
Teil des Baikalsees ebenfalls mehrmals d a ra u f hin , daß z. B. die Menge d e r B ikarbonate,
CaO und MgO bis zu den tie fsten Schichten (1000 m) b e inahe u n v e rä n d e rt bleibt, im V e rgleich
m it der Oberfläche, wobei sie sich auch im L au fe d e r Zeit seh r wenig v e rän d e rt.
In bezug a u f einen fü r die Ökologie d e r P ro tis te n so wichtigen F a k to r, wie die W a sserstoffionenkonzentration,
gegen deren V e rän d e ru n g en viele P ro tis te n seh r empfindlich
sind, stehen die In fu so rien des Baika lsees u n te r viel k o n stan te ren Bedingungen a ls die
Uferbionten. Nach den Angaben von S. J . K u s n e t z o w fü r den n ördlichen Teil des B a ikalsees
(1930) is t die R e aktion des b aikalischen Wassers ste ts ein wenig a lk a lisc h e r als
die n eu tra le R e aktion; von einer Tiefe von 25 m a n is t das P h ziemlich stä n d ig gleich 7,6
bis 7,5. In bezug a u f den südlichen Teil des Sees weist G. J . W e r e s t s c h a g i n d a ra u f
hin, d aß im J a h r e 1926 fo rtw äh ren d , vom 1. VI. bis zum 22. IX ., eine schwach alkalische
Re aktion in allen Wasserschichten (Tiefen bis 1150 m) beobachtet wurde, welche sich im
allgemeinen während d e r ganzen Zeit wenig v e rän d e rte . N u r wäh ren d d e r P e rio d en der
inten siv en E ntw ick lu n g des P h y to p lan k to n s, das im Proz eß d e r Photosynthese die CO2 der
B ik a rb o n a te a u f nimmt, e rfa h re n die oberen Wasserschichten eine merkliche Verschiebung
d e r R e aktion n a ch d e r a lkalischen Seite (bis Ph 8,1—8,3, n a ch K u s n e t z o w , fü r
das J a h r 1926). Die Amplitude der Schwankungen des P h im offenen See s te h t a b e r auch
in diesen zwei F ä lle n der Amp litu d e nach, die als gewöhnliche täg lich e E rs ch e in u n g in
de r von Algen bewachsenen Uferzone beobachtet wird (siehe z. B. S. 262).
F ü r den re la tiv besonders s ta rk schwankenden F a k to r muß vie lle ich t im pelagischen
Gebiete die T e m p e r a t u r e rk lä r t werden. Dieser F a k to r weist ab e r im Vergleich m it der
Uferzone ebenfalls n u r unbedeutende Schwankungen auf. Nach den Angaben von W o s -
k r e s s e n s k y , W e r e s t s c h a g i n , J a s n i z k y u . a. sind die täg lich en T em p e ra tu rschw an k
u ngen im Pelag ia lg eb ie t wäh ren d des g rö ß ten Teils des J a h re s , selbst an d e r Oberfläche
seh r unbedeutend, u n d n u r im L au fe d e r IV2— 2 Sommermonate k a n n diese Amplitude
bedeutend zunehmen. Die Schicht, welche den täglichen Schwankungen ausgesetzt ist, e rstre
c k t sich von der Oberfläche n u r bis a u f eine Tiefe von 15 m u n d weniger (Konvektionsschicht),
die tie fe r liegenden Schichten beteiligen sich in d e r Regel n ich t an den täglichen
Schwankungen. Die u n te re Grenze der jäh rlic h en T em p e ra tu r Schwankungen lieg t in einer
Tiefe von etwa 200 m. Schon in 50 m Tie fe können die Jahre sschw an k u n g en , na ch den Beobachtungen
der B a ika lischen S ta tio n der Akademie d e r Wissenschaften fü r das J a h r 1925,
n ich t über 0,5° jäh rlic h hinausgehen. Die tiefen Schichten, welche sich ü b e r die ganze
Wassermasse u n te r 200 m erstrecken, beteiligen sich n ich t am Ja h re s zy k lu s der Tempera
tu rv e rä n d e ru n g e n .
E in e wesentliche Be sonderheit in d e r Ökologie d e r pelagischen In fu so rien vom S tan d p
u n k t d e r K onstanz d e r Bedingungen in d e r V e rtik a le is t das F eh len (in d e r Regel) einer
S p ru n g sch ich t im Pelag ia lg eb ie t des Baikalsees. Wen n w ir von d e r Konstanz d e r Lebensbedingungen
d e r pelagischen In fu so rien reden, müssen w ir diese E rs ch e in u n g in bezug au f
das pelagische Gebiet im Ganzen b e tra ch ten , keinesfalls ab e r in bezug a u f die einzelnen
P u n k te diese Gebietes, in denen, u n te r d e r W irk u n g lokaler Ursachen, vorübergehend oder
soga r dau e rn d , Schwankungen d e r hydrologischen Bedingungen sta ttfin d en können.
