
Sphaerodactylus anthracinus a u f den B a h am a s— eine Länge von 40—41 mm fü r Ko p f und
R um p f alle in erre ichen, auch ganz winzige Form en , die zu den kleinsten Eidechsen ü b e rh
a u p t gehören: die Gesamtlänge des a u f K uba, H a iti u n d I s la n d of P in e s lebenden Sphaerodactylus
elegans b e trä g t n ic h t m eh r als 34 mm, wovon je 17 mm a u f Ko p f u n d Rumpf
bzw. Schwanz kommen. In su la re Zwerg- und Riesenrassen sin d fe rn e r bei der nordwestamerikanischen
Ig u an id en -G a ttu n g Sauromalus, bei den Kanaren -Ech sen d e r Gallotia-
Gruppe, bei verschiedenen in su la ren Mauereidechsen, bei manchen Seinciden usw. beoba
ch te t worden. Besonders m a rk a n t is t die b ip o la r g e rich te te V a riationstendenz hei der
schon erwäh n ten Lacerta filfolensis: die eigentliche Lacerta filfolensis maltensis von der
H au p tin se l Ma lta wird na ch E i m e r (1881, S. 183) 145 mm (<*’) bzw. 135 mm (S o la n g ;
w äh ren d n u n die P o p u la tio n a u f der kleinen Filfo la -In se l (Lacerta filfolensis filfolensis)
eine Riesenform re p rä s e n tie rt, indem sie na ch dem gleichen A u to r 222 mm fcf) bzw.
150 mm (S) lan g wird, is t die a u f d e r St. P au l-In s e l lebende Ra sse (Lacerta filfolensis kie-
selbachi) n ich t g rö ß e r als maltensis; ja nach F e j ö r v ä r y (1924, S. 9), d e r leid e r keine
Maßangaben macht, scheint sie soga r eher k le in e r zu sein a ls die Ma lta form. Ähnliches
is t au ch von Lacerta sicula (= serpa) bekannt. Zwar is t die von K a m m e r e r (1926, S. 92)
a ls Zwergform an g e fü h rte Lacerta serpa von S a n t’A n d re a in W a h rh e it g a r keine Zwergrasse
; denn es h an d e lt sieh ja h ie r um eine Rasse einer ganz an d e ren A rt, nämlich von Lacerta
melisellensis, fü r die eine maximale Gesamtlänge von 176 mm (<f) d e r S an t'A n d reu
Echse au s d e r normalen V a ria tio n sb re ite n ich t h e rau sfä llt. Wohl is t ab e r Lacerta sicula
cazzae, die a u f d e r dalma tin isch en In se l Potkopiste lebt, eine seh r bezeichnende in su la re
Zwergrasse; denn die Maxima llänge von n u r 170 mm (<?) b le ib t fa s t um 100 mm h in te r
dem Maxima lmaß k o n tin en ta le r In d iv id u e n dieses F ormenkreises zurück. Die gleiche
Eidechse is t dagegen a u f d e r In se l B ije la c g rö ß e r; K ä m m e r e r bezeichnet die Bijeläc-
P o p u la tio n als eine Riesenform, obwohl die g rö ß ten In d iv id u e n 220 mm n ic h t ü b e rschreiten:
ab e r die mächtige B re ite des Halses und des Rückens r u f t den E in d ru ck gewaltig
e r T ie re h e rv o r. Beme rkenswert ist, daß g erade diese Riesenform a u f d e r kleinsten
und pflanzenärmsten K lip p e d e r von Lacerta sicula cazzae besiedelten In se lg ru p p e lebt,
ä h n lich wie Lacerta melisellensis gaZvagnii a u f Kamik, ebenfalls eine Riesenform u n te r
den 4 schwarzen In se lra ss en des Lacerta melisellensis-F o rm e n k re is e s ,« - We ite re Beispiele
f ü r die ausgesprochen b ip o la r gerich te te Varia tio n sten d en z d e r Größe inselbewohnender
R e p tilien sollen e rst bei der Unte rsu ch u n g d e r in su la ren V a ria tio n srich tu n g en (S. 116)
besprochen werden.
2. Habitus.
Wie die Gesamtgröße is t auch die K ö r p e r f o r m oder der H ab itu s d e r Inselrep ti-
lien als Un tersche idungsmerkma l der einzelnen Fo rm en in n e rh a lb ein e r Ga ttu n g oder einer
A r t o ft von g ro ß e r Bedeutung. Ganz äh n lich wie die Körperdimensionen is t nämlich auch
d e r H ab itu s bei n ah e v e rw an d ten In se lk rie ch tie re n mancherlei Schwankungen u n te rw o rfen,
die zwar in ein e r Differentialdiagnose oder g a r ein e r Be stimmungstabelle oft n u r
seh r schwer anzugeben sind, als Rassen- oder A rtenm e rkm a le ab e r dennoch eine wichtige
Rolle spielen. So u nterscheiden sieh z. B. die vielen Rassen d e r Galapagos-Schildkröten
d e r G a ttu n g Testudo in a lle re rs te r Linie durch ih ren Hab itu s, n amentlich d u rch die Fo rm
des Rückenpanzers. Die noch z ahlreicheren In se lra ss en der kleinen Eidechse Ablepharus
boutonii weisen ebenfalls re ch t m a rk a n te Unterschiede im H ab itu s au f, die z. B. in der
verschiedenen Länge der H in te re x trem itä te n und des Schwanzes, in d e r F o rm des R um p fes
u n d des Kopfes usw. zum A usdruck kommen. Wenn w ir lediglich die Kopfform
b e trachten, so können w ir bei Ablepharus boutonii spitz- u n d stumpfschnäuzige, flach- und
hoehköpfige In se lra ssen re ch t deutlich unterscheiden. Insbesondere beim Vergleich eines
g roßen Ma te ria ls e rg ib t sich, d aß die In selformen a n den Grenzen des seh r ausgedehnten
Areals dieser Eidechsen (vgl. Me r t e n s , . 1931) im allgemeinen eine bedeutendere K o p fhöhe
a u f weisen als im Verbre itu n g sz en trum . Das g ilt besonders fü r Ablepharus boutonii
nlgropunctatus im Norden (Bonin-Inseln), poecilopleurus im Osten (Polynesien) und
fü r ater, caudatus u n d bitaeniatusdm Westen (Groß-Comoro, J u a n d eN o v a , In se l E u ro p a );
auch d e r in O s ta frik a re c h t weit v e rb re ite te Ablepharus boutonii africanus is t a ls hochköpfig
zu bezeichnen, während die in d o au stra lisch en Rassen fa st durchweg flachköpfig gen
a n n t werden müssen.
