
Pigmentablagerung in der Schale, was auf durehsohimmernde innere Organe, besonders Eier zurückzu-
fuhren ist. Bei der Darstellung der Ansicht von oben ist eine Ausnahme von der Regel gemacht
worden, die Thiere möglichst in Glycerin zu untersuchen; die Thiere sind zu diesem Zweck auf dem Objectträger
zwischen zwei Glasleistehen eingeklemmt, mit Canadabalsam bedeckt, natürlich nachdem sie
vorher mit Creosot etc. aufgehellt sind. Man muss darauf achten, dass die Schalen möglichst geschlossen
sind, was man dadurch erreichen kann, dass mau das Thier zwisohen den Glasleistchen zusammenpresst,
bequemer und sicherer, indem man lebendes Material sofort in Alkohol lQO°/o bringt, aus diesem
nach wenigstens einstündiger Behandlung in Creosot oder ein anderes Aufhellungsmittel. So untersucht,
bietet die Ansicht von oben eine Fülle von systematisch verwerthbaren Merkmalen.
Auf die Benennung der Gliedmaassen und ihrer einzelnen Theile werde ich bei der Oharakte-
nsirung der einzelnen Familien eingehen, wobei sich auch Gelegenheit bieten wird, die stellenweise von
der anderer Autoren abweichende Auffassung kurz zu motiviren.
V o rk om m e n .
Ich habe in der folgenden Darstellung weniger Werth auf die Orte gelegt, an denen die einzelnen
Arten gefunden worden sind, als vielmehr auf die Beschaffenheit der Fundstellen, ob flach oder
tief etc. Ob eine Art hier oder da, bei Berlin oder Greifswald gefunden worden ist, hängt hauptsächlich
davon ab, ob dort gründlich nach Ostracoden. gesucht worden ist. Die Erfahrungen der letzten
Jahre*) machen es mir sehr wahrscheinlich, dass man die Mehrzahl der hier beschriebenen Arten .an
jedem Ort wiederfindet, sobald man den zu untersuchenden District nicht zu klein wählt, und sobald
er geeignete Fundstellen enthält. Ich will ein Beispiel dafür anführen, welches das Gesagte einigermaassen
illustrirt. Bis vor wenigen Jahren kannte man Darwinula stevensoni und Candon a euple&ella noch nicht
aus Deutschland, sondern nur aus England, das ja bekanntlich viel fleissiger auf seihe. O^tracodenfauna
untersucht ist als Deutschland. Da beide Formen überaus charakteristische sind, darf mäh annehmen,
dass sie überhaupt noch nicht gefunden waren, da sie sonst wohl erwähnt worden wären **. In den letzten
Jahren ist die Ostracodenfauna von drei Orten in Deutschland genauer untersucht worden, Berlin, Osnabrück
und Greifswald, an allen drei Orten hat man beide Arten aufgefunden. Ich-denke diese That-
sache zeigt, dass.es etwas sehr Zufälliges ist, ob man eine Art hier gefunden oder nicht gefunden. hat.
Würde man Deutschland in Districte von ,ievil;w|ß Quadratmeilen theilen, so würde sich .nach meinem
Dafürhalten fast jede der hier beschriebenen Arten wenigstens in der Hälfte der Districte auffinden
lassen. Man mag diese Behauptung übertrieben finden, jedenfalls wird man mir darin Recht geben,
dass Angaben wie „gefunden bei Stralsund, Cöln etc.“ eigentlich weiter nichts besagen,...als,.dass dort
zufällig einmal jemand nach Ostracoden gesucht hat; diese Angabe wird selbst für den, der sich bemüht,
die Art am gleichen Ort wieder aufzufinden, nur in seltenen Fällen von Werth sein.
Yiel wichtiger scheint es mir, die Beschaffenheit des Fundortes einigermaassen zu charakterisiren,
ob derselbe moorig, sumpfig oder klar, ob flach oder tief, ob im Sommer austrocknend oder nicht.
Dabei handelt es sich nicht um etwas Zufälliges, vielmehr um etwas in der Hatur der Art Begründetes;
derartige. Angaben gehören nothwendig in die Beschreibung einer Art. Selbstverständlich wird man
*) Nicht nur meine eigenen, sondern ebenso sehr diejenigen, welche W. Hartwig beim Sammeln in der Umgebung
Berlins gemacht hat.
