
Unterordnung Trichostomata Bi i t s chl i emend. Kahl.
Farn. Colpodidae Poche emend. Kahl.
Colpoda cucullus 0. F. M.
An v e ru n re in ig ten U fe rn ; wäh ren d daue rn d em stillen W e tte r ü b e ra ll am Ufe r im
s tag n ie ren d en Wasser m itten zwischen sich zersetzenden u n d lebenden Ulothrix u n d Tetraspora,
bei re ich lich e r b ak te rie lle r u n d D e tritu se rn ä h ru n g . C. cucullus w urde bei einer
T em p e ra tu r von 8— 19° beobachtet.
Diese Art, welche zu d en gewöhnlichsten u n te r d en Ciliaten gehört, w u rd e in d e r L ite ra tu r m eh rm a ls in v ersch iedenen
s tag n ie ren d en Becken m it e in e r g ro ß e n Zahl von organischen Stoffen, in d e n versump fte n un d v e ru n re in ig ten Teilen
von F lüssen u n d Seen wä h ren d a lle r J ah re sz e ite n angegeben (viele a lte V e rfa sse r u n d R o u x , 1901; P e n a r d , 1922;
N o l a n d , 1925; K a h l , 1926; S k o r i k o w , 1909: Ladoga-See; F r a n e é , 1897: Balaton-See; W i s l o u c h , 1921: Newafluß;
F a d e j e w , 1926: Bassin d e s Donetz-Flusses; W e t z e l , 1928: Schüssen am Bodensee u. v ie le a.). Es lie g t e in e in ziger
Hinweis a u f d a s Vorkommen d ie se r A rt im P e lag ia l g ro ß e r S een -i#iLac Léman ( A n d r é , 1914) — vor.
Farn. Paramaeciidae Grobben.
Paramaecium bursaria Ehrenberg.
A lle ro rten in d e r Uferzone u n te r TJlothrix, Tetraspora und Gomphonema; desgleichen
in stagnie rendem W a sse r k le in e r Buchten u n te r faulenden Algen. N ich t häufig
und in n ich t b e trä ch tlich e r Zahl, bei ein e r T em p e ra tu r von 3— 16°. Als N ah ru n g dienen
winzige Diatomeen.
Dieses v e rb re ite te In fu so r w ird in d e r L ite ra tu r angegeben fü r k le in e stag n ie ren d e Wasserbecken, Gräben, Lachen
( S c h e w i a k o f f , 1893; R o u x , 1901; W e t z e l , 1928; Z a c h a r i a s , 1900; L e v a n d e r , 1894), Wiesen-, Wald-, Torfmoore
u nd v ersumpfte s Altwasse r ( Z a c h a r i a s , 1903; S k a d o w s k y , 1926; W e t z e l , 1928), fe rn e r fü r d ie Uferzone
von F lü ssen u nd S een : d e r Newa ( S k o r i k o w , 1909), Oka (S a s s u c h i n , 1924), Fl. Donetz ( F a d e j e w , 1928), Balaton-
S ee ( F r a n e é , 1897), Lago Maggiore ( A n d r é , 1912), Tschiwyrkui-Bai ( R o s s o l im o , 1923) u. a. Im P la n k to n d e r
Teiche vom eu tro p h e n Typus, w ie d ie Teiche von P e te rh o f (R y l o w , 1927), P ark teic h von P etrowskoje Rasumöwskoje
(G a j e w s k a j a) is t P. bursaria au ß e rd em , b eso n d e rs in den He rb st- u n d Wintermona ten, zu e in e r anseh n lich en Entwicklung
fähig; d ieses In fu so r w u rd e auch im pelagischen Plan k to n d e s Lac Léman ( A n d r é , 1914) konstatiert. Schließlich
g eh t d ie se Form in d en „Psammon“ -Bestand d e r Biocönose fe u ch te r lito raler S andgebie te e in ( S a s s u c h i n , Fl. Oka,, 1928).
