
Fam. Co x l ie l l ida e Kof.-Campbell (1929).
CoxlieUa (Cyttarocylis) helix (CI. et Lach.) Brandt emend. Kof oid forma minimai.n. (Abb. 81, 82).
E in ig e Eorseber, u n te r ih n en B ü t s c h l i , K. B r a n d t u' a. hegen in bezug a u f die
S elbstän d ig k e it d e r G a ttu n g Cyttarocylis (CoxlieUa) gewisse Zweifel u n d finden, daß
einige A rte n dieser „ganz u n sich e ren “ u n d „provisorischen G a ttu n g “ , d a ru n te r auch C.
helix, d e r F o rm u n d S tru k tu r des Gehäuses, wie auch d e r S tru k tu r ih re s Weich k ö rp e rs
nach, sich e inigen Tintinnopsis-A rte n wie z .B . T. tubulosa L e v a n d e r , T. helix CI. et
L a c h . , T. Davidoffii D a d a y u n d deren V a ria tio n en u. a. n äh e rn . Diese Ä hnlichkeit, die
m it'e in e r bedeutenden Unb e stän d ig k e it d e r F o rm , des Umfangs u n d d e r S tru k tu r e in h e rg
eht, schafft wie bei den e rw äh n ten A rte n Tintinnopsis, so auch bei Cyttarocylis helix
große Schwierigkeiten bei d e r T ren n u n g dieser Form en , insbesondere bei gleichzeitigem
Vorfinden derselben im (marinen) P lan k to n , was d urch mehrfache Hinweise in d e r L ite ra
tu r b e s tä tig t w ird (L. B o s s o l im o , 1922; K. B r a n d t , 1906—07 u. a.).
Nicht se lten w ird in den P lan k to n -P ro b en des offenen Baikalsees, in denen T. Davidoffii
v a r . cylindrica D a d a y vorkommt, eine T intinnoideen-Form beobachtet, die d e r e r w
ähnten A r t seh r n ah e steht, bei einer d e ta illie rte n U n te rsu ch u n g jedoch einige E ig e n heiten
in d e r S tru k tu r des Gehäuses aufweist, welche sie von T. Davidoffii u nterscheiden
u n d sie zu r A r t Coxliella helix C 1. et L a c h , zu z ählen gesta tten , die b ish e r als ausschließlich
m a rin e F o rm galt.
Die H au p tm e rkm a le dieser F o rm im Ba ik a lse e sind folgende:
Hü lse farblos, Wohnfach v o n regelmäßig zy lin d ris ch e r (Abb. 81) F orm, doch kommt
es vor, daß d e r zy lindrische Teil nach d e r Mündung h in sich ganz a llm äh lich unbedeutend
v e rb re ite r t (Abb. 82). Die Mündung is t g la tt, k a n n auch ausgezackt sein. Im h in te ren
V ie rte l is t das Wohnfach leicht ab g e ru n d e t u n d in einen ziemlich dicken, m äß ig langen
F o rts a tz ausgezogen. Der F o rts a tz is t n ic h t se lten nach d e r einen oder an d e ren Seite gebogen
(Abb. 82). Das h in te re E nd e des F o rtsa tz e s is t geschlossen u n d ab g erundet. Die
Gesamtlänge des Gehäuses schwankt zwischen 60 u n d 95 (r. Die Länge des F o rtsa tz e s
e rre ic h t selten der Gesamtlänge des Wohnfachs, g rö ß ten te ils ü b e rste ig t sie n ich t
'U se iner Länge. D e r Durchmesser d e r Mündung is t 24— 33 |i.
Die Wände des Gehäuses sind n ic h t s ta rk in k ru s tie rt, dabei sin d die glänzenden K ö rpe
rch en seh r kle in ; eigentliche, a n die W än d e des Gehäuses angeklebte F rem d k ö rp e r w u rden
g a r n ic h t wahrgenommen. Die seku n d ä re S tru k tu r d e r Wän d e des Gehäuses t r i t t d eu tlich
zum Vorschein, obgleich die Netzbalken, welche die se k u n d ä re n F e ld e r umgeben, n u r
feine L inien sind. Die S ekundärwaben sind von ziemlich regelmäßiger, g rö ß ten te ils fü n feckiger
F o rm u n d fa s t gleicher Größe; sie sind v e rh ä ltn ism äß ig g rö ß e r, als dies typischen
C. helix eigen ist, und in dieser H in sic h t n ä h e rn sich die B a ik a lfo rm en meh r C. helix CI.
et L a c h . v a r. a B r a n d t .
Die feinen, regelmäßig sechseckigen P rim ä rw a b e n sin d a u f den Gehäusen der n ich t
fixie rten, lebenden In fu so rien deutlich b emerkbar, die feinen L inien d e r W aben jedoch
sin d bei d urch F o rm a lin oder Alkohol fixie rten In d iv id u e n bedeutend schwerer, zuweilen
soga r ü b e rh au p t n ich t zu e rkennen. Die S p ira lle is te des Gehäuses, die gleich der S tru k tu
r d e r W än d e als ch a rak te ristisch e s Me rkmal d e r Ga ttu n g Cyttarocylis ersche int, is t bei
den B a ik a lin d iv id u en in verschiedenem Maße entwickelt. In den F ä llen , wo die S p ira lle
iste am s tä rk s te n ist, b eg in n t sie im u n te ren D ritte l des Wohnfachs; ih re e rsten W in d
ungen lau fen schwach g eneigt u n d sind weiter auseinandergeschoben; in dem Maße, wie
sie sieh dem V o rd e rran d e n äh e rn , werden sie immer weniger ste il u n d b en achba rt, a n der
Mündung lau fen sie schon p a ra lle l zu e in an d e r u n d zum V o rd e rran d e des Gehäuses. Die
max ima le Anzahl der Windungen, die w ir a n tra fe n , b e tru g 10; die min im a le 3. I n diesem
le tz te ren F a ll n ahmen die P a ra lle lrin g e n u r das v o rd e re V ie rte l des G ehäuses des In fu so rs
| i n , und die L inien d e r Ringe w a ren schwach au sg ed rü c k t (Abb. 82); dabei sind sie a n der
in n e ren Wan d des Gehäuses v ie l d eu tlich e r zu sehn als a u f d e r äu ß e ren . Somit erscheinen
im B a ika lsee alle Übergänge von C. helix v a r. « B r a n d t , welche sich von d e r G rundform
d u rch schwache E n tw ick lu n g d e r S p ira lle is te u n terscheidet.
