
sie is t in ten siv e r ro t g e fä rb t als d e r meh r b rau n e k o n tin en ta le Crotalus ruber, d e r ü b r igens
auß e rd em eine du n k le re Gesamtfärbung au fw e ist als die Inselform.
5. Geschlechtsunterschiede und Jugendkleider.
Es is t eine allgemein b ekannte Tatsache, d aß im T ie rre ich e das m ännliche Geschlecht
das fo rts ch rittlich e P rin z ip d e r A rtb ild u n g , das weibliche dagegen das e rh a lten d e r e p rä se
n tie rt; denn die Männchen pflegen im allgemeinen w e it v e rän d e rlic h e r zu sein als die
Weibchen. So kommt z. B. die e rstau n lich gro ß e V a ria tio n sb re ite verschiedener Me rkmale
man ch e r m e d ite rra n e r L a c e rtid en g erade bei den Männchen zum Ausdruck, w äh re
n d die Weibchen weit weniger v a ria b e l sind. Ic h glaube n ich t, daß die n euerdings von
W e t t s t e i n (1929, S. 423) g e äu ß e rte A nsicht üb e r das A u ftre ten d e r V a r ia b ilitä t im
L au fe d e r stammesgeschichtlichen E n tw ic k lu n g zu e rst bei den Weibchen, d an n e rst bei
den Männchen eine generelle Bedeutung hab en k an n . Denn: T ie rfo rmen m it einer großen
V a ria tio n sb re ite im weiblichen Geschlecht und ein e r gerin g en im männlichen kommen
doch n u r ganz vere in z e lt v o r; u n d sofern sich in diesen F ä llen d e r weibliche Po lym o rp h ismus
n ich t re in selektionistisch e rk lä re n lä ß t, k a n n m an ih n meiner A n sich t nach auch
d u rch die Annahme deuten, daß die von den Männchen schon e rre ic h te n S tad ien der
stammesgeschichtlichen E n tw ick lu n g im weiblichen Geschlecht eben noch n ic h t fixie rt
sind. Das geh t au s dem V e rh a lten v ie le r Inseleidechsen m it re c h t g ro ß e r Deutlichk
e it hervor.
So zeigen manche s ta rk modifizierte Inselfo rmen d e r Ga ttu n g Lacerta eine extreme
Ausbildung des Melanismus in der H au p tsa ch e bei den Männchen: den gleichförmig
schwarz g e fä rb te n männlichen T ie ren stehen d an n o ft die Weibchen gegenüber, indem sie
bisweilen noch die u rsp rü n g lich en Z eichnungsverhältnisse in ganz verschiedenen S ta dien
d e r V e rd ü ste ru n g m eh r oder m in d e r deutlich erkennen lassen. Ab e r eine bestimmte
E n tw ic k lu n g sric h tu n g b ra u c h t schließlich g a r n ich t ins E x trem getrieb en zu sein, um
die V a ria tio n sb re ite des Männchens zu v e rrin g e rn ; vie lm eh r k a n n das Männchen schon zu
einem frü h e re n Z eitp u n k te in se iner Differenzierung H a lt machen (Genepistase). Gerade
diese E rs ch e in u n g habe ich z. B. hei ein e r g roßen Serie d e r von m ir a u f d e r k leinen Insel
Linosa (zwischen T un is und Sizilien) gesammelten Lacerta filfolensis laurentix-mutier %
beobachtet. Wie schon erw äh n t, zeigt diese re c h t bemerkenswerte Eidechse eine deutliche
Tendenz zum Melanismus (Fig. 12), obwohl das S tad ium ex trem e r Schwärzung noch von
keinem In d iv id u um d e r L inosa-Popula tion e rre ic h t ist. Den m än nlichen T ie ren kommt
fa s t ausnahmslos eine in ten siv schwarze Netzzeichnung a u f d e r Dorsalseite zu; hei den
Weibchen, bei denen tro tz ih re r o ft etwas d u n k le ren G ru n d fa rb e d e r melanistische Char
a k te r weniger s ta rk au sg ep rä g t ist, is t n u n die Zeichnung deutlich v a ria b le r: der größte
Teil d e r weiblichen T ie re weist eine re c h t m a rk a n te S tre ifenzeichnung in zwei v erschiedenen
P h a sen — m it einem d unklen O c cipitalstreifen u n d ohne einen solchen — au f, u n d
manche Stücke zeigen, n amentlich a u f d e r h in te ren Rückenhälfte, eine Red u k tio n der
Zeichnung, ohne indessen das E x trem e in e r „oZwacea“-Ph a se zu erre ichen. — Auch bei
ein e r tropischen Inselechse, Sphenomorphus kühnei au s d e r F am ilie der Scinciden, weisen
die Weibchen einen d eutlichen — h ie r a lle rd in g s geographischen -Polymorphismus
au f: wäh ren d nämlich die Männchen a u f den Inseln T eun und B a b a r in der Bandasee m it
ih ren schwarzen Bäuchen m eh r oder m in d e r einförmig sind, zeigen die Weibchen beträ
ch tlic h e re F a rb k le id u n te rsch ied e (vgl. S. 90).
