
fü h r t in einen kurzen, le ich t s-förmig gebogenen, bedeutend erweite ru n g sfäh ig en Schlund,
dessen W än d e m it W im p e rn ausgekleidet sind. D e r W im p e rm an te l is t a u f dem K ö rp e r
des In fu so rs s ta rk red u z ie rt; er besteht aus kurzen, n ic h t zahlreichen, län g s v e rlau fen d en
Re ihen d ü n n e r, ziemlich lan g e r, weit v o n einander e n tfe rn te r Borsten, die n u r das v o rdere
D ritte l bedecken. E in o valer K e rn lieg t im m ittle re n Teil des K ö rp e rs, n ä h e r zu r v e n tra len
Seite. E in e p u lsierende Vakuole — in d e r Nähe des Schlundes.
T. semiciliatum is t ebenso wie die ih r n ah e stehende F o rm T. fluviatile S t. äu ß e ren
E rs c h ü tte ru n g e n gegenüber — Stößen, Dru ck en usw. — ä u ß e rs t empfindlich u n d v e rlä ß t
bei g e rin g ste r Ruh e stö ru n g leicht das Gehäuse. Danach schwimmt das T ie r ziemlich lange,
h erum, wobei sein Stiel vollkommen eingezogen erscheint. Ebenso v e rlä ß t das In fu so r sein
Gehäuse beim F ix ie re n m it Alkohol oder F o rm a lin , deswegen k a n n bei D u rch sich t n u r
fix ie rte r P ro b en die u n rich tig e Vo rste llu n g entstehen, d aß a n ein e r bestimmten Stelle im.
P la n k to n n u r leere Gehäuse.vorgefunden wurden.
Wenden w ir u n s n u n d e r Ökologie von T. semiciliatum zu. Dieses In fu so r k a n n
im allgemeinen zu den seltenen A rte n g ezählt werden, da, obschon S t e r k i . e s schon 1878.
beschrieben h a t, u n d das Vorhandense in des Gehäuses seine Anwesenheit auch in fixie rten
P ro b e n festzustellen g e s ta tte t, dennoch Hinweise a u f se in Vorkommen im Gegensatz zu.
T. fluviatile u n d T. lacustre in d e r L ite r a tu r ä u ß e rs t se lten Vorkommen.
V. S t e r k i fan d diese A r t zum e rsten Male in g e rin g e r Anzahl (1878) in einem A q u a rium
m it Algen; fe rn e r w urde sie von G. E n t z j u n . (1909) fü r die Wasserbecken in der
Näh e von B u d a p e st angezeigt, F . S v e c tr a f diese A r t im P la n k to n des Unterpotzer-
n itz e r Teiches in Böhmen (Ende Mai—A n fan g Ju n i), D a l l a T o r r e (1891) in kleinen
Wasserbecken d e r Schweiz u n d von den modernen F o rs ch e rn ste llt A. K a h l (1927) diese
A r t fü r n ic h t große Wasserbecken in d e r Nähe Hamb u rg s fest. Dieses In fu so r wurde, sov
ie l m ir bekannt, weder in den g u t s tu d ie rten Seen der Schweiz u n d Deutschlands (speziell
im Großen P lö n e r See) verzeichnet, noch in den Seen Ruß lan d s, die das ganze J a h r
h in d u rch u n te r Beobachtung stehen u n d wo seine Anwesenheit wohl k aum ü bersehen werden
konnte.
I n einigen Be zirken des Baikalsees jedoch wird T. semiciliatum n ic h t se lten angetroffen
u n d zuweilen in se h r b e trä ch tlich e r Anzahl. Dieses In fu so r e rsche int a ls eine re in
p lan k tisch e F orm, es is t ausschließlich an g u t d u rchw ä rm b a re Regionen m it v e rä n d e rtem
hydrologischem Regime gebunden; im offenen Stam m b a ik a l jedoch m it seinen selbst
im Sommer n ied rig en T em p e ra tu ren kommt es n ic h t vo r; es ble ib t auch in den
Teilen g ro ß e r Ba ien weg, wo dan k b e trä ch tlich e r Tiefen u n d u n g eh in d e rte r K ommunikatio
n m it dem P e la g ia l des offenen Sees die Existenzbedingungen seh r den Bedingungen des
le tz te ren ähnlich sind. So wurde es z. B. im J u n i 1928 in g ro ß e r Anzahl im P la n k to n der
umfangreichen T schiwyrkui-Bai angetroffen. Dabei n u r in ih re n zen tra len und südlichen
Teilen, sowie in den seichten Buchten d e r B a i F e rtik , Onogotschanskaja, K ru ta ja ,
Pokoiniki. Die Tie fen dieser Teile d e r B a i sind ganz unbedeutend, sie ü b e rsteigen nich t
einmal 10—15 m, deswegen w ird h ie r in den Sommermonaten das Wasser seh r b e trä c h tlich
e rw ä rm t (z .B . w u rd en am 1 2 .V I I. 1928 in d e r Bucht K ru ta ja a u f d e r Oberfläche
18,42° verzeichnet). Die O x y d ie rb a rk e it des Wassers ist in diesen Teilen d e r Ba i an und
fü r sich n ic h t groß (bis 2,93 mg'OJl beim K a p Pokoiniki), ü b e rste ig t jedoch fa s t um das
Doppelte die O x y d ie rb a rk e it des Baikelseewassers. Der allgemeine C h a ra k te r des P la n k tons,
besonders im südlichen Teil u n d in den Buchten is t ein See-Teich-Charakter. Im
nördlichen Teil d e r T schiwyrkui-B ai jedoch, die dem offenen B a ik a l u nm itte lb a r an lieg t
und bedeutende Tiefen a u f weist ( > 1 5 0m beim E in g a n g in die Bucht), ih re n T em p e ra tu re
n (4,00° a u f d e r Oberfläche am 11. V II. 1928) u n d an d e ren Bedingungen wie au ch dem
P lan k to n b e stan d n a ch dem offenen See vollkommen gleichsteht, w urde T. semiciliatum
n ic h t angetroffen.
