
0 . articulât a weist keine Spezifitä t in bezug a u f die W a h l des T rä g e rs a u f u n d
kommt a u f den V e r tre te rn der verschiedensten systematischen Gruppen: a u f verschiedenen
E n tom o strak en ( F r a n e é ) , Ma lacostraken (K e i s e r ) , Coleopteren, H emipteren, In-
sekten-L arven ( E h r e n b e r g , S t e i n , R o u x , K e i s e r u. a.), a u f H iru d in e en (A n d r é ,
Mo n a r d ) u. a. vor. Sie h e fte t sich auch an lebloses S u b stra t, z. B. a n Steine (E d m o n d-
son ).
Pyxidium cothurnoides S. Kent (Abb. 119).
K ö rp e rlä n g e bis 63 (a; die g rö ß te B re ite 32 ja. D e r K ö rp e r is t oval, im vord e ren u n d
h in te ren Teil s ta rk verengt. W irb e lo rg an wenig v o rrag e n d , wenig sch räg gestellt. U n d u lierende
Membran ziemlich g u t ausgebildet. Ve stíbulum und Schlund ziemlich lang. K ö rperoberfläche
g la tt. Stie l dün n , n ich t g e s tre ift, n ich t üb e r die halbe Körp e rlän g e , gewöhnlich
k ü rz e r. D e r K e rn h a t b an dförmige Gestalt und lieg t in d e r L än g srich tu n g des K ö rpe
rs. Bei d e r K o n tra k tio n wird d e r K ö rp e r kugelförmig. P. cothurnoides ist ein b e stän diges
Glied in d e r Gemeinschaft d e r In fu so rien , die sich an den U fern, bei warmem und
stillem W e tte r in stagnie rendem Wasser, m itten u n te r sich zersetzenden u n d lebenden
Ulothrix u n d Tetraspora, bei re ich lich e r Bakte rien - u n d D e tritu sn a h ru n g entwickelt. Sie
wurde von u n s bei ein e r T em p e ra tu r von 6—20° beobachtet.
In der Literatur wurde P. cothurnoides für kleine Becken (viele alte Verfasser und R o u x , 1901; R i c h a r d , 1899;
A n d r é , 1912; Me rm o d , 1911; K e i s e r , 1921 u. a.), sowie im Plankton einiger Seen als Planktonepibiont: im Balaton-
See ( F r a n e é , 1897), im Neuchätel-See (Mo n a r d , 1919) erwähnt. Besonders häufig befestigt sich diese Art an Ostra-
coden. K e i s e r hält sie sogar für einen spezifischen Symphorionten dieser Gruppe und zweifelt an der Richtigkeit
der systematischen Bestimmung in den Fällen, in denen P y x id ium auf Copepoden beobachtet wurde; er nimmt an, daß
es eine andere P y x id ium -Art, nämlich P. h en n e g u yi F a u r é - F r e m i e t , war. Unsererseit müssen wir aber darauf hin-
weisen, daß die von uns im Baikalsee gefundenen Formen, deren Zugehörigkeit zur Art P. cothurnoides, auf Grund der
oben geschilderten Merkmale, keinem Zweifel unterliegt, stets ausschließlich auf zersetzten und lebendigen Ulothrix
und Tetraspora gefunden wurden. P. cothurnoides scheint somit kein spezifischer Symphoriont zu sein, wie es K e i s e r
annimmt.
B. C o th u rn in a B ü t s c h l i .
Cothurnia crystallina Ehrnbg. (Abb. 120).
C. crystallina zeigt im B a ika lsee eine V a r ia b ilitä t in Bezug a u f den Bau des Gehäuses,
welche den Gattu n g en Cothurnia und Cothurniopsis ü b e rh a u p t e igentümlich is t und
im S ch rifttum schon mehrmals e rw äh n t wurde; sie is t d e r G rund fü r die Au fstellung
e in e r Reihe von zweifelhaften A rten in beiden Gattungen.
Besonders v e rb re ite t is t im B a ika lsee C. crystallina m it einem Gehäuse in Gestalt
ein e r langen Röhre, deren Länge, in A b h än g ig k e it von d e r Lage a u f dem K ö rp e r des
W irte s u n d vom A lte r des In fu so rs, von 100—250 (a schwankt; die entsprechende Bre ite
b e trä g t im m ittle re n Teil von 30—70 |a; das Gehäuse is t im B a sa lte il ein wenig a b g e ru n det
u n d in d e r Regel ohne Stiel; es is t gewöhnlich ab g ep la tte t, u n d die E ingangsöffnung
h a t elleptische Umrisse. Die WÜnde des Gehäuses sind g la tt, farblos, zuweilen im oberen
Teile m it einem gelblichen Ton.
Neben diesen F ormen, ab e r viel se ltener, kommen Gehäuse vor, welche h in te r der
Mitte bis 150 (a b auchig a u f getrieb en sin d ; am h in te ren E n d e sind sie regelmäßig ab g
e ru n d e t u n d am v o rd e re n ein wenig v e rb re ite r t oder, umgekehrt, s ta rk verschmälert.
Zuweilen bildet sich am u n te ren E n d e des Gehäuses, a n d e r Ansatzsteile desselben
am S u b stra t, eine p la tte n a rtig e V e rb re ite ru n g , oder das Gehäuse v e ren g e rt sich u n ten und
b ildet einen k u rzen b re iten Stiel.