W äh ren d d e r Sommermonate kommt in der In fusoriengeme inschaft, die im P e la g ia lgebiet
bei nied rig en T em p e ra tu ren lebt, keine einzige F o rm vor, die auch in d e r Uferzone
des Sees vorgekommen wäre, wenn diese Zone, wie es gewöhnlich d e r F a ll ist, a n Unterseepflanzen
reich ist, die, dan k der Photosynthese, beträ ch tlich e täg lich e Schwankungen einer
Reihe von physikalisch-chemischen F ak to ren bedingen (O2, CO2, P h , B ik a rb o n a te u s w . ) , z u
denen sich während d e r E rw ä rm u n g sp e rio d en d e r Ufergewässer auch bedeutende tägliche
T emperatu rschwan k u n g en gesellen.
E in e Reihe von T atsachen u n d Beobachtungen a n den In fu so rien des Baikalsees lä ß t
vermu ten , daß g e rad e diese Be sonderheit des pelagischen Gebietes H d e r sta tisch e Chara
k te r seines hydrologischen Regimes — den wesentlichsten Umstand d a rs te llt fü r die V e rschiedenheit
d e r In fu so rien Verteilung zwischen dem pelagischen und dem Ufergebiete, die
im Ba ika lsee so sc h a rf ausgesprochen ist.
Diese sc h a rf ausgesprochene V e rte ilu n g d e r In fu so rien in d e r H orizontalen is t freilich
eine komplizierte E rsch e in u n g , die, abgesehen von d e r Konstanz d e r Pelagialbedingungen,
noch d u rch viele Ursachen bedingt wird, die fü r verschiedene In fu so rie n a rte n u n d fü r
verschiedene Becken wechseln.
Von diesen U rsachen is t die „Stenökie“ vie le r In fu so rien des pelagischen Komplexes
in bezug a u f solche wichtigen F a k to re n wie T em p e ra tu r, P h u . a. besonders deutlich au sgesprochen:
die stenöken Fo rm en müssen in d e r Ufergemeinschaft v o r allem deshalb feh len,
weil die Grenzen, die von den verschiedenen F ak to ren in der Uferzone e rre ic h t werden
können, ü b e r die Grenzen hinausgehen, die ü b e rh a u p t von diesen Fo rm en e rtra g e n werden.
W ir brau ch en a u f diesen von selbst v e rstän d lich en Umstand n ich t n äh e r einzugehen, und
w ir wollen n u r ein Beispiel a n fü h re n : im Tagebuch d e r E x p ed itio n vom 24.—25. V II. 26
sind die T empe ra tu rschw an k u n g en im L au fe von 24 Stunden an d e r Wassergrenze im Ma-
r itu j von 9,90 bis 15,50° angegeben, d. h. sie gehen üb e r die T em p e ra tu rg ren z en hinaus,
bei welchen die H au p tfo rm en des pelagischen Komplexes der In fu so rien (von 0° bis
^ leben. D e r P n -W e rt schwankte von 7,1 bis 9,3 im L au fe derselben 24 Stunden,
d. h. die obere Grenze d e r Schwankungen g in g ü b e r die Grenzen dieses F a k to rs fü r den
pelagischen Komplex (PH — 7,6) h in au s. Im offenen Ba ika lsee w a r die T em p e ra tu r der
Oberfläche am selben Tage wäh ren d d e r T agesstunden 10,40°, ab e r schon a u f ein e r Tiefe
von 10 m w a r die T em p e ra tu r 5,69° u n d a u f ein e r Tiefe von 25 m 4,83°. Wenn w ir uns an
die H au p tm e rkm a le d e r Ökologie d e r pelagischen In fu so rien des Baikalsees e rin n e rn , so
is t es ganz n a tü rlic h , daß solche Formen, wie Marituja pelagica, Mucophrya pelagica, Vor-
ticella pelagica u. a., während dieser P e rio d e ausschließlich im pelagischen P la n k to n Vorkommen.
Dieses Beispiel ste llt einen extremen F a ll d a r, insofern als beide Grenzen, zwischen
denen die T em p e ra tu r schwankt, ü b e r die Grenzen hinausgehen, die fü r die p e lag ischen
Fo rm en zugänglich sind.
Viel häufiger beobachten w ir aber, wie es im gegebenen F a lle in bezug a u f das P h festg
e ste llt wird , daß d e r gegebene F a k to r in seinen Schwankungen eine P h a se d u rch läu ft,
welche die E ntw ick lu n g von pelagischen Formen zuläßt. Infolge des a sta tisch en C h a rak te rs
des U ferregimes sind ab e r diese Perio d en gewöhnlich k u rz ; sie d au e rn einige Tage, wäh ren
d d e r Perio d en d e r inten siv en V egetation und E rw ä rm u n g ab e r einige Stu n d en ; dieser
Umstan d schließt die Möglichkeit selbst ein e r v e rh ä ltn ism ä ß ig k u rzd au e rn d en E ntw ick lu
n g d e r pelagischen Fo rm en in d e r Uferzone aus, während im pelagischen Gebiet des
Baikalsees, selbst in den oberflächlichen Schichten, diese Schwankungen sich üb e r viel
län g e r dau e rn d e P e rio d en erstrecken. W ir wollen a n dieser Stelle einige Zusammenstellu
ngen geben, welche den U nterschied in der S chnelligkeit d e r Veränd e ru n g en , z. B.
der T empera tu rb ed in g u n g en im offenen Baikalsee und in d e r Uferzone illu strie ren , folglich
den Unterschied der Lebensbedingungen in dieser Beziehung fü r die U fe rin fu so rien
und die pelagischen Infusorien.