
die F am ilie d e r Ig u an id en in zwei indigenen Gattungen (Oplurus, Chalarodon) a u f tritt;
die Gattu n g en d e r Boiden u n d Pelomedusiden (Constrictor, Boa, Podocnemis) sind sogar
die gleichen wie in Süd am e rik a . Zweifellos w a ren diese Formen, die w ir h eu te a ls neotropisch
zu bezeichnen gewohnt sind, im T e rtiä r eben v ie l weiter v e rb re ite t: so k e n n t man
z. B. die Ig u an id en aus dem Eozän E u ro p a s; u n d d ah e r d a rf man annehmen, d aß sie in
d e r Vorzeit auch das ko n tin en ta le A frik a bewohnt haben. F ü r ein Genus is t das soga r e rwiesen:
Podocnemis (congolensis) is t z. B. aus dem T e rtiä r A frik a s bekannt. Auch zu S ü d asien
bestehen gewisse Beziehungen: so z. B. d u rch die H a ftz eh e rg a ttu n g Phelsuma, durch
die a lte rtüm lich e n N a tte rn d e r G a ttu n g Sibynophis (au ß e r in S üdasien auch im südlichen
No rdamerika ), durch die F rösche d e r G a ttu n g Rhacophorus.
Gerade u n te r den madagassischen R e p tilien is t der R e ichtum an ziemlich iso lie rt stehenden,
indigenen Fo rm en ungewöhnlich gro ß : die F am ilie d e r U ro p la tid en (mit d e r b ek an n testen
A r t Uroplatus fimbriatus), viele Eidechsen- und n amentlich Schlangen g a ttu n g en
sowie die meisten A rte n sind durch au s endemisch. Wie a u f den Ma skarenen feh lten auch
große L andschildkröten a u f Madagaska r nich t; man k en n t sie (Testudo grandidieri, ab-
rupta) fre ilich n u r im fossilen oder subfossilen Zustande. Die geg enw ä rtig noch a u f Mad
ag a sk a r lebenden L andschildkröten, Testudo radiata und T. yniphora, sind ebenfalls endemisch;
zwei andere Schildk rö ten g a ttu n g en , die m it Testudo v e rw an d t sind, Acinixys
und Pyxis, sind a u f Mad ag a sk a r b eschränkt. Auch die Amph ib ien fau n a weist n a tu rg em äß
einen gleich hohen Endemismus auf. Aus diesen T atsachen is t zu folgern, daß Madagask
a r sicher schon se it dem oberen Miozän d u rch die S tra ß e von Mocambique von A frik a
iso lie rt wa r; se it dieser Zeit sta n d Mad ag a sk a r ab e r auch m it k e in e r an d e ren kon tin en ta
len Landmasse in Verbindung. Die madagassische T ie rwelt is t also als eine m itte loder
soga r a ltte r tiä re zu bezeichnen, die im wesentlichen au s A frik a stammt. W äh ren d
diese a lte F a u n a ab e r d o rt d urch moderne, in d e r Hau p tsa ch e aus Asien stammende Im m ig
ra n te n bis a u f wenige Re ste v e rn ich te t worden ist, h a t sie sich a u f der riesigen isolierten
In se l Mad ag a sk a r bis in die Gegenwart erh a lten .
Alle küsten n ah en In se ln Mad ag a sk a rs (z. B. Ile a u x P ru n e s, Makambi, S ak a tia , St.
Marie) zeigen eine große Ü bereinstimmung ih re r H e rp e to fau n a m it d e r H au p tin se l. N u r
Nossibe is t d urch einige eigentümliche F o rm en au ffä llig : so d u rch Lygodactylus heteru-
rus, Brookesia minima, Pararhadinaea melanogaster. A u f den beiden winzigen In se ln in
d e r S tra ß e von Mocambique — E u r o p a im Süden, J u a n d e N o v a im Norden — leben
n u r ganz wenige Eidechsen, während Schlangen v o llstän d ig fehlen. Von E u ro p a sind
Hemidactylus mabouia, Lygodactylus verticillatus, Mabuya comorensis infralineata und
Ablepharus boutonii bitaeniatus bek an n t; von J u a n de Nova: Hemidactylus mabouia,
Lygodactylus insularis und Ablepharus boutonii caudatus. Ich glaube nicht, daß es sich
bei diesen beiden In se ln um ganz ju n g e B ildungen handelt, weil die beiden indigenen
F o rm en des Ablepharus boutonii so erheblich diverg ie ren , d aß sie m it keinem an d e ren
A ngehörigen dieses F ormenkreises verwechselt werden können; außerdem re p rä s e n tie re
n Lygodactylus insularis von J u a n de Nova und Mabuya comorensis infralineata
endemische F ormen. Auch a u f d e r kleinen In se l G l o r i o s o zwischen d e r Nordküste
M a d agaska rs u n d den Komoren — g ib t es zwei endemische Eidechsen: Sepsina valhallae
u n d Ablepharus boutonii gloriosus; sonst sind von diesem E ilan d n u r noch Hemidactylus
mabouia u n d Zonosaurus madagascariensis b ek an n t ( S t e j n e g e r 1893,S .712). — Höchstwahrsche
inlich stellen die vulkanischen K o m o r e n noch die letzten Re ste d e r alten
madagassischen L an d b rü ck e d a r; ih re R ep tilien fau n a is t zw a r — im Vergleich m it der
madagassischen - 5 s ta rk v e ra rm t, ab e r doch d urch indigene (mit madagassischen v e rwandte)
Rassen, A rten und selbst Gattu n g en (Lycodryas) sehr au ffä llig . Sie sprechen e n tschieden
d a fü r, daß auch die Komoren se it dem Pliozän iso lie rt sind.