** Die Angabe bei Br a d y -No rma n 1889 p. 123 ist mir bekannt, ich halte sie aber nach brieflicher Mittheilung
von Poppe für unrichtig.
sich dabei vor voreiliger Verallgemeinerung hüten müssen. Wie leicht man irren kann, solange man sich
auf einen oder wenige Funde stützt, mögen zwei Beispiele zeigen: Candona acuminata, eine sehr charakteristische
Form, die nicht zu übersehen ist, kannte ich längere Zeit nur aus einem Graben von etwa
l m Tiefe mit ausserordentlich reichem Pflanzenwuchs, besonders Characeen; einen zweiten ähnlichen
Graben kannte ich nicht. Welcher Schluss lag näher als der: Candona acuminata findet sich nur in
tieferen Gräben mit reicher Vegetation. Ein zweiter Fund zeigte, wie voreilig dieser Schluss war, ich
fand die Art noch einmal in einem kleinen Graben ohne jede Vegetation aber erfüllt mit todtem Laub.
Candona brevis fand ich in einem flachen, morastigen, nicht austrocknenden Graben, in dem
dem Süsswasser gelegentlich etwas Meerwasser beigemischt wird, nach längerer Zeit, allerdings nur in
einem Exemplar, in einem flachen Wiesentümpel, der sicher kein Salz enthielt, frühzeitig im Jahr
austrocknete.
. Derartige Erfahrungen sind sehr geeignet, uns vor Verallgemeinerung einzelner Beobachtungen
zu warnen, doch wird niemand, der wiederholt Ostracoden gesammelt hat, läugnen, dass gewisse Arten
gewisse Fundorte bevorzugen und deshalb bleibt mir eine Angabe wie etwa „gefunden in einem flachen
Graben, der früh im Jahr austrocknet“ lieber, wie die Aufzählung von 10 Städten, in deren Nachbarschaft
das Thier zufällig aufgefunden worden ist. Dieser Gesichtspunkt mag es auch berechtigt erscheinen
lassen, dass ich den in neuerer Zeit immer häufiger werdenden Verzeichnissen von Arten, die
da oder dort gefunden worden sind, keine grosse Beachtung geschenkt habe. Dieselben werden durch
die Unsicherheit der Bestimmung in vielen Fällen ganz werthlos.
Einige Beachtung habe ich der Zeit geschenkt, in der die verschiedenen Arten zu finden sind.
Wer je Ostracoden gesammelt hat oder nur mit einiger Aufmerksamkeit unsere Gewässer zu verschiedenen
Jahreszeiten auf ihre Fauna untersucht hat, dem wird es aufgefallen sein, dass manche Arten in bestimmten
Monaten sehr häufig sind, in anderen fehlen. Diese Verschiedenheit erklärt sich zum Theil,
aber nur zum Theil aus den physkalischen Verhältnissen der Fundorte: Arten, welche flache, im Sommer
austrocknende Gräben, etc. bewohnen, können natürlich während der trocknen Jahreszeit nicht Vorkommen,
aber derartig zwingende äussere Gründe liegen keineswegs immer vor (vergl. z. B. unten über das Vorkommen
von Candona acuminata). Es sind auch nicht etwa immer die Frühjahr und Sommermonate,
in denen sich die Thiere finden, vielmehr bèi zahlreichen Arten gerade die Herbst und Wintermonate.
Eine zusammenfassende Darstellung dieser Verhältnisse für eine grössere Zahl von Arten würde unzweifelhaft
einiges Interesse bieten. Leider kann ich diese Darstellung nicht geben, da ich bei meinen
Sammlungen von Anfang an diesen Fragen nicht die genügende Aufmerksamkeit schenkte, doch will
ich hier auf einige Thatsachen aufmerksam machen, die sich mir mit ziemlicher Sicherheit aus meinen
Beobachtungen ergeben haben: Zahlreiche Arten von Ostracoden haben im Jahre nur eine• Generation,
z. B. Candona candida, acuminata, vielleicht überhaupt die Mehrzahl der Arten von Candona, ferner
Eurycypris pubera, Cyprois flava ; das Vorkommen aller dieser Arten ist auf einige (vielleicht höchstens 6)
Monate beschränkt, diese Monate können ebensowohl in den Herbst und Winter, resp. Frühling, (zahlreiche
Candonaoxted) wie in den Frühling und Sommer fallen. Häufig wird das Erscheinen dieser Arten
dadurch bestimmt, dass sich die Pfützen oder Lachen mit Wasser füllen, aber keineswegs immer.
Candona candida erscheint an Orten, welche dem Austrocknen nicht ausgesetzt sind, früher als an
solchen, welche sich erst im Winter mit Wasser füllen müssen, verschwindet dafür aber auch früher, der
Hauptsache nach fällt die Lehensperiode an beiden Orten zusammen.
Andere Arten haben zahlreiche Generationen in einem Jahr, resp. in einem Sommer, hier
findet man gemeiniglich Larven und reife Thiere neben einander, und zwar entweder während aller
Monate des Jahres (Cyclocypris, Cypria) oder nur während des Spät-Frühjahres, Sommers und Herbstes
(Cypridopsis aculeata, Cyprinotus incongruens).