u f tr a t
und wo es ja h re la n g v e rm iß t wurde, wie selbst die vergleichende Ü bersicht des meteorologischen
M a te ria ls aus den Tagebüchern d e r E xped itio n keine bestimmten Hinweise fü r
die K lä ru n g dieser F ra g e . Die nachfolgenden Angaben üb e r die Grenzen d e r physico-
chemischen F ak to ren , bei denen P . garganellae angetroffen wurde, zeugen ebenfalls d a von,
daß diese F o rm u n te r Bedingungen angetroffen wurde, die im offenen B a ik a l sehr
häufig sind, u n d zwar:
T em p e ra tu r Oa mg/1 | COa mg/11 Bicarb. COa mg/11 pH CaO mg/1 | MgO mg/1 S i0 2 mg/1 | Oxydierbark. Oa mg/1
3,20—5,57° 9,00—12,28 1,45—4,87 44,7—48,9 7,2—7,7 21,0—24,6 13,24—5,08 1,08—2,32 1,00—2,54
In se iner v e rtik a len V e rb re itu n g e rre ic h t P . garganellae zuweilen 100—200 m Tiefe,
am häufigsten und in m ax im a le r Anzahl kommt e r in v e rtik a le n F än g en aus 25—0 m
Tiefe vor.
Somit ersch e in t P . garganellae als eupelagische, wahrsche inlich steno th e r me K a ltwasserform
u n d is t eury p h ag .
Lacrymaria olor 0. F. M. (Abb. 11).
L. olor ersch e in t im B a ika lsee als typische Uferform. Sie wird häufig u n d in sehr
b e trä ch tlich e r Anzahl in d e r ch a rak te ristisch e n In fusoriengeme inschaft angetroffen, die
sich in dem a lgenreichen lito ra len Gebiet des Baikalsees selbst, se iner Ba ien und Buchten
a u fh ä lt, in d e r Zone, die wäh ren d d e r Sommermonate d u rch ein unbeständiges, a statisches
hydrologisches Regime gekennzeichnet wird. Mit den Ufe ra lg en se lbst is t L. olor in sekund
ä re r Weise verbunden: als R a u b in fu so r findet es h ie r eine reichliche anima lisch e N ah ru
n g v o r — winzige In fu so rien , die ih re rse its a n Algen, ih re u nm itte lb a re Nahrungsquelle,
gebunden sind. Deswegen wird L. olor in g rö ß e re r oder g e rin g e re r Anzahl, doch ste ts in
a llen lito ra len Algengemeinschaften, u n ab h än g ig von ihrem Arten b e stan d , angetroffen; sie
findet ste ts u n te r ihnen irgend welche P ro tis ten -A rten , die ih r als N ah ru n g dienen. In sehr
g ro ß e r Anzahl kam L. olor u n te r Gomphonema v o r, wo sie dem In fu so r Holophrya disco-
lor n a ch jag t, das sich h ie r in Massen entwickelt, dan k d e r üp p ig en N ah ru n g , bestehend