P. bursaria muß augenscheinlich zu r Gruppe d e r eu ry to p en u n d zweifelsohne zu den
e u ry th e rm en In fu so rien gestellt werden.
Paramaecium cauda tum Ehrenberg.
Nicht häufig u n d in g e rin g e r Menge u n te r faulenden u n d lebenden Ulothrix und
Tetraspora. Bei ein e r T em p e ra tu r von 30—21°. N o 1 a n d (1925) beobachtete dieses In fu sor
im Wisconsin-See h e i e in e r T em p e ra tu r von 18 32“; es lieg t i n d e r L ite r a tu r eine
Re ihe von Hinweisen a u f sein Vorkommen wäh ren d a lle r J a h re s z e iten vor. E s sind deshalb
alle Gründe v orhanden, um P. caudatum fü r eine eu ry th e rm e F o rm zu halten.
Im B a ika lsee wurde sie schon f rü h e r von L. R o s s o l im o (1923) fü r geschützte und
von Mak ro p h y ten bewachsene Teile d e r T schiwyrkui-B ai und im T schiwyrkui-Ssor n a ch gewiesen.
Diese, wie bekannt, s e h r gewöhnliche Art, welche ein k lassisches Objekt fü r a lle rle i E x p erime n te u n d fü r d ie Schulp
ra x is ist, un d welche m it vollem Recht zu d en „L a b o ra to rium stiere n “ g e stellt we rd en kan n , w u rd e in dem d ie n a türlichen
Gewässer beh an d eln d en Schrifttum m eh rm a ls in k le in en stag n ieren d en , v e ru n re in ig ten , versump fte n Bassins, in Moossümpfen,
im U ferge strüpp an F lü ssen u n d S e en e rw äh n t (viele a lte Autoren u n d R o u x , 1901; F r a n e é , 1897; Z a c h a r
i a s , 1893; W i s l o u c h , 1921; S a s s u c h i n , 1926; W e t z e l , 1928; N o l a n d , 1925; F a d e j e w , 1926 u. v. a.). Es
sei d a ra u f hingewie sen, d aß P . caudatum sich in b ed e u ten d e r Zahl im pelagischen Win terp lan k to n d e r Teiche (R y l o w ,
1927 — Teiche von P e te rh o f — u n d u n se re , noch nicht veröffentlichten Angaben in bezug a u f d ie Teiche von Petrowskoje-
Rasumovskoje in d e r Umgegend von Moskau) entwickeln kann.
Paramaecium putrinum CI. et L.
Seh r selten u n d in u n bedeutender Zahl u n te r den sich zersetzenden Ufera lgen; bei
ein e r T em p e ra tu r von 10—17°.
Im Schrifttum w ird P. p u tr in um vor allem als c h a rak te ristisch e Form, m it m assen h a fter Entwicklung, fü r s ta rk v e ru
n re in ig te Gewässer (aus den sp ä te ren Literatur<|uellen in bezug a u f d ie S aprobität d e r Gewässer — G. D o l g o w , 1927).
fe rn e r ü b e rh a u p t fü r k le in e stag n ie ren d e Becken, v ersump fte Altwasse r (viele a lte Autoren u n d P. M o la , 1928; R o u x , 1901;
S c h l e n k e r , 1908; M e r m o d , 1914; H e n d e r s o n, 1906; W e t z e l , 1928; L a u t e r b o r n , 1898 u. a.) erwähnt. Es
lieg en einz elne Hinwe ise a u f d a s Vorkommen von P . p u tr in um in fließ en d en Gewässern vor (M e rm o d , 1914).
Farn. Sulcigeriidae f. n.
Sulcigera comosa G a j ew sk a ja (Abb. 35).
Sulcigera comosa eine neue G a ttu n g und A r t au s dem Baikalsee, ku rz von m ir in
ein e r vorläufigen Mitte ilu n g im J a h r e 1928 beschrieben.
