
W a s die E rn ä h ru n g von L. viridis an lan g t, so en th ä lt dieses In fn so r, wie bereits
bemerkt, in seinem P la sm a zahlreiche Zoochlorellen, wobei u n te r g rü n e n zuweilen einige
g eb räu n te a u ftre ten . Bei d e r überwiegenden Mehrzahl d e r E x em p la re is t es n ich t gelungen,
im P la sm a irgendwelche anderen Einschlüsse wahrzunehmen, die a u f N ah ru n g sau
fn ahm e zu rü ck g e fü h rt werden könnten; n u r bei wenigen E x em p la ren des W in te rp la n k tons
wurden solche Einschlüsse festgestellt. E s w a ren dies b rau n e , komp ak te Klumpen
von u n reg e lm äß ig e r F orm. Da im W in te rp lan k to n des Baikalsees eine Chrysomonade
(Epichrysis melosirae) sehr re ich v e rtre te n wa r, die sich ih rem Umfang, ih re r F ä rb u n g
u n d F o rm nach dem In h a lt d e r N ah ru n g sv ak u o len n äh e rte , so is t es le ich t möglich, daß
L. viridis g e rad e diese Alge v e rz e h rt h a t. Nebenbei sei erw äh n t, daß diese Alge vielen In fusorien
des W in te rp lan k to n s als N a h ru n g dient, desgleichen auch dem Nau p liu s von Epi-
schura. E s is t jedoch n ic h t ausgeschlossen, daß diese b räu n lich en Klum p en ahsterbende
Zoochlorellen d a rstellen, die sich zu Klum p en zusammengeballt haben, um so meh r als w ir
ih re Anwesenheit n u r hei seh r wenigen In d iv id u e n von L. viridis feststellen ko n n ten und
w ir den Proz eß des Verschlingens von Chrysomonaden selbst n ic h t beobachtet haben. Bei
In fu so rien des F rü h lin g s - u n d Sommerplanktons k o n n ten w ir in ih rem s ta rk m it Zoochlorellen
au sg e fü llten P ro to p la sm a die Anwesenheit von N ah ru n g sp a rtik e lch en n ich t
bemerken, obgleich eine sehr b e trä ch tlich e Anzahl von E x em p la ren u n te rsu c h t wurde.
A u f Grund d e r L ite ra tu ra n g a b e n is t festg e ste llt worden, d aß die symhiontentragenden
Protozoen in einem in bezug a u f Nahrung sq u e llen — geformte N a h ru n g wie auch gelöste
organische V erbindungen — seh r schlecht bestellten Milieu ex istie ren u n d sich fo rtp flan zen
können, u n d in einzelnen F ä lle n eine von au ß en zu g e fü h rte N a h ru n g vollkommen
entbehren können (von Ciliaten: Paramaecium bursaria, Mesodinium rubrum [P. B ü c h n
e r , 1921]). E s is t sehr wahrsche inlich, d a ß Liliimorpha viridis, wie au ch die oben (S. 58)
erw äh n te Amphileptus trachelioides Z a c h , sich vollkommen a u f Kosten a u to tro p h e r Org
anismen e rn ä h re n können, die m it ih n e n d urch in tra z e llu lä re Symbiose v e rb u n d en sind,
d a die Menge d e r im Wasser des B a ik a lp e la g ia ls aufgelösten organischen Substanz en so
g e rin g ist, d aß sie n ic h t als wesentliche Nahrungsquelle b e tra c h te t werden kan n .
F e rn e r sei noch a u f folgenden noch n ic h t g ek lä rten Umstan d verwiesen: die Chlorellen
und von ihnen die In fu so rien selbst w a ren im W in te rp lan k to n (9. I I I .— 22. I I I . 1928)
gewöhnlich g rell-chlorophyllgrün g e fä rb t, d u rch au s n ich t weniger in ten siv als die E xemp
la re des F rü h ja h rp la n k to n s . Die E isdicke b e tru g jedoch im offenen Ba ika lsee 92 cm u n d
stieg allmäh lich in d e r R ich tu n g der K ü s te bis 1,32 m üb e r ein e r Tiefe von 15 m an,
wobei das E is a u f dem See se it Mitte J a n u a r stand. Somit verblieben Liliimorpha viridis
un d seine Zoochlorellen im L au fe v ie le r a u fe in an d e r folgender Generationen bei ein e r so
k a rg e n Beleuchtung, daß m an p ra k tisc h in bezug a u f die Photosynthese annehmen kan n ,
daß sie sich u n g e fä h r 2 Monate lan g im Dunklen aufhie lten . Die E x em p la re von L. viridis,
die im F rü h lin g sp lan k to n des Baikalsees aus ein e r Tie fe von 130—100 m gehoben
wurden, wiesen gleichfalls g re ll g e fä rb te Zoochlorellen auf.
Diese Beobachtungen widersprechen den in d e r L ite r a tu r verzeichneten Angaben von
L e D a n t e c und F a m i n t z i n f ür Stentor polymorphus und Paramaecium bursaria,
fe rn e r den Angaben von G r a f f fü r Vorticella viridis und von G r u b e r f ür Amoeba
viridis. Alle e rw äh n ten A rten v e rlo ren b e i lan g an d au e rn d em Verbleiben im Dunklen vollkommen
ih re Zoochlorellen, wobei sie keinen wah rn ehm b a ren Schaden von d e r V e rn ich tu
n g dieser Symbiose v e rsp ü rten .