E s is t n u n fe rn e r seh r auffa llen d , daß manche Inselechsen zu ein e r R e d u k t i o n
des S e x u a l d i m o r p h i s m u s neigen. Diese E rs ch e in u n g e rg ib t sich ja zunächst aus
d e r allgemeinen Tendenz zum Melanismus: wäh ren d a u f dem F e stlan d e die beiden Geschlechter
ein e r Eidechsenspecies a n ih r e r verschiedenen Zeichnung o ft ohne weiteres zu
e rkennen sind, b e re ite t die Untersch e id u n g d e r Geschlechter melanistischer u n d selbst
h albmelanistischer E ilandsechsen n ic h t se lten g roße Schwierigkeiten; u n d bei extrem
melanistischen Formen, bei denen au ch das weibliche Geschlecht den höchsten Grad der
Schwärzung e rre ic h t h a t, is t das n a tu rg em äß ganz unmöglich. Aber diese Neigung zu r
Reduktion des S ex ualdimorphismus bei In se lrep tilie n e rstre ck t sich n ic h t etwa a u f die
U n te rd rü c k u n g d e r F ä rb u n g s- bzw. Zeichnungsunterschiede allein, sonde rn soga r auch
au f an d e re Geschlechtsmerkmale, die in d e r Gesamtgröße, im H ab itu s u n d in d e r Be-
schup p u n g oder Be schilderung zum Ausd ru ck kommen, wie h ie r durch einige Beispiele
belegt werden soll.
In den weitaus meisten F ä lle n zeichnen sich die Rassen d e r w e itv e rb re ite ten G la ttechse
Ablepharus boutonii d ad u rch aus, d aß die Weibchen deutlich g rö ß e r sind als die
Männchen. Be i e inigen Inselfo rmen is t n u n diese Größendifferenz n u r seh r wenig a u s g
ep räg t; bei dem spe zialisierten melanistischen Ablepharus boutonii ater von Gross Co-
moro k onnte ich ü b e rh a u p t kein e sexuellen Größenunterschiede feststellen, u n d bei dem
eigentümlich dickschwänzigen Ablepharus boutonii caudatus von d e r In se l J u a n de Nova
sin d die Geschlechter e in an d e r so ähnlich, daß sie äu ß e rlich offenbar ü b e rh a u p t n ich t zu
un terscheiden sind. U n te r den L a c e rtid en zeigen manche in su la re Zwergformen sexuelle
Größenunterschiede ebenfalls n u r in einem ganz gerin g en Grade.
Auch d e r H ab itu s d e r Inselechsen lä ß t die Geschlechtsunterschiede o ft weniger d eu tlich
erk en n en a ls bei den Festlandsbewohnern. Au f dem K o n tin en t zeichnen sich die
Männchen seh r oft n ic h t n u r d u rch den k rä ftig e re n K ö rp e rb a u aus, sonde rn au ch d urch
den g rö ß e re n u n d h öheren Kopf, s tä rk e re Gliedmaßen u n d längeren, a n der Wurzel a u fge
triebenen Schwanz. Die allgemeine Tendenz d e r Inselechsen zu einem gedrungeneren,
plum p e ren K ö rp e rb a u sowie zu r V e rdickung u n d V e rk ü rz u n g des Schwanzes verwischt
a b e r n a tü rlic h au ch diesen Geschlechtsdimorphismus. So is t z. B. d e r sexuelle Unterschied
in d e r Kopfgröße bei Lacerta galloti caesaris, einer spe zialisierten Kana ren e ch se von der
In se l H ie rro , n ich t so m a rk a n t wie bei den an d e ren Rassen des ^uZZoii-Formenkreises. Und
ganz äh n lich e Beobachtungen k onnte ich bei den m ed ite rran en Insel-Laz erten machen:
bei den s tä rk e r modifizierten Balearene chsen is t d e r Sexualdimorphismus, soweit e r sich
a u f den H ab itu s e rstre ck t, in d e r Regel g e rin g e r au sg ep rä g t als bei den weniger spez
ia lisie rten , ben a ch b a rten Pityusenechsen.
Ganz ähnlich scheinen sich au ch die Be schuppungsmerkmale zu v e rh a lten . W äh ren d
a u f dem F e stlan d e das L a z ertenmännchen sich in der Regel d urch höhere Schuppenzahlen
gegenüber dem Weibchen auszeichnet, f ä llt dieses Me rkmal bei den Inselechsen weniger
au f; das gleiche g ilt auch , fü r die F emoralporen. N u r die Z ahl d e r Ventra lsch ild ch en is t
bei den Männchen a u f dem F e stlan d e gerin'ger als bei den Weibchen; a u f Inseln
scheinen a b e r die Bauchschildchenzahlen bei den Männchen s tä rk e r anzuwachsen, so daß
auch in dieser Beziehung d e r U nterschied zwischen den Geschlechtern v e rrin g e rt wird.
Diese E rs ch e in u n g is t m ir zum e rsten Male bei den Eidechsen d e r Ma lta -Inseln au fg e fa llen:
und zwar zeigen h ie r die P o p u la tio n en d e r kleinen In se ln bzw. F e lsk lip p en g l Linosa,
Lampione u n d F ilfo la — gegenüber den Bewohnern d e r beiden g roßen In se ln Ma lta s ein
re ch t abweichendes V e rh a lten , indem die Geschlechtsunterschiede bei den d re i ersten Ech