Z eigt sich n u n im H ab itu s d e r In se lrep tilie n , tro tz dieser offenbar re ch t hohen V e rä
n d e rlich k e it, doch irg en d eine besondere Neigung z u r Ausbildung ein e r bestimmten F o rm
oder nicht? Bei d e r U n te rsu ch u n g der K ö rp e rg rö ß e fiel uns au f, daß seh r viele Re likten-
formen u n te r den In se lk rie ch tie re n besonders sta ttlich e Dimensionen aufweisen. Nu n h a t
ab e r auch ih r H ab itu s zumeist in ein e r re c h t au genfälligen Weise eine seh r g e d r u n g
e n e , p l u m p e F o r m bekommen: man denke z. B. n u r an den Drusenkopf (Conolophus
subcristatus) d e r Galapagos oder a n den kapve rd isch en Riesenskink (Macroscincus cociei).
Die gleichen schwerfälligen T ie rg e sta lten sind uns a b e r au ch aus ein e r ganz an d e ren T ie rg
ru p p e bekannt: a u s d e r Vogelwelt; aus der langen Re ih e von Beispielen, die man h ie r
a n fü h re n könnte, seien n u r die ü b e rau s schwer geb au ten Dronten (Raphus cucullatus von
M au ritiu s, R. borbonicus von Reunion) g enannt. Besonders bezeichnend fü r d e ra rtig e
p lum p e Vögel is t ih re U n fäh ig k e it zu fliegen; u n d der weitaus g rö ß te Teil d e r Vögel, die
ih re F lu g fä h ig k e it v e rlo ren haben, kommt a u f In se ln vor. Beme rkenswert ist, daß auch
u n te r den In sek ten flugunfähige u n d so g a r ganz flügellose Fo rm en a u f E ilan d e n sehr
häufig sind, obwohl die F lu g u n fä h ig k e it bei dieser T ie rg ru p p e m it einem gedrungenen
K ö rp e rb a u vielfach n ich t in K o rre la tio n steh t; imm e rh in is t in te re ssan t d a ra u f hin zu weisen,
d aß die Warzenb e iß e r-Po p u la tio n (Deetieus verrucivorus) a u f d e r Schlangeninsel
im Schwarzen Meere sich n ic h t n u r d u rch eine bedeutendere Größe, sondern auch d urch
e in „besonders stämmiges Aussehen“ auszeichnet (A. Mü l l e r , 1927, S. 136).
K eh ren w ir n u n wieder zu den inselbewohnenden K rie ch tie re n zurück u n d sehen uns
zunächst den H ab itu s d e r m ed ite rran en In se lra ssen aus d e r Ga ttu n g Lacerta an. K ä m m
e r e r (1926, S. 98) sa g t d a rü b e r: „Die Inseleidechsen neigen zu plump gebauten, b re it
ausladenden F o rm e n .“ Das is t zweifellos rich tig : denn fa s t alle -Eilandrassen, besonders
die melanistischen, hab en in d e r Regel au ch den g edrungensten H ab itu s ; so is t z. B. die
am E n d e des vorigen K ap ite ls erw äh n te Lacerta sicula cazzae von den In se ln d e r Cazza-
G ruppe in d e r A d ria au ß e ro rd en tlich plump, u n te rse tz t g ebaut und h a t einen kurzen,
rü b en fö rm ig v e rd ick ten Schwanz. Und von d e r extrem melanistischen Lacerta lilfordi
conejerae von Gonejera (nördlich von Cabrera, Ba le aren) h eb t L. M ü l l e r (1927 a, S. 264)
h ervor, d aß n ich t n u r ih r ged ru n g en e r u n d k u rz e r B a u seh r a u ffä llig sei, sonde rn v o r
allem auch d e r abnorm b re ite Hals, d e r soga r wesentlich b re ite r sei als d e r Ko p f u n d die
Backengegend. Auch die sokotranische L a zerte Eremias guttulata balfouri is t nach B l a n -
f o r d (1881, S. 467) p lum p e r als die k o n tin en ta le Ausgangsförm u n d h a t auch kürz e ren
Schwanz u n d E x trem itä te n als diese.
Von den H a ftz eh e rn sei insbesondere d e r riesige, sehr breitschwänzige Taggecko Phel-
suma newtonii von Rodriguez gen an n t, d e r n ic h t n u r g rö ß e r is t als die maskarenische