
b ild e t den Stiel. Das Gehäuse is t dünnwandig, d urchsichtig, farblos, m it unregelmäßigen,
weichen Qu erfa lten; se in oberer R a n d h a t unreg e lm äß ig wellige Umrisse. In jedem Geh
äuse k a n n m an eine Kolonie sehen, welche au s 6 Zooiden besteht, die in Gestalt eines
K ran z e s a u f ein e r Höhe, jedes a u f einem b re iten k u rz en Stie l sitzen; in d e r u n te ren H ä lfte
des Gehäuses verschmelzen die Stiele zu einem gemeinsamen dicken Stiel, welcher sich
nach u n te n ein wenig v e rschm ä le rt u n d a n d e r Ba sis des Gehäuses be fe stig t ist. D e r Stiel
tr ä g t eine deutliche L än g sstre ifu n g . D e r K ö rp e r d e r Zooide is t von o valer F orm, 45
lan g , u n d im m ittle re n Teil 25 !* b re it. Im u n te ren Teil v e rschm ä le rt sich d e r K ö rp e r
se h r sch a rf. P e ristom schmal, geneigt; d e r P e ristom ra n d is t n ich t hoch, n ic h t um geschlagen;
Wimperscheibe seh r s ta rk sc h räg ab gestutzt, so daß bei d e r B e tra c h tu n g von
d e r Seite n u r d e r obere, in Gestalt ein e r Zunge v o rrag e n d e T e il derselben h in te r dem
P e ristom ra n d sic h tb a r ist. Vestibulum u n d Schlund ziemlich kurz . K e rn hufeisenförmig,
in d e r Mitte des Körpers. E in e einzige, in der Näh e des u n te re n Vestibulumteils gelegene
Vakuole. D e r obere R a n d d e r Kolonie t r i t t k aum üb e r die Gehäusemündung herv o r.
Unterfamilie L a g en o p h r y in in a e BStschli.
Lagenophrys labiata Wallengren (Abb. 126).
Zu dieser A r t stellen w ir eine F o rm m it folgenden Grundmerkmalen: L änge des Gehäuses
bis 75 (T, B re ite 70— 73 jjl. Das Gehäuse is t gelblich g e fä rb t, k re is ru n d oder b re itoval,
die u n te re , dem S u b s tra t zugewandte Seite is t flach, die entgegengesetzte, dorsale
Seite is t konvex, besonders in d e r v o rd e re n H ä lfte des Gehäuses. Die a n d e r Dorsalseite
bei d e r V o rd e rk a n te gelegene Mündung is t von d e r V en tra l- u n d D o rsallippe umgeben;
sie is t ha lb k re isfö rm ig oder meh r oder weniger viereckig, m it abg e ru n d e ten Ecken. Nach
dem B a u der Gehäusemündung ste h t L. labiata d e r L. aselli P l a t e seh r nahe; bei dieser
letzten A r t tr ä g t die D o rsa llip p e am R ande zwei s ta rk gebogene b ra u n e Spangen, welche
bei L. labiata Wa l . n ic h t beobachtet werden. D e r Körper fü llt das ganze Gehäuse, m it
Ausnahme des h in te rs te n Endes, aus. Die Wimperscheibe is t n ic h t konvex, wie b e i der
Mehrzahl d e r Vortice llin en g a ttu n g en , sonde rn konkav, in Gestalt eines n ic h t tie fen
T rich te rs, wie es fü r die G a ttu n g Lagenophrys eigentümlich ist. Das Vestibulum u n d der
P h a ry n x e rre ichen halbe Körp e rlän g e . L anger, hufeisenförmiger Ke rn .
L. labiata kam ziemlich selten v o r, zuweilen w u rd e sie ab e r in bedeutender Zahl an
den Gammarid en k iem en b lä tte rn beobachtet. In d e r V e rtik a le kommt dies In fu so r von
den U fe rn bis zu ein e r b e trä ch tlich en Tiefe v o r; die g rö ß te Tiefe, a u f welcher es a n getroffen
wurde, b e tru g 594 m (März 1928, M a ritu jb e z irk ), bei ein e r T em p e ra tu r von
3 11'.
L. labiata wurde bis jetzt für einen spezifischen Symphorionten der Ostracoden gehalten; sie wurde zusammen mit
diesen Trägern in kleinen Becken. (Wa l l e n g r e n , 1900; R o u x , 1901; An d r é , 1912; P e n a r d , 1922; R e i s e r , 1924)
erwähnt.
Lagenophrys ampulla St. (Abb. 127).
Im Ba ika lsee seh r weit v e rb re ite t. Sie kam a n den K iem en p la tten bei d e r Mehrzahl
d e r von uns u n te rsu ch ten Gammariden vo r. Die systematische Be stimmung dieser k reb sa
rtig e n T ie re k onnte von u n s n ich t au sg e fü h rt werden, d a bei dem allgemeinen Re ichtum
d e r Gamma rid en fau n a des Baikalsees, welche zu r Zeit ü b e r 200 A rte n zäh lt, diese
A rb e it n u r eine se lbständige systematische Aufgabe d a rste llen könnte. S w a r c z e w s k i ,
welcher die schon v o rh e r von D o r o g o s t a j s k y sy stematisch b e a rb e ite ten Gammariden
u n te rsu ch te , n en n t 48 A rten , a u f welchen e r L. ampulla gefunden h a t.
