
T. radiata w ird im B a ika lsee ziemlich häufig a u f verschiedenen K ö rp e rte ilen von
Gammariden, a u f den Kiemen, Gliedmaßen, Anten n en vorgefunden. Die T em p e ra tu rg re n zen,
in denen diese A r t angetroffen wurde, sin d 0—9°. In v e rtik a le r R ich tu n g wurde
sie von d e r K ü s te ab bis zu Tie fen von 594 m angetroffen, wobei eine Abnahme en tsp re chend
d e r Tiefe n ic h t k o n s ta tie rt wurde; allem Anschein nach w ird T. radiata auch in
g roßen Tiefen v o rh an d en sein.
Tokophrya grisea sp. nov. (Abb. 139).
D e r K ö rp e r is t massiv, h a t im L än g ssch n itt das Aussehen eines gleichschenkeligen
Dreiecks, m it bogenförmiger Basis, die den oberen K ö rp e rra n d bildet, u n d abgeschnitten
e r Spitze, die das u n te re E nd e ausmacht, wo d e r K ö rp e r sich am Stie l befestigt. Die
K ö rp e rlä n g e b e trä g t 60 [¿, die B re ite am v o rd e re n R a n d 45—47 ja. Im m ittle re n Teil e r scheint
d e r K ö rp e r konvex, gegen die äu ß e ren R ä n d e r jedoch wird e r allmäh lich dü n n e r;
dies fü h r t dazu, d aß d e r obere K ö rp e rra n d und beide la te ra le n Seiten schmale „R ip p en “
bilden, wäh ren d d e r Q u erschnitt d urch das Z en trum des K ö rp e rs ein Oval e rg ib t, dessen
Seiten an den E n d en des län g e ren Durchmessers fa s t u n te r einem spitzen W in k e l Zusammentreffen;
in d e r R ich tu n g vom Z en trum des K ö rp e rs zu seinem oberen E nd e werden
die Qu erschnitte immer meh r ab g ep la tte te Ovale ergehen. Au f den zwei v o rd e re n Winkeln
des K ö rp e rs sitz t je ein Bünde l k u rz e r — bis 20 ja — , g e rad e r geknö p fte r T entakeln, 10
bis 12 Stück in jedem Bündel. Das P la sm a is t von d u n k e lg rau e r F ä rb u n g , seh r gro b k ö rnig,
wenig d u rch sich tig u n d en th ä lt sehr viele F e tttro p fe n eingebettet. D e r Stiel ist zylin d
risch, d e r ganzen L änge nach von gleichem Durchmesser, ziemlich dick; seine L änge ü b e rste
ig t die halbe K ö rp e rlä n g e nicht, is t gewöhnlich k ü rz e r als diese. Au f dem Stiel t r i t t deu tlich
eine L än g ss tre ifu n g zutage. Der K e rn is t ab g e ru n d e t oder oval, lieg t im Z en trum des
K ö rp e rs. Zwei p u lsierende Vakuolen in den oberen Ecken des K ö rp e rs; wegen der g eringen
D u rch sich tig k e it des P la sm a s lassen sie sich k aum unterscheiden. Die Fortp flan zu n g ist
u n s u n b ek an n t gebliehen.
Tokophrya grisea w u rd e a u f Gammariden gefunden, die m it F a llen au s g roßen T iefen
600 u n d 1175 m — gehoben w u rd en (M a ritu j, 1928). Sie saßen in ziemlich beträ
c h tlic h e r Zahl a u f den Gliedmaßen selbst, se lten e r a u f den Kiemen ih re r W irte .
Acineta tuberosa Ehrnbg. (Abh. 140).
Diese A r t zeigt im B a ika lsee dieselbe V a ria b ilitä t, die ih r ü b e rh a u p t eigen ist. Am
häufigsten kommen Fo rm en vor, die a u f Abb. 140 gezeigt sind: ih r Gehäuse h a t im
L än g ssch n itt die F o rm eines g e s treckten gleichschenkeligen Dreiecks, dessen Länge um 80 p-,
dessen maximale B re ite (der V o rd e rran d ) um 40—44 schwankt. Die V e rb in d u n g des
Kö rp e rs m it dem Gehäuse geschieht an den beiden oberen Winkeln u n d im u n te ren K ö rp
e rv ie rte l, wo sich oft u nregelmäßige Quer fa lten bilden; jedoch a u f dem vord e ren eingebogenen
E nd e u n d im m ittle ren Teile ersch e in t d e r K ö rp e r vom Gehäuse abgetren n t.
A u f den zwei v o rd e re n E rh eb u n g en sitzen zwei Bünde l lan g e r, bis 80 (/• e rre ichender,
dü n n e r, g e rad e r geknö p fte r Tentakel, bis 20 S tü ck in jedem Bündel. Das P la sm a ist
schwach gelblich g e fä rb t. D e r ru n d e oder ovale Makronukleus lieg t im Z en trum des K ö rp
e rs; ein, se ltener 2— 3 Mikronuklei. E in e p u lsierende Vakuole lieg t im oberen K ö rp e rte
il, in d e r Mitte desselben. D e r Stie l is t kurz , ü b e rste ig t gewöhnlich n ic h t die H ä lfte
d e r K ö rp e rlän g e , is t ziemlich dick, g la tt.
Seltener werden k ü rz e re u n d b re ite re Fo rm en angetroffen; bei den extremsten Modifikationen
h a t der K ö rp e r die F o rm eines beinahe gleichschenkeligen Dreiecks, dessen
Höhe n ich t üb e r 50 f* ist. Be i e inigen In d iv id u e n h a t das Gehäuse die F o rm eines Bechers
oder Glöckchens, das im oberen Teil v e rb re ite r t und in d e r Mitte v e ren g t ist, wäh ren d es
sich in seinem u n te re n Teil allmäh lich v e rb re ite r t u n d ab ru n d e t, jedoch von zwei Seiten
ab g ep la tte t erscheint.