Dieses In fu so r h a t ein seh r b iz a rre s Aussehen. Der K ö rp e r is t ab g e ru n d e t, ein wenig
in dorso-v en tra le r R ich tu n g ab g ep la tte t, wobei die dorsale Seite meh r gewölbt und reg e lm
äßig ab g e ru n d e t ersche int; die v e n tra le dagegen, längs d e r sich die p e ristomale Rinne
h inzieht, tr ä g t in ihrem m ittle re n Teil eine sanfte, qu e r zu r Längsachse liegende V e rtie fung
u n d ersch e in t deshalb flacher.
Ausmaße des Infu so rs: L ängsdurchmesser des K ö rp e rs vom ap ik a len bis zum te r minalen
E nd e b e trä g t 90 Q u erschnitt von d e r v en tra len Seite zu r dorsalen 82 [a, Quers
c h n itt des K ö rp e rs von der linken Seite zu r re ch ten 100 D e r ganze K ö rp e r is t gleichm
äß ig m it se h r langen, weit abstehenden, feinen Wimperchen bedeckt. Die W im p e rre ih en
v e rlau fe n m eridiona l u n d sind v e rh ä ltn ism ä ß ig schwach ausgesprochen, so daß sie m it
Mühe zu u n terscheiden sind. Außerdem sitzen a u f dem h in te ren K ö rp e r ende, am h in te ren
A u s sch n itt der p eristomalen R in n e v ie r seh r große, k omplizierte Wimpern. Sie sind bis
70 (x lan g , seh r dick, ein wenig gebogen, biegsam u n d elastisch. I h r h in te re s E nd e is t zu
feinen F äd en zerfa se rt, der ü b rig e Teil der W im p e rn ersch e in t jedoch bei lebenden E xemp
la re n als homogen, glänzend, d a ih re S ubstanz s ta rk lichtbre chend ist. Beim Absterben
des In fu so rs t r it t in den W im p e rn zu e rst eine L än g sstre ifu n g au f, d an n z e rfä llt jede Wimp
e r in einzelne lange F a se rn , die sich in einem weiten Büschel au sb re iten ; d a ra u f tre n n t
sich jedes Büschel vom h in te re n E nde des Infu so rs, z e rfä llt u n d z e rstre u t sich im W a sse
rtropfen.
Diese v ie r W im p e rn bilden das H auptbewegungsorgan d e r Sulcigera comosa. Das
In fu so r ro tie rt m it ein e r unbeschreiblichen Geschwindigkeit um seine Achse, indem es
diese W im p e rn s c h rau b e n a rtig umd reh t. Von Zeit zu Zeit h ä lt es inne: es k lam m e rt sich
m it H ilfe ein e r oder zweier Wimp e rn , d e ren d ista le E nden sich dabei h akenförmig um biegen,
an irg endeinen Plan k to n o rg an ism u s, am häufigsten an F äd en von Melosira, und
d re h t sich zuweilen län g e re Zeit a n ein e r Stelle. Dan n re iß t es sich ganz plötzlich los und
verschwinde t m it Blitzesschnelle au s dem Gesichtsfelde. Wenn diese sta rk e n Wimp e rn
n ich t fu n k tio n ie ren , werden die Bewegungserscheinungen trä g e r; S. comosa bewegt sich
d an n regelmäßig, ohne zu ro tie ren , und dabei gewöhnlich m it d e r dorsalen Seite nach vorn.
Das Z ytoplasma is t d urchsichtig, feink ö rn ig , farblos. Seine Oberflächenschicht en th
ä lt viele kleine Trichozysten von spindelförmigem Aussehen, die senk re ch t zu r Oberfläche
des K ö rp e rs an g eo rd n e t sind. E s g elang m ir kein Mal, die E n tla d u n g der Trichozysten
wahrzunehmen, auch n ich t bei k ü n stlich e r Reizung. Dabei könnte m an jedoch bei Anwend
un g solcher Reizmittel, wie z. B. seh r schwache E ssigsäure, bei Versuchen, das In fu so r