
mittlere und Östliche Gebiet der Magalhaens-Strasse. Ein sicherer Schluss lässt sich allerdings
wohl noch nicht aus den bisherigen Fundnotizen ziehen, denn diese drei abweichenden Formen
sind bis jetzt nur bei vier Fängen an drei verschiedenen Fundorten im Ganzen in ö Stücken angetroffen
worden.
Boltenia legumen Lesson forma typicä.
. (Taf. II F ig . 1; Taf. III F ig . 19),
?1830. B o lten ia legumen, L e s s o n : Cent. Zool., p . 149, Taf. 53 Fig . 1.
P1830. B o lten ia legumen, Lesson: Zool. in: Voy. Coquille, p. 433.
1852. B o lten ia coacta, G o u ld : Mollusca in: U. S. E xp. Wilke s, p. 496, Taf. 52 F ig . 612.
P1871. B o lten ia legumen (part.), Cunningham: Nat. Hist. Magellan, p. 111, 262 (non specimen fi°-
in Taf. 4). |
?1871. B o lten ia legumen (part.), Cunningham: Notes Voy. Nassau, p. 489.
1881. B o lten ia legumen (Ppart.), Herdman: Frei. Rep. p. 81.
1882. B o ltenia legumen (?part.) [B o lten ia co a rc ta Gould, cit. laps.'j, Herdman: Tunic. T.
Challenger, p. 88.
1889. B o ltenia legumen fo rm a ty p ic a , M i c d a b l s e x : Tunic. Mag-alh. Süd-Georg., p. 368. .,
D i a g n o s e : Körper e ifö rmig ; Stiel deutlich kürzer als der Körper, >/,—% so la n g w ie der letztere,
ventral, nahe der In gestionsöffnung entspringend, schräg zur L äng sa chse des Körpers g este llt; Körper-
Öffnungen nicht erhaben, kreuzförmig; Oberfläche mit starkem, mit unbewaffnetem A u g e sichtbarem Horsten
B esatz (Falten des Kiemensackes glatt). Dorsalfalte in e in e ¡Reihe schlanker Z üngelchen zerschlitzt.
Als typische Form der B. legumen Lesson betrachte ich die mir in zahlreichefftStttcken
von den Falkland-Inseln, dem Fundort des LESsoN’schen Materials, sowie von Stid-Feuerland und
dem westlichen und mittleren, Theil der Magalhaens-Strasse vorliegende kurz-stielige Form, die zugleich
durch den starken Borsten-Besatz des Cellulosemantels und durch die. Schräigstelhing der
Körperachse (in Bezug auf die Richtung des Stieles) ausgezeichnet ist (Taf. II Fig. la u. b). Es
ist zweifellos dieselbe Form, die Gould als B. coacta beschrieben bat (von Herdman irrthUmlich
als B. coarcta aufgefiihrt). Was die Identität dieser borstigen Form1) mit Lesson's B. legumen
anbetrifft, so lässt sich ein sicheres Urtheil nicht abgeben. Die Kürze des Stieles und die Sehräg-
stelliiDg desselben zur Längsachse des Körpers ist in der Abbildung Lessox’s deutlich ausgesprochen;
aber die Körperöffnungen liegen in der Abbildung des intakten Thieres an der dem Stiel zugewendeten
Längsseite. Da andererseits die Abbildung des aufgeschnittenen Thieres in dieser Beziehung
den Befunden an meinen falkländischen Stücken entspricht, so darf jene Abweichung als
Fehler in der Zeichnung betrachtet werden. Ferner zeigt jene Abbildung ein durchaus glattes
Thier; aber auch diese Abweichung lässt sieh erklären. Nach Lesson sollen die Stücke der B.
legumen häutig mit kleinen Ceramien besetzt gewesen sein. In diesem Ceramien-Besatz sind wohl
die Borsten des Cellnlosemanlels übersehen worden, wenn nicht gar jene Borsten selbst für Ceramien
angesehen und in der Zeichnung, als vermeintlich nicht zum Thier gehörig, weggelassen worden sind.
Vielleicht auch wählte Lesson, der die Stücke nach einem Sturm am Strande auflas, zur Abbildung
ein abgeriebenes Exemplar aus. Dazu kommt, dass ich auf den Falkland-Inseln nur diese borstige
Form angetroffen habe, während die anderen Formen bisher nur. in der östlichen Hälfte der Magal-
1) D iese r Begriff „Borstige Form“, gleich B . legumen (typica) nach der v on mir vorgescblagenen
Umgrenzung, ist wohl n icht identisch mit dem HERDMAN’schen Begriff „an echinated v a r ie ty “ ; wahrscheinlich
g eh ö ren auch v ie le der ü br ig en H e k d m a n 'sehen Stücke, die er nicht als „echinated“ bezeichnet, der
typischen borstigen Form an ; als „echinated“ beze ich ne te er wohl nur e in e Form, bei der der Borsten-
Besatz g a n z hervorragend stark au sg eb ild e t war.