F e rn e r kommt T . semiciliatum in b ed eutender Anzahl in den Sommermonaten in
den Vormündungsgebieten des Flusses Selenga u n d in d e r Region des Selenga-Seicht-
wassers v o r (östliches U fe r des m ittle ren Ba ika l). W ir finden dieses In fu so r im J u n i und
J u li 1928 in d e r g u t d u rchw ä rm b a ren B u c h t P row a l, die unbedeutende Tie fen aufweist
(Oberflächentemperatur am 27. VI. 1928 19,10°, 8 . V II. d. J . 21,3°) u n d deren allgemeine
H ä r te des Wassers im Vergleich zum B a ika lsee g rö ß e r is t (Bicarbon. CO2 45,0, CaO 26,60,
MgO 5,5); das P lan k to n tr ä g t h ie r einen See-Teich-Charakter, is t ä u ß e rs t reich an Aha-
baena flos aquae und A. spiroides, Cyclopiden, Chydoriden, vielen T eich-Rotatorien usw.;
die baik a lisch en Elemente fehlen in ihm jedoch gänzlich. T. semiciliatum wird a n diesem
U fe r bis zu r Bucht Amanda angetroffen, zwischen dem K ap B a k la n ij u n d dem K ap
Schwed, 50 km gen Norden von d e r B u c h t Prow a l, wo die Grundzüge des Selenga-Seicht-
wassers bereits s ta rk abgeschwächt erscheinen, p a ra lle l m it d e r T iefenzunahme auch die
gewöhnlichen b a ikalischen Bedingungen h e rg e ste llt werden, u n d dementsprechend auch
d e r P lan k to n b e stan d einen C h a ra k te r an n immt, d e r dem gewöhnlichen b a ikalischen Char
a k te r n ahesteht.
I n denjenigen Regionen des Baikalsees, wo eine horizontale Abwechslung e rw ä rm te r
F lu ß ström u n g en m it k a lten b aikalischen Wa sse rn vorliegt, oder wo die F lu ßw a sse r sich
von d e r Oberfläche a u f die tie fe r liegenden b aikalischen Wasser a u f schichten, d o rt wird
auch eine entsprechende h o rizontale u n d v e rtik a le V e rte ilu n g von T. semiciliatum beoba
chtet: das In fu so r erweist sich a n die w a rm en S trömungen gebunden u n d feh lt in den
k a lten Ba ika lw assern.
E in e solche V e rte ilu n g von T. semiciliatum wird z. B. in d e r Region des nördlichen
Seichtwassers wahrgenommen. H ie r wechseln, wie die Unte rsu ch u n g en von S. K u s n e t -
z ow und A. T s c h e r b a k o w (1930) gezeigt haben, a u f der Oberfläche in h orizontaler
R ich tu n g die S trömungen d e r sich h ie rh e r e rgießenden Flüsse K itsc h e ra u n d Obere Ang
a r a m it den B a ik a lw a sse rn ab, die dan k des Seichtwassers gewisse Ä n d erungen e rfa h ren .
In den Schichten u n te r 5 m jedoch erweist sich b ereits durchweg gewöhnliches BaikaL-
wasser. Die V e rb re itu n g von T . -semiciliatum fä llt, wie w ir u n s davon an dem von der
E x p ed itio n im J u l i 1928 au sg e fü h rten Q u erschnitt d urch diese Gegend von d e r Siedlung
Guba b is zum K a pB iro k a n überzeugen konnten, m it d e r V e rb re itu n g des F lußwassers in
dieser Region zusammen; diese Gewässer u n terscheiden sich von dem Ba ik a lw a sse r d urch
höhere T em p e ra tu r, höheren Eisen- u n d S ilik a tg eh a lt, g e rin g e re H ä r te u n d g rö ß e re n Geh
a lt a n suspendierten u n d aufgelösten Organischen Stoffen. Um dies zu veranschaulichen,
b rin g en w ir in d e r nachstehenden Tabelle X IX die hydro-chemischen Angaben und die
V e rte ilu n g von T. semiciliatum a u f ein e r der Statio n en des e rw äh n ten Schnittes. Aus der
vergleichenden B e tra ch tu n g d e r horizontalen u n d f ra k tio n ie rte n v e rtik a le n F än g e folgt,
daß dieses In fu so r sich in d e r Oberflächenschicht des K itschera-Wassers bis 5 m Tiefe aufi-
h ä lt und in die tie fe r gelegenen Schichten des Ba ik a lw a sse rs n ic h t h inabsinkt.
E in gleiches Bild d e r V e rte ilu n g von T. semiciliatum finden w ir ain 13. V II. 1928
auch a n ein e r an d e ren Stelle des Baikalsees, u n d zwar gegenüber dem F lusse Tscherem-
schanka, d e r vom östlichen Ufe r, 12— 15 km gen Norden von d e r T schiwyrkui-B ai mü n