
Penis. (Taf. 2 Fig. 10). Der äussere Fortsatz ist in zwei Lappen getheilt, von denen der eine
senkrecht vom Stamm absteht, mit stumpf gerundeter Spitze endigt, während der andere in der Richtung
des Stammes liegt, den Stamm mit stumpfer Spitze wenig überragt, sich zum Theil mit dem inneren
und mittleren Fortsatz deckt; der mittlere Fortsatz überragt den Stamm wenig, er endet stumpf
kolbenförmig nach innen gewandt. Der innere Fortsatz überragt den Stamm ebenfalls nur wenig, er
ist fast so breit wie der Stamm, endet breit gerundet, er entsendet einen dornartigen Fortsatz, welcher
sich über den mittleren Fortsatz herüber legt.
Die Art gehört zu den häufigsten der Süsswasserostracoden, ist wohl die häufigste Art der
Gattung Candona. Man findet sie in den verschiedensten Gewässern, flachen Gräben und Pfützen,
welche im Sommer austrocknen, ebensowohl wie in solchen, welche beständig Wasser führen. In
letzteren erscheinen sie bereits im September in geschlechtsreifen Individuen, verschwinden im April.
An den dem sommerlichen Austrocknen ausgesetzten Lokalitäten können sie im allgemeinen erst später
erscheinen, halten dann aber etwas länger aus. In der Zwischenzeit, Mai—September habe ich die Art
nicht gefunden. Anscheinend hat sie nur eine Generation im Jahr. Gewöhnlich findet man nur $,
ausnahmsweise treten 3 auf; mir sind sie zweimal begegnet, Vavra hat sie einmal gefunden (1891 p. 50).
C a n d o n a W e ltn e r i Hartwig.
Taf. 3 Fig. 3,4, lf|§-19,
Candona Weltneri Hartwig 1898,3.
Candona und Cypris candida der Autoren.
Schale der von candida ähnlich; sie unterscheidet sich in folgenden Punkten: beim 9 ist der
Ventralrand (links) gerade oder fast gerade, nicht oder nur undeutlich eingebuchtet, der Dorsalrand ist
ebenfalls fast gerade, das Hinterende ist stumpfer, breiter gerundet, rechts wieder stumpfer wie links,
doch sind die Unterschiede zwischen rechts und links weniger auffallend.
Schale des 3 der von candida sehr ähnlich, nur im, Verhältnis» höher, (1: 1,7) nach hinten
stärker verbreitert. Von oben gesehen liegt (beim 2) die grösste Breite, welche wenig grösser als die
halbe Länge ist, in der hinteren Körperhälfte, etwas vor 2/3; die Seiten bilden flache Bogen, welche
in das stumpf gerundete Hinterende, das weniger stumpf gerundete Vorderende übergehen. Im ganzen
erscheint das Thier von oben gesehen breiter, massiger als C. candida obwohl die grösste Breite nicht
grösser als dort. Länge des 9 1,0—1,25 mm, des 3 1,25.
Innere Theile: Die Furca zeichnet sich in beiden Geschlechtern durch eine ungewöhnlich lange
Borste am Hinterrand aus; dieselbe erreicht die halbe Länge des Stammes. Greiforgan (Taf. 3 Fig. 17,18)
dem von candida ähnlich, länger und schlanker wie dort.
Penis (Taf. 3 Fig. 14) dem von C. candida ähnlich, von ihm deutlich unterschieden durch die
Form des äusseren Fortsatzes, der zugespitzt ist. Ich habe die Art im März und April in dicht
bewachsenen Gräben gefunden, welche im Sommer austrocknen; sie ist eine der selteneren Arten, die
mir bei Greifswald nur an zwei Localitäten begegnet ist. Hartwig fand sie im October und November
bei Johannisthal bei Berlin in einem Wiesengraben.
Var. obtusa.
Von dieser Art existirt eine ziemlich auffällige Varietät, welche ich als var. o b tu sa bezeichnen
will; dieselbe charakterisirt sich durch das ausserordentlich kurz abgestutzte Hinterende (Taf. 3 Fig. 5),
den steil im flachen Bogen abfallenden Hinterrand. Im Bau der Gliedmaassen und im Bau der mänir
liehen Geschlechtsorgane habe ich keinerlei Unterschied von Weltneri auffinden können, weshalb ich sie
nur als Varietät anspreche. Ich verdanke diese Form der Liebenswürdigkeit von Lienenklaus, der sie
Ende Mai und Anfang October im Dümmer bei Osnabrück gesammelt hat. Irgend welche Übergangsformen
nach der typischen Weltneri waren nicht vorhanden.
C a n d o n a n e g le e ta Sars .
Taf. 2 Fig. 4—6, 13 -18.
Candona negleeta Sars 1887 p 107 Taf. 1.5 Fig. 5;—7, Taf. 19.
——; fabaeformis Vävra 1891 p 45 (nur zum Theil, vergl. unter C. fab.aeformis)
— Vavrai Ha rtw ig 1898,2
Trotz mancher Abweichungen, welche die Darstellung bei Sars 1. c. von der hier gegebenen
bietet, halte ich die Art für identisch mit der von Sars beschriebenen. Die zum Theil allerdings sehr
auffälligen Unterschiede, existiren übrigens meist nur im Text, so ist nach dem Text das 3 1,4, das
9 1,8 mm gross, hach den Figuren das 9 1,2, das 3 1,4 also auch hier das 3 grösser wie das 9.
An der Identität mit Vavras C. fabaeformis kann im Besonderen mit Rücksicht auf die
Wiedergabe des Penis kein Zweifel herrschen.
Linke Schale des 9 (Fig. 5) massig gestreckt, die grösste Höhe wenig grösser als die halbe
Länge, sie liegt auf 2/3 der Schalenlänge. Der Dorsalrand bildet hier eine deutliche stumpfwinklige
Ecke, von der aus er nach vorn deutlich in fast gerader Linie bis zu etwa 1U der Schalenlänge, nach
hinten steil im flachen Bogen abfallt. Der Vorderrand ist breit gerundet, gegen den Dorsalrand mehr
oder weniger deutlich abgesetzt, der Hinterrand fällt steil im flachen Bogen ab, im unteren tritt an
Stelle des flachen Bogens eine starke Rundung. Der Ventralrand bald fast gerade, bald deutlich eingebuchtet,
gegen Vorder und Hinterrand nicht abgegrenzt. Rechte Schale der linken ähnlich, etwas
kleiner, hinten etwas stumpfer gerundet, doch die Unterschiede nicht auffällig. Schale des 3 deutlich
höher als die des 9, Höhe zur Länge 1: 1,63 bis 1,7; die grösste Höhe liegt, wie beim 9, etwa auf 2/.<j;
der Dorsalrand dem des 9 ähnlich, der Ventralrand stärker eingebuchtet, bisweilen ist der tiefste Punkt
der hinteren Schalenhälfte durch eine deutliche Ecke märkirt, es stossen ventrale Bucht und hinterer
Bogen in einem stumpfen Winkel zusammen. Das Hinterende endigt breit gerundet, der hinterste
Punkt liegt etwa auf 1ls der Schalenhöhe, eher höher. Ln