— 111 —
haens-Strasse sicher nachgewiesen worden sind. Auch Herdman’s B. legumen gehört wohl der Hauptsache
nach hihlher, sicher allerdings'hur das Exemplar von Stat. 312 der Challenger Expedition
(Port Famine). Eine Angabe dieses Forschers über die Gestalt der Dorsalfalte mag dahin gedeutet
werden müssen, dass ihm bei der Beschreibung der inneren Organisation dieser Art auch die demnächst
zu erörternde Form, B. legumen var. Cunninghami Michaelsen , Vorgelegen habe. Ich
folgere die Zugehörigkeit der .HERDMAN’schen Objekte zu der .borstigen Form hauptächlich daraus,
dass Herdman seine Untersuchungsobjekte, in den wesentlichen äusseren Charakteren mit dieser
borstigen Form übereinstimmen, wie auch die B. coacta Gould mit der B. legumen Lesson iden-
tificirt, während er Cunningham's B. legumen ihrer abweichenden Gestalt wegen nur bedingungs-
weise der I-iEssoN’schen Art zuordnet.
Aeusseres: In Bezug auf die äusseren Charakt er e (Taf. II Fig. 1) entsprechen diese
Stücke im Allgemeinen der Beschreibung Herdman’s von Boltenia legumen. Der St i e l ist meist
sehr kurz, | t bis 1/8, selten bis 8/5 so lang wie die Körperlängsachse, die in sehr charakteristischer
V eise schräg gegen die Richtung des Stiels gestellt ist. Der Stiel entspringt am vorderen Ende
des ventralen Randes (Herdman’s Angabe: „. . . . peduncle attached to ventral edge of the posterior
end of the body . . . .“ ist als irrthtimlieh zu bezeichnen).
Viele Thiere haben einen grob pelzigen Stachel- oder BorstenbeSatz aii der Oberfläche des
Cellulosemantels, entsprechen also dem, was Herdman „an echinated variety“ nennt. Andere sind
im Allgemeinen kahler; ihr Pelzbesatz ist spärlicher, nie aber so gering, dass die Thiere bei Betrachtung
mit unbewaffnetem Auge nackt erschienen.
Innere Organisation: Was die innere Organisation anbetrifft, so weichen meine ünter-
suchungsobjekte— drei Stücke von den Falkland-Inseln und drei von Stid-Feuerland wurden innerlich
untersucht — in einem wesentlichen Punkte von den Angaben Herdman’s ab. Nach Herdman
(Tunic. I Challenger, p. 88) soll die Do r s a l f a l t e im Querschnitt triangulär, an den Seiten ge-
rippt, an der Kante uneben, aber nicht gezähnt sein. Bei den sämmtlichen von mir untersuchten
Stücken dieser typischen Form fand ich dagegen, dass die Dorsalfalte auf der Kante einen Saum
trägt, der in eine Reihe schlanker, langer Züngelchen zerschlitzt ist. Die Länge dieser Züngelchen
mag durchschnittlich 0,15 mm, ihre basale Breite 0,06 mm betragen. Der Saum sammt den Züngelchen
ist stets auf die linke Seite hinüber gebogen und legt sich meist fest an diese Seite der
Dorsalfalten-Basis, die wie die rechte Seite gerippt ist, an. Da sieh die Züngelchen mehr oder
weniger regelmässig in die Zwischenräume zwischen den Seitenrippen einschmiegen, so sind sie
nicht ohne Weiteres erkennbar und bei nicht eingehender Untersuchung macht die Dorsalfalte ganz
den Eindruck, wie er der Schilderung Herdman’s entspricht. Will man nicht annehmen, dass
Herdman sich in dieser Hinsicht irrte, so bleibt zur Erklärung' seiner Angabe nur die Annahme,
dass ihm bei der Feststellung der inneren Organisation ein Exemplar der var. Cunninghami Vorgelegen
habe, doch ist hierbei zu beachten, dass , auch die Dorsalfälte dieser Form nicht ganz genau
der HERDMAN’schen Beschreibung entspricht; denn dieselbe besteht aus einem zwar glattrandigen
aber sehr breiten, auf triangulärer Basis stehenden, zur Seite geneigten Saum.
Der Innenkörper liegt dem Cellulosemantel iu ganzer Ausdehnung dicht an, hängt jedoch
nur an drei Punkten fest mit ihm zusammen, und zwar, an den beiden Körperöffnungen und am
Ursprung des Stieles. An der Ursprungsstelle des Stieles, vorn am ventralen Rande, zeigt der aus dem
Cellulosemantel herausgehobene Weichkörper eine grosse, tuberkelförmige Hervorragung, die, in situ
sieh in eine entsprechende Aushöhlung des ziemlich dicken, proximalen Stiel-Endes einschmiegt und