L a u t A b b o t t (1893, S. 760) besteht die In se l A l d a b r a aus ein e r sehr a lten K o ra llenformation.
D ah e r ersch e in t ein endogenes Vorkommen der bekanntesten Aldabra-
K rie ch tie re , d e r Riesenschildkröten, d u rch au s v e rstän d lich . Au f d e r Nordinsel A ld ab ra s
is t zwar Testudo elephantina im wilden Zustande au sg e ro tte t; a u f d e r g rö ß e re n Südinsel
leb t ab e r noch Testudo daudinii — nach R o t h s c h i l d (1925, S. 423) B - in fre ie r W ild b
ahn, als einzige a u f In se ln des Indischen Ozeans noch wild vorkommende A r t d e r Riesenschildkröten,
die ja noch in historische r Zeit ü b e r 30 E ilan d e dieses Gebietes bevölkert
haben. Von sonstigen A ld ab ra -K rie ch tie ren k en n t man den eigentümlichen Hemidactylus
gardineri (auch a u f Cosmoledo und F a rq u h a r), die beiden endemischen Subspezies Phelsuma
madagascariensis abbotti und Ablepharus boutonii aldabrae sowie Zonosaurus madagascariensis
5 - fa st alles F ormen, die a u f eine frü h e re Ve rb in d u n g m it Madagaska r h in deuten.
Ganz ähnlich — n u r noch ä rm e r ijjg l is t die E ide chsenfauna au f Assumption,
Astove u n d Cosmoledo (Menai). Von den F a rq u h a r-In se ln is t a u ß e r dem bereits e rw äh n ten
Hemidactylus gardineri allem Anschein nach n u r die madagassische Phelsuma lati-
cauda bekannt. Bei den wenigen R e p tilien d e r Am iran ten (Hemidactylus frenatus,
H. bröokii, Phelsuma madagascariensis, Mabuya sechellensis) d ü rfte es sich um junge
Im m ig ran ten handeln; im m e rh in is t beachtenswert, daß die Amiran ten -Orn is einige —
wenn auch sehr wenige — Endemismen aufweist.
D e r a ltk o n tin en ta le F a u n e n e h a ra k te r dieses Inselgebietes kommt wieder besonders
e indrucksvoll a u f den S e y c h e l l e n zu r Geltung. Diese Inseln sind zunächst d u rch drei
R iesenschildkrötenformen (Testudo gigantea, gouffei, sumeirei) bemerkenswert, die ab e r
immer fü r je ein E ila n d endemisch sind; im wilden Zustande g ib t es sie a lle rd in g s auch
a u f den Seychellen n ic h t mehr, wäh ren d sie noch bis 1800 d o rt in gewaltigen Be ständen
gelebt haben. Dan n d urch ü b e rau s zahlreiche Endemismen u n te r den Eidechsen, zu denen
Diplodactylus inexpectatus (mit einem g u t ausgebildeten H a fto rg a n am Schwanzende,
wie ich feststellen konnte), Ailuronyx seychellensis, Scelotes braueri, S. gardineri, Mabuya
sechellensis, M. wrightii, Chamaeleo tigris gehören; auch die beiden Seychellen-Schlangen
sind indigen: Boaedon geometricus u n d Lycognathophis seychellensis; letztere ste llt sogar
einen generischen Endemismus d a r. Vielleicht noch s tä rk e r als u n te r den K rie ch tie ren
t r it t das endemische E lement u n te r den L u rch en a u f (vgl. B o u l e n g e r 1909, 1911): au ß e r
d e r ä thiopischen Rana mascareniensis g ib t es nämlich d o rt la u te r indigene A rten und
G attungen: dazu gehören die a lte rtüm lich e n P e lobatiden Sooglossus und Nesomantis, vor
allem ab e r die Blind wühlen; denn es leben d o rt au ß e r je ein e r Dermophis- und Hypogeo-
phis-A r t noch zwei monotypische Genera (Cryptopsophis, Praslinia), d ie sonst nirg en d s
meh r gefunden werden. Gerade d e r R e ichtum an Blindwühlen sowie die P e lobatiden deuten
d a ra u f hin , daß die F a u n a d e r Seychellen n u r wenig m it d e r madagassischen zu tu n
h a t. Vielmehr d ü rften die Seychellen den Grundstock ih re r H e rp e to fau n a im A ltte r tiä r
zwar auch vom äthiopischen K o n tin en t e rh a lten haben, zunächst ab e r ganz u n ab hängig
von M adagaska r; e rst sp ä te r kamen die Seychellen fü r kurz e Zeit in V e rbindung m it
Madagaska r, w o rau f insbesondere das Vorkommen d e r Riesenschildkröten sowie der
E ide chsengattungen Ailuronyx u n d Phelsuma h in weist. Ve rmutlich sind die Süß Wasserschildkröten
der Seychellen (Pelusios subniger, vielleicht auch P. sinuatus) e rs t vom Menschen
h in g eb ra ch t worden; fü r Rana mascareniensis nehme ich das m it Be stim m th e it an.