W ir fan d en Acineta tuberosa im B a ika lsee se lten u n d n u r in ansehnlichen Tiefen: 500
bis 600 m. D a fü r ab e r w aren die Gammaridenexemplare, a u f denen sie gefunden wurde, von
ih r ä u ß e rs t s ta rk infiziert. Meist sitz t A. tuberosa a u f den B orsten d e r Gliedmaßen, sie m it
einem d ichten Z au n bedeckend, wobei jede Reihe au s 50—60 Stü ck besteht. Die T em p e ra tu
r , bei d e r A. tuberosa im B a ika lsee angetroffen wurde, b e tru g gegen 4°.
E s is t jedoch anzunehmen, d aß dieses S u k to r bei k ü n ftig e n U n te rsuchungen im B a ikalsee
auch in an d e ren , auch g e rin g e re n Tiefen gefunden werden wird.
W äh ren d Acineta tuberosa in den Meeren ä u ß e rs t v e rb re ite t ist, w ird sie im S ü ß wasser
v ie l se ltener k o n sta tie rt, u n d da sie d o rt v o r v e rh ä ltn ism ä ß ig k u rz e r Zeit fe stg
e ste llt wurde, wird sie in vielen ä lte re n lite ra ris c h e n Quellen als re in e Meeresform beh
an d e lt ( E h r e n b e r g , S t e i n , B ü t s c h l i , S t o k e s , S a n d u. a.).
Laut den Literaturangaben erscheint A . tuberosa im Süßwasser erstens als eurytope Form, und zweitens ist sie
durchaus nicht mit irgendeinem spezifischen Wirt verbunden: sie wurde auf Algenüberzug von Wasserpflanzen, z. B.
auf Halmen von Phragmiles communis im Gr. Plöner See ( Z a c h a r i a s , 1902) angetroffen, ferner im Bewuchs verschiedener
unter Wasser befindlicher Gegenstände in der Mündung der Elbe, unter Bedingungen einer starken Strömung
und geringen Verunreinigung. (Holm, 1925), in Tümpeln und Weihern auf Wasserinsekten, z. B. auf Nepa cinerea
(Ke i s e r , 1921), auf Cyclops-Arten ( Da d a y , 1910) ferner als Planktonepibiont in großen Seen: auf Melosira im
Ladoga-See ( B o l a c h o n z ew) , auf A sterio n elia im Züricher See ( H e u s c h e r , 1891), auf Diatomeen ( Amb e r g ,
1900) u. a.
Acineta truncata Collin (Abb. 141).
Diese ä u ß e rs t c h a rak te ristisch e F o rm ist von B. C o l l i n (1912) a n den Antennen des
Meere s-Harpa cticiden Ameira in Cette u n d Roscoff (Normandie) u n d se ith e r, soviel m ir
b ek an n t ist, nirg en d s meh r g efunden worden. I n se iner Be schreibung weist B. C o l l i n
d a ra u f hin, daß au ch a n diesem W ir t A. truncata selten vorkommt. Um so in te re ss an te r
is t es deshalb, daß diese Acinete re c h t häufig u n d in re c h t ansehnlicher S tückzahl im B a ikalsee
vorkommt.
Die H au p tm e rkm a le d e r Acineta truncata au s dem B a ika lsee sin d folgende: Der
Stie l is t re c h t massiv, u n ten zyl indrisch, e rw e ite rt sich allmäh lich nach oben hin, ist 22
bis 45 [J- lan g u n d im oberen T e il bis 30 b re it u n d h a t seh r au sg ep rä g te längsstehende
Skelettbündel. K ö rp e r län g e bis 40 [¿; B re ite des oberen K ö rp e rte ils 42 [/.. Der K ö rp e r h a t
die F o rm eines abgeschnittenen Kegels, d e r m it se iner Basis nach oben g e rich te t ist, die
ganze u n te re F läche am Stiel befestigt; das obere K ö rp e r ende dagegen is t g e rad e und
etwas sch räg abgeschnitten; die Mitte dieser v o rd e re n F läche is t leich t konvex, die R ä n d
e r hingegen wellig. An d e r vord e ren Oberfläche sitzen n ich t sehr feine, geschmeidige
Tentakel, deren E n d en g eknöpft sind u n d die sich bis 80 (J- strecken. Die Z ahl d e r Tenta
k e l is t gewöhnlich n ich t üb e r 18, meist tr if f t m an 12— 14 Stück. Die T en tak e l sind über
die ganze Apikaloberfläche v e rb re ite t; n u r ein g e rin g e r Teil in d e r Mitte h a t keine Tentakel,
als ob e r die eine Seite d e r T en tak e lg ru p p e von d e r an d e ren tren n te . Alle T entakel
sin d vollkommen entwickelt; bei d e r A. truncata au s dem B a ika lsee finden w ir keine ru d im
en tä ren oder v e rk ü rz te n T en tak e l zwischen den se itlichen T entakelbündeln, wie das von
B. C o l l i n fü r die a tlan tisch e F o rm angegeben ist. Das Gehäuse — la coque — is t d eu tlich
zu sehen u n d bekleidet den ganzen K ö rp e r des In fu so rium s m it Ausnahme d e r A p ikaloberfläche,
an d e r die T en tak e l sitzen u n d die fre i bleibt. D e r ru n d e K e rn befindet