
a u f ein e r In se l und sein F eh len a u f dem am nä ch sten liegenden F e stlan d e d u rch au s nich t
immer zu r Annahme se iner re in passiven Z uwanderung; n ich t wenige F ä lle d isk o n tin u ie
rlic h e r V e rb re itu n g a u f In se ln sind vie lm eh r — wie noch sp ä te r zu zeigen sein w ird —
n u r d u rch die Annahme endogenen Inselvorkommens zu verstehen.
Um die Geschichte ein e r In se l bzw. ih re r F a u n a zu beurte ilen , g en ü g t es a b e r oft
keineswegs, n u r eine einzige Gruppe von Organismen zu p rü fen ; zumeist muß die Zusammensetzung
d e r gesamten F a u n a , namentlich d e r zoogeographisch bedeutungsvollen
T ie rg ru p p en , ih re r endogenen und allogenen Komponenten u n d n ich t zuletzt ih re r E nd e mismen
a n a ly s ie rt werden. Wollte m an z. B. Ceylons F a u n a n u r a u f G rund ih re r S äuger
beurteilen, so w ü rd e m an d a diese T ie re a u f Ceylon au ß e r
ih re r A r te n a rm u t n u r ganz geringe Abweichungen von der
südindischen S äu g e rfa u n a zeigen zu einem ganz falschen
Erg eb n is gelangen; und e rs t die Heran z ieh u n g der K rie ch tie re ,
L u rch e wie auch einiger Wirbellosen, u n te r denen man sehr
zahlreichen Endemismen begegnet, e rg ib t das ric h tig e Bild des
hohen A lte rs u n d d e r re c h t v e rsch ied en a rtig en H e rk u n ft der
cevlanischen F a u n a . E in e n ähnlichen T ru gschluß w ürde man
machen, wenn man die F a u n a d e r Hawaiischen In se ln etwa
n u r a u f G rund ih re r R e p tilien ch a ra k te risie re n wollte. Man
d a rf eben n ic h t vergessen, d aß die einzelnen T ie rstäm me je
nach ih re r A u sb re itu n g s fäh ig k e it u n d na ch ih rem A lte r ganz
verschiedene Ausbreitungswege benutzen können, so daß jede
K o n s tru k tio n von sch a rfen Ve rbre itungsgrenzen, die fü r a l l e
T ie rg ru p p en Geltung h ä tten , als w id e rsin n ig zu bezeichnen
ist. — Ob u n d inwieweit die V e rb re itu n g d e r In se lrep tilie n
eine S tütze fü r die g eniale Verschiebungshypothese We g e -
n e r s abgibt, soll h ie r n ic h t n ä h e r u n te rsu c h t werden, d a diese
F ra g e sich ohne eine weitgehende An a ly se d e r K o n tin en ta lfaunen
n ic h t b e antworten läß t. E s scheint jedoch, d aß das zoogeographische
T a tsa ch enm a te ria l (auf Grund d e r V e rb re itu n g
von Inselrep tilien ) n ich t au s re ich t, um die Hypothese ein e r
h orizontalen Driftbewegung des K o n tin en ts im Sinne We g e -
Abb. 2. Emoia a ru n d e iu G a rm a n , n e r s annehmen oder ablehnen zu können.
aiPPZ oT c am b% r’MaTS)COmP' In d e r ß e g e l w ird also eine b i o g r a p h i s c h e Unter-
Etwa 2/s nat. Gr. suchungsmethode m an n ig fa ltig e Aufschlüsse üb e r die N a tu r
de r In se ln e rte ilen können. N u r d an n w ird auch diese Methode
versag en müssen, wenn te rre s trisch e In selfaunen durch N a tu rk a ta stro p h e n erhebliche
V e rän d e ru n g en e rfa h ren : etwa wenn au f ein e r k o n tin en ta len In se l d u rch eine m a rin e
Ü b erflutung ih re u rsp rü n g lich e L an d fau n a völlig v e rn ich te t wird.
3. Passive und aktive Ausbreitung.
W a s fü r A u sb re itu n g sm itte l stehen den Reptilien zu r Verfügung, um nach den I n seln
zu gelangen? Die endogenen K rie ch tie re vermochten die Inseln a u f dem Wege passiv
e r Migration n ich t zu .besiedeln, d. h. sie mußten d o rt schon gelebt haben, als die Inseln
noch m it dem F e stlan d e verbu n d en waren. A nders die Allogenen: diese konnten sowohl
a k tiv wie p assiv nach den In se ln kommen; u n d zwar vermochten d u rch a k tiv e Migration
ausschließlich m a rin e F o rm e n (Seeschildkröten, Seeschlangen, einige Panzerechsen) die
Inse ln zu erre ichen, w äh ren d a lle te rre s tris ch en Geschöpfe n a tu rg em äß n u r m it Hilfe
p a s siv e r A u sb re itu n g sm itte l d o rth in gelangen konnten. E s is t nunm eh r n a chzuprüfen,
welche von diesen Ausbreitungsmöglichke iten — die a k tiv e oder passive ^ bei d e r Besiedelung
d e r In se ln d u rch R e p tilien eine bedeutsamere Rolle spielt.
A u f a k t i v e n A u sb re itu n g sm itte ln b e ru h t die w illk ü rlich e Ortsbewegung; ih re H a u p tformen
bei R e p tilien sind b ek an n tlich Kriechen, L aufen, K le tte rn u n d Schwimmen. Mit
Hilfe dieser E x p an sio n sm itte l sind n a tu rg em äß n u r die im Meere lebenden A rten befähigt,
nach den In se ln zu gelangen; fü r alle üb rig en Fo rm en u n te r den rezenten Rep tilien
können sie n u r d an n von Bedeutung sein, wenn eine Landmasse noch n ich t völlig iso lie rt
ist: d. h. sich noch in lan d fe ste r Ve rb in d u n g m it dem M u tte rlan d e befindet.
U n te r p a s s i v e r A u sb re itu n g d e r Tie rwelt v e rs te h t m an in d e r H au p tsa ch e ih re
Verschleppung; diese k an n d u rch seh r verschiedene F ak to ren bedingt sein. Z unächst sind
es die Wi n d e , die viele Organismen weithin v e rschlagen können; zweifellos sind fü r zahlreiche
niedere Tie re, n amentlich fü r die D au e rsta d ie n d e r Krebse, R ä d e rtie re u n d P ro to zoen,
die L u ftström u n g en als A u sb re itu n g sm itte l sehr wirksam. Auch flugfähige Geschöpfe,
wie In sek ten u n d Vögel, werden gelegentlich d u rch S tü rm e nach den fe rn s ten In se ln h in getrieben.
Besonders W a 11 a c e h a t geglaubt, daß g e rad e Orkane eine wichtige Rolle bei
d e r Besiedelung ozeanischer In se ln spielen, u n d V i s h e r (1925) h a t ih re Bedeutung fü r
die A u sb re itu n g d e r L an d tie re in d e r pazifischen Inselwelt gezeigt. Es b ed a rf ab e r selbstv
e rstän d lich k e in e r n äh e ren B e g ründung, daß dieses A u sb re itu n g sm itte l fü r sämtliche
K rie c h tie re n ic h t die g e rin g ste Rolle spielen kann.
W ich tig e r sind die M e e r e s s t r ö m u n g e n als p assive Ausbre itu n g smitte l. In den
p o la ren Regionen sind es tre ib en d e Eisschollen, in den wä rme ren schwimmende Holzstücke,
die n ic h t n u r niedere Organismen, besonders Gliedertiere, sonde rn gelegentlich
wohl auch W irb e ltie re weit verschleppen können. Gerade die Bedeutung dieses T ra n sp o rtmittels
is t von vielen Autoren, die d u rch p assive Zuwanderung a u f Treibholz n ich t n u r das
Zustandekommen d e r L an d fau n en a u f vielen kleinen, sonde rn au ch a u f ganz g roßen I n seln
(wie Madagaska r) e rk lä re n zu können glaubten, s ta rk ü b e rsch ä tz t worden. Was
insbesondere die K rie c h tie re betrifft, v e r tr a t W a l l a c e in seinem berü hmten W erke
„ Islan d L ife “ (1880, S. 73; 1902, S. 75) die Ansicht, daß te rre s tris c h e Rep tilien fü r eine
tra n sm a rin e A u sb re itu n g re c h t geeignet seien: u n d zwar infolge ih re r g roßen Lebensz
äh ig k e it u n d d e r Oviparen Vermehrungsweise; zu r B e k rä ftig u n g dieser A nsicht e rw äh n t
er, daß schon e inmal eine Abgottschlange (Constrictor constrictor) in d e r Nähe d e r A n tilleninsel
St. Vincent a u f einem Baumstamme im Meere au fgefunden worden sei, eine A n gabe,
d e r die üb e r 100 J a h r e a lte Beobachtung G u i l d i n g s (1827, S .406) zugrunde liegt.
Lassen sich n u n R e p tilien ta tsä ch lich durch Treibholz besonders leich t verschleppen?
Zunächst muß fe stgestellt werden, daß K rie ch tie re gegen das Seewasser in d e r T a t
w id e rstan d sfäh ig e r sind als viele a n d e re T ie rg ru p p en , v o r allem Amphibien u n d L an d mollusken,
die im Meereswasser in d e r Regel ra sch absterben; auch gegenüber den S äu g
e rn haben die K rie c h tie re eine höhere Lebenszähigkeit. Ih re E ie r ab e r v o r allem
d e r meisten Eidechsen u n d Schlangen — sin d so z a rte u n d gegen äu ß e re Einflüsse (Druck,
T em p eraturunterschiede), ja soga r schon gegen die V e rän d e ru n g ih re r u rsp rü n g lich en
Lage so empfindliche Gebilde ,daß sie sich in den meisten F ä llen in wirklich lebensfähigem
Zustande ganz erheblich schwere r verschleppen lassen als die erwachsenen Tiere.