Liliimorpha viridis is t ein ausschließlich pelagisches In fu so r. Sie w urde in seh r beträ
c h tlic h e r Anzahl im W in te rp lan k to n des Baika lsees gegenüber M a ritu j u n te r dem E is
gefunden, u n d zwar in allen P ro b en au s dem P e lag ia l, die w ir im Z e itraum vom 9. I I I .
bis 28. I I I . 1928 gehoben h a tten . Im F rü h lin g sp la n k to n derselben Ba ika lgegend w urde
L. viridis gleichfalls in b e trä ch tlich e r A nzahl gefunden. In d e r nachfolgenden Sommerperiode
1928 w urde sie im P la n k to n des Baikalsees n ic h t angetroffen. Allem Anschein
n a ch is t dieses In fu so r an das W in te r- u n d F rü h lin g sp lan k to n des B a ik a lp e lag ia ls gebunden
u n d e rsche int in bezug a u f T em p e ra tu r als stenothe rme Kaltwasserform.
Die Grenze d e r physiko-chemischen H a u p tfa k to re n , bei denen Liliimorpha viridis
im B a ika lsee vorkommt, sind:
T em p e ra tu r Pu 0 2 mg/1 C 0 2 mg/1 C02 bicarb. mg/1 CaO mg/1 MgO mg/1
Oxydierbark.
0 2 mg/1
0,0—3,75 7,2—7,6 11*38—14,25 0,99—4,22 41,2—57,7 20,8—26,8 2,1—6,3 0,26—2,78
Fam. T int innididae Kofoid-Campbe l l (1929).
Tintinnidium fluviatile St. forma cylindrica f. nov. (Abb. 64) u n d f. typica f. nov. (Abb. 63).
Tintinnidium fluviatile S t . w ird im B a ika lsee in zwei se h r g u t gesonderten Rassen
angetroffen, die sich ih ren ä u ß e ren Merkmalen, wie auch ih re r Ökologie na ch von einan
d e r unterscheiden.
E in e dieser Rassen, die w ir als T. fluviatile fo rma cylindrica (Abb. 64) bezeichnen,
ersch e in t k le in e r: die Länge ih re r Ga lle rth ü lse ü b e rste ig t n ie 100—125 ¡x, d e r Mündungsdurchmesser
30—32 {x. Das Gehäuse h a t eine vollkommen regelmäßige zylind risch e F o rm
m it abgestutztem Vorder- u n d H in te ren d e . E s is t von ä u ß e rs t z a r te r Beschaffenheit,
völlig farb lo s u n d d urchsichtig.
A u f d e r Oberfläche d e r G allerthülse sind ziemlich zahlreiche, feine, s ta rk lich tbrechende
Körn ch en von u n reg e lm äß ig e r F o rm an g eb ra ch t, ü b e r deren N a tu r B r a n d t
und E n t z die Meinung aussprechen, daß sie g a r keine fremden, sonde rn zum g rößten
Teil vom T ie re selbst p ro d u z ie rte K ö rp e rc h en darste llen . Außerdem sin d an der G a lle rthülse
ste ts viele Schalen p lan k tisch e r Diatomeen befestigt, v o r allem Synedra u n d seltener
Melosira; diese Diatomeen sind am Gehäuse gewöhnlich n u r m it einem E nd e befestigt,
erscheinen gleichwie in das Gehäuse hineingeste ckt, die Schalen d e r Algen selbst ab e r
ragen, verschiedene Winkel bildend, f re i in F o rm von Anhängen herv o r. E s is t von Bedeutung,
d aß diese A nhänge von Synedra u n d Melosira a u f den Gehäusen von T. fluviatile
vorwiegend a n lebenden In d iv id u e n beobachtet werden; die den fixie rten P ro b e n e n tnommenen
T. fluviatile entb eh ren derselben gewöhnlich. Es is t anzunehmen, daß diese
Algen, die n u r m it einem E nd e am Gehäuse befestigt sind, wäh ren d der F ix a tio n und
nachfolgendem T ra n sp o rt, Übersendung usw. d e r P lan k to n fu n d e abfallen. E in Teil dieser
Algen k a n n am Gehäuse von au ß en befestigt sein, auß e rd em muß ab e r noch a u f folgende
in te re ssan te E rs ch e in u n g hingewiesen werden: T. fluviatile f. cylindrica tre ib t m it Hilfe
se iner sta rk en Membranellen, zusammen m it an d e ren im Wasser susp en d ie rten P a r tik e lchen,
in das In n e re seines K ö rp e rs auch die Alge Synedra u n d Melosira hinein. Dabei
stehen me ist die Algen so zu r Mundöffnung, daß sie n ic h t h in e in gelangen können und
d u rch die Bewegung d e r W im p e rn weggeschleudert werden. Zuweilen ab e r sind eine oder
m eh re re Algen m it ih rem spitzen E nd e na ch dem Munde g e rich te t u n d werden d an n vom