In d e r S tru k tu r des W eichkörpers d e r G. helix des Baikalsees k o n n ten w ir d u rch au
s keine Abweichungen von Tintinnopsis Davidoffii feststellen (siehe S. 126): die Z ahl der
P ek tin e llen ist 24, die kegelförmigen Deckplättchen, die nach au ß en von den P ektinellen
län g s des Randes des P eristomalfe lde s an g eo rd n e t sind, hab en einen v e rschm ä le rten p ro xim
a len u n d v e rb re ite rte n d ista len Teil. E in e p u lsierende Vakuole lieg t im m ittle re n K ö rp
e rte il; zwei ovale Makronuklei, einer in d e r h in te re n K ö rp e rh ä lfte , d e r an d e re am v o rd
eren Körperende. Somit lassen sich die Un terschiede zwischen beiden A rte n im wesentlichen
a u f folgende zwei Me rkmale zu rü ck fü h ren : a u f die S tru k tu r d e r W ände des Gehäuses
u n d a u f die S p ira lle is te a u f dem Gehäuse; n a ch h e r folgen d an n die unbedeutenden
Verschiedenheiten d e r Ausmaße u n d der Form.
Von den marinen C. helix unte rsch e id en sieh die B a ik a lfo rm en n u r d u rch ih re n
g e rin g e re n Umfang. Die G röße d e r m a rin e n Fo rm en von C. helix ist jedoch seh r va riab e l,
ih re Schwankungen werden n ich t n u r in verschiedenen Meeren beobachtet — die Länge
d e r Gehäuse im Golf von Neapel i s t 135 ¡i (E. D a d a y , 1886—87), in d ef-'Ostsee
• f - Tintinn°Psis fto u ta r iM ä ä lQ (1 (K. M ö b i u s , 1 8 8 8 sondern auch a n ein u n d d e rselben
Stelle wahrgenommen: z. B. in d e r K ie le r F ö h rd e von 120—400 [j. (K. B r a n d t ,
1906—07), im Schwarzen Meere von 148—475 ;a (L. R o s s o l im o , 1922).
Somit b e tra ch ten w ir die oben besprochene F o rm au s dem Ba ika lsee a ls Coxliella
(Cyttarocylis) helix CI. et L a c h . , die jedoch im Vergleich zu ih re n m a rin en V e rwandten
se h r a n Größe abgenommen h a t; dabei n ä h e r t sich C. helix des Baikalsees meh r d e r C.
helix v a r. a B r a n d t , a ls d e r typisch en Form.
In bezug a u f C. helix v a r. a weist K. B r a n d t , d e r diese V a r ie tä t au s d e r K ie le r
F ö h rd e u n d dem Bottnischen Meerhusen beschrieben h a t, einerseits a u f ih ren Übergangsc
h a ra k te r zwischen C. helix CI. e t L a c h , und T. Davidoffi D a d a y hin ; dies w ird auch
v on an d e ren Verfa sse rn , z. B. R o s s o l im o b e s tä tig t, d e r a u f die p rak tisch e Unmöglichk
e it hinweist, C. helix v a r. a von T. Davidoffii im Schwarzen Meere zu unterscheiden.
Diese systematischen A u sfü h ru n g en abschließend wollen w ir noch a u f den Umstand
hinweisen, daß E. D a d a y (1892) in se iner seh r k u rzg e faß ten u n d keineswegs erschöpfenden
Be schreibung von Tintinnopsis fusiformis au s den Wasserbecken U n g a rn s b ehauptet,
daß einige E x em p la re dieser A r t an dem Vorderende des Gehäuses l l § 2 R inge a u f weisen
Im v o raufgehenden jedoch, bei der Be schreibung T.Davidoffii des Baikalsees, ste llten wir,
wie auch D a d a y , fest, daß die A r t T. fusiformis wahrsche inlich T. Davidoffii n ahesteht.
S omit behielten die a n Größe red u z ie rte n C. helix im Ba ika lsee dieselbe V a r ia b ilitä t
u n d A n n äh e ru n g a n T. Davidoffii, die diese F o rm in den Meeren au fw e ist u n d d e ren twegen
die Selbstän d ig k e it dieser A r t in F ra g e g e ste llt wird.
U n te r den Cyttarocylis sind A rten aufzuweisen, die im P la n k to n d e r Hoehsee wie
auch im P la n k to n der Küsteu reg io n v o rgefunden werden. C. helix is t eine a n den eu ro p ä ischen
K ü sten weit v e rb re ite te A rt, die ab e r a u f hoher See v e rm iß t wird. Im Baikalsee
Zoologica. Heft S3.