
Uebersicht über die Boltenien des Magalhaensisch-südgeorgischeo Gebietes. Pam. Molgulidae.
Was die systematische Gliederung dieser Familie änbetrifft, so stehen sich die Ansichten
verschiedgèçr*Forscher ziemlich schroff gegenüber. Zwar sind alle darin einig, dass der Anordnung
der Geschlechtsorgane, ob beiderseits vorhanden, oder nur linkerseits oder rechterseits ausgehildet,
eine wesentliche Bedeutung beigemessen werden muss; in der Feststellung der demnächst für die
Systematik wichtigen Charakter-Gruppen weichen sie jedoch von einander ab. T r a u s t e d t (Ase.
stille Oeean, p. 17) berücksichtigt in erster Linie die Gestaltung des Kiemensackes und kommt
dadurch zur Sonderung der Molgulideh mit paarigem Gesehlechtsapparat in die beiden Gattungen
Molgula und Paramolgula, und zur Sonderung der Molgnliden mit einseitigem (linksseitigem) Geschlechtsapparat
in die Gattungen Eugyra und Bostrichobranchus. P izon (Étude Molgulidées, p. 3 2 3 )
stimmt in der Trennung von Eugyra und Bostrichobranchus (welch’ letztere Gattung er ungerechtfertigter
Weise als Eugyriopsis B o u l e bezeichne!) mit T r a u s t e d t überein und stellt jenen beiden
Gattungen noch die Gattung Gamaster mit nur rechtsseitig ausgebildetèm Gesehlechtsapparat zur
Seite. Bei der Gliederung der Molgnliden mit paarigem Geschlechtsapparat berücksichtigt er jedoch,
nach Abtrennung der auch yon T r a u s t e d t anerkannten Gattung Ascopera H e r d . u a n (durch den
Verlauf des Darmes charäkterisirt), lediglich die äussere Gestaltung der Körperöffnungen. Ich will
vorweg angeben, dass ich die T e a u s t e d t ’s c I i c Eintheilung der Molguliden für die den Verwandtschafts
Verhältnissen entsprechende halte. ' Es ist mir unerfindlich, wie P izon derartigen äusseren
Charakteren eine so hohe systematische Bedeutung beimessen konnte. Seine Gattung Stomatropa
z. B. unterscheidet sich von Ctenicella lediglich dadurch, dass der Ingestionssipho „courbé en anse“,
und dass die oberen Lappen der Ingestionsöffnung stärker entwickelt als die übrigen sind, „en forme de
grande lèvre bifide“. Diese überwiegende Ausbildung der beiden oberen Lappen hängt doch wohl
mit der starken Krümmung des betreffenden Sipho, bezw. mit der stärkeren Ausbildung der Oberseite
und dem Zurückbleiben der Unterseite des Sipho, eng zusammen ; sollte aber diese Krümmung
nicht individuell sein? Ich habe viele Exemplare der magalhaensischen Riesen-Molgulide an Ort und
Stelle beobachten können. Diese Thiere sitzen mit Vorliebe unter grossen Steinen, die dem Untergründe
nicht fest anliegen, sondern Höhlungen unter sich fassen. Je nachdem sie nun an der
Unterseite dieser Steine hängen oder auf dem Untergründe der steinüberdeckten Höhle liegen,
oder seitlich an der Hölilenwand sitzen, ist die Stellung ihrer Körperöifnungen zu dem Nahruug-
spendenden Eingang der Höhle verschieden. Die verschiedene Gestalt der Ingestionsöffnung, ob
flach oder auf mehr oder wenig stark erhabenem Sipho stehend, oh auf geradem oder auf übergekipptem
Sipho, ist nichts weiter, als eine individuelle Anpassung an die Stellung des Thieres
zum Wasserstrom, der ihm die planktonische Nahrung zuführt. Ich fand die verschiedenartigsten
Ausbildungen nebeneinander bei Thieren, die sicherlich nicht verschiedenen Arten, geschweige denn
verschiedenen Gattungen zugeordnet werden können. Eine derartig starke Ausbildung und Krümmung
des Ingestionssipho, wie sie für P izon ’s Stomatropa villosa charakteristisch sein soll, ist mir
zwar nicht vorgekommen; ich wage deshalb nicht, ein endgültiges Urtheil über diese Art abzugeben.
Mag diese bedeutende Ausbildung des Ingestionssipho immerhin als Art-Charakter angesehen