Die Cothurnia können senk re ch t zu r U n te rlag e oder schief sitzen; im letzten F a lle ist
das Gehäuse häufig g ek rüm m t u n d die E ingangsöffnung sc h räg abgestutzt. Zwischen diesen
u n d den typisch en F o rm e n g ib t es eine ganze Re ihe von Übergängen, an d e re rse its
können die Abweichungen bei verschiedenen In d iv id u e n verschieden k om b in ie rt sein,
weshalb im Ba ika lsee die F o rm en von C. crystallina seh r m an n ig fa ltig sind, was ab e r
au ch in den üb rig en Becken eine gewöhnliche E rs ch e in u n g is t (E n t z , 1884; B ü t s c h l i ,
1877; F a u r é - F r e m i e t , 1924; P e n a r d , 1922 u. a.).
Aus diesem Grunde scheint es uns, daß die von S w a r c z e w s k i a ls neue A rten aus
dem Ba ika lsee beschriebenen C. vas, C. elegans u n d C. cratera ä u ß e rs t zweifelhaft sind,
da diese F o rm en sich d u rch g a r keine wesentlichen Merkmale von C. crystallina u n te r scheiden
u n d sich ganz g u t als eine von den vielen Fo rm en dieser A r t bestimmen lassen.
C. crystallina w urde von diesem Verfa sse r ebenfalls im Ba ika lsee als eine ziemlich selten
vorkommende A r t angegeben; n a ch u n se ren Beobachtungen g eh ö rt sie zu den Formen,
die im Ba ika lsee weit v e rb re ite t sind. Sie w urde von uns ausschließlich a u f Gammariden
gefunden; es k amen In d iv id u e n v o r, bei welchen die Gliedmaßen, besonders die
Ba sa lg lied e r d e r Abdominalfüße u n d die Borsten an denselben, von diesen In fu so rien
dich t besetzt waren. C. crystallina sitz t häufig in Gestalt ein e r P a llisad e a u f den R ä n d e rn
d e r K iem en p la tten d e r Gammariden; sie kommt auch a u f den Antennen u n d a u f dem
P an z e r vor. In d e r g rö ß ten Z ah l u n d besonders häufig findet sie sich in Tie fen von 25 bis
30 m; weiter nimmt ih re Häufigkeit s ta rk ab, u n d die g rö ß te Tiefe, in d e r w ir dies In fu -
sor a u f Gammariden a n tra fe n , b e tru g 92 m (im Kleinen Meer [Maloje More] an der
In se l Oto-Chuschun, im J u li des J a h re s 1927); ab e r auch in dieser Tiefe kommen Gammarid
e n m it se h r zahlreichen C othurnien a n den F ü ß en vor. Die T empera tu rg ren z en , bei
welchen C. er ystallina von u n s im B a ika lsee v o r gefunden wurde, b e trag en 4— 17°. In d iv
id u en m it Zooxanthellen h aben w ir kein einziges Mal beobachtet.
Im Schrifttum liegen zahlreiche Angaben über das Vorkommen dieses sehr gewöhnlichen Infusors in kleinen
stehenden Becken (viele alte Autoren und S c h e w i a k o f f , R o u x , Me rm o d , S c h l e n k e r , D a l l a T o r r e , P e n
a r d , K e i s e r und viele andere) und in der Uferzone der Seen: Balatonsee ( F r a n e é , 1897), Pestowosee ( Sko ri -
kow, 1904), East Twin Lake ( K o f o i d , 1894), Glubokoje-See (Du n n a k ow) , Gr. Plöner-See ( Z a c h a r i a s , 1893),
Oka-Fluß ( S a s s u c h i n , 1923), Donjez-Fluß ( F a d e j e w , 1926) u. a., vor.
C. crystallina lebt auch im Meer und in Salzwasser. Besonders häufig befestigt sie
sich a n höheren Wasserpflanzen u n d Algen. K e i s e r (1921) h ä lt dies In fu so r soga r fü r
einen spezifischen S ymphorionten a u f Pflanzen. Die a lte n Angaben von Z a c h a r i a s , der
es a u f Gammarus pulex im Großen P lö n e r See gefunden h a t, die Hinweise R i c h a r d s
a u f sein Vorkommen im Meer n ic h t n u r a u f Algen, sonde rn au ch a u f Gammarus mari-
nus, u n se re Angaben (1927) u n d die An g ab en von S w a r c z e w s k i (1930) v eranlassen
u n s dazu, den K re is der W irte , a u f welchen C. crystallina vorkommt, weiter zu ziehen.
Cothurnia urceus sp.nov. ( = ! Cothurnia vas Sw a r c z ew sk i ) (Abb. 121).
L änge des Gehäuses 95—100 (a, g rö ß te B re ite 73—75 [a. Das Gehäuse h a t die F o rm
eines K ru g e s ohne Stiel, welcher in d e r F ro n ta lr ic h tu n g ein wenig zusammengedrückt ist.
Im Gehäuse k an n man einen oberen u n d u n te re n Teil, unterscheiden. D e r obere Teil,
gleichsam d e r H a ls des K ruges, is t von dem u n te ren v e rb re ite rte n Teil deutlich abgegrenzt
und v e rb re ite r t sich ein wenig gegen die Mündung; seine Länge b e trä g t etwa XA d e r gesamten
Länge des Gehäuses; die B re ite d e r Mündung b e trä g t im län g sten Durchmesser
42—45 (a. Der u n te re Teil des Gehäuses von der B asis des H alses v e rb re ite r t sich plötzlich
sta rk , um sich sp ä te r allmäh lich zu v e rschm ä le rn u n d sich am u n te ren E nd e abzurunden.