L. ampulla leb t im B a ika lsee u n te r den verschiedensten Bedingungen: sie kommt in
seh r g ro ß e r Zahl a lle ro rten in d e r Uferzone, auch a n den v e ru n re in ig ten U fe rn , wäh ren d
allen J a h re s z e iten v o r; sie is t also an die a sta tisch en Bedingungen des Sommerregimes im
L ito ra lg eb ie t an g ep aß t. Sie is t ab e r au ch in den sta tisch en Gebieten des Baika lsees weit
v e rb re ite t: in der V e rtik a le w urde sie noch in b edeutender Z ahl in d e r sehr g roßen Tiefe
von 1320 m angetroffen; sie is t wahrsche inlich bis zu den Grenztiefen des Baika lsees v e r b
re ite t. Die T em p e ra tu rg ren z en , bei welchen L. ampulla im B a ika lsee vorkommt, sind
seh r weit: von > 0—21° (über die üb rig en F a k to re n siehe im allgemeinen Teil.
In der Literatur liegen ebenfalls Hinweise auf das Vorkommen dieser Form während aller Jahreszeiten vor ( R e i s
e r , 1921, u. a.).
Diese Art gehört zu den besonders verbreiteten und kommt in den verschiedensten Becken als Epibiont auf Boden-
und planktischen Tieren vor: in den Bächen an Gammarus p u le x (Merm o d , 1914; U b i s c h , 1913), in kleinen reinen
Becken auf demselben Träger und auf A s e llu s aquaticus ( E i smo n d , 1895; R i c h a r d , 1899; P e n a r d , 1922 und viele
alte Verfasser), in den Seen: Balaton-See ( F r a n e é , 1897) und Gr. Plöner See ( Z a c h a r i a s , 1894—1903) aufCopepoden,
im Flusse Po (I m h o f f, 1886) ; diese Angabe wird von A n d r é bezweifelt, welcher vermutet, daß in diesem Falle eine
andere Art, nämlich L . labiata, beobachtet wurde und im Neuchäteler See auf Ostracoden, im West Twin Lake auf
Hyalella dentala (R o f o i d, 1893) und vielen anderen.
A u f Grund a lle r dieser Angaben k an n L. ampulla zu den polytopen, asta stisch eury-
bionten, speziell zu den eu ry th e rm -a sta tisch en Formen, gestellt werden; in bezug a u f die
Wah l des W irte s zeigt sie keinen deutlichen spezifischen Symphorismus.
Lagenophrys nassa St. (Abb. 128).
I n Ü b e reinstimmung m it d e r S y stematik, welche von M. U b i s c h (1913) fü r die
G a ttu n g Lagenophrys vorgeschlagen wurde, zählen w ir zu L. nassa die Fo rm en m it folgenden
H au p tm e rkm a len . Der Durchmesser des Gehäuses b e trä g t 50—65 [*; das Gehäuse
is t diskoidal, die obere dorsale Seite desselben is t konvex, die u n te re abdominale Seite ist
flach oder ein wenig gewölbt; das Gehäuse is t stru k tu rlo s , farblos oder ein wenig gelblich.
Der Mu n d k rag en is t u ngegliedert, in Gestalt eines k u rz en fischreusenähnlichen Rohres,
welches nach v o rn e ein wenig e rw e ite rt u n d durch einen ziemlich tiefen Aussch n itt
in zwei L ippen — eine obere u n d eine u n t e r e ^ S ein g e te ilt ist. Die u n te re (vordere)
L ip p e is t zierlich gezähnelt, die obere (hintere) beinahe g an zrandig. Die Wan d u n g en des
Rohres sind d e r L änge n a ch ge fu rch t. A n d e r Ba sis des Mundkragens, von d e r Innenseite,
is t ein e lastischer W u ls t vorhan d en , d e r einen in n e ren Verschluß bildet. Die F o rm des
K ö rp e rs en tsp rich t d e r des Gehäuses; e r fü llt das ganze Gehäuse, abgesehen vom h in te r sten
E nde desselben, aus, u n d be fe stig t sich am Gehäuse an d e r Halsbasis m itte ls des
p eristomoiden Wulste s, wie dies fü r die V e rtre te r d e r G a ttu n g Lagenophrys eigentümlich
ist. Das V estibulum is t tie f, d e r Schlund lang, re ic h t bis a n die h in te re K ö rp e rh ä lfte . E in e
seh r s ta rk ausgebildete, u n dulierende Membran. Die k o n tra k tile Vakuole lieg t a n der
Basis des Vestibulums. D e r K e rn ist länglich hufeisenförmig. L. nassa kommt im B a ik a lsee
an Gliedmaßen u n d P an z e r d e r Gamm a rid e n vor, ab e r v ie l se ltener u n d in g e rin g e re r
Z ahl als L. ampulla. Ih re V e rb re itu n g b e sch rä n k t sich, wie es scheint, a u f das Ufergebiet,
d a w ir sie tie fe r a ls 10— 15 m schon n ich t angetroffen haben. Die T empera tu rg ren z en , bei
welchen L. ampulla im B a ika lsee vorgefunden wurde, sind 4— 9°.
Im Schrifttum wurde L. nassa in kleinen Becken und in Bächen, ausschließlich an den Gliedmaßen von Gammarus
p u le x , erwähnt (die alten Verfasser und R i c h a r d , 1899; Ub i s c h , 1913; R e i s e r , 1921 u. á.). Die Angaben
F e h l m a n n s (1911) über das Vorkommen der L. nassa an Candona werden von R e i s e r bezweifelt; er nimmt an,
daß in diesem Falle ein Bestimmungsfehler der L agenophrys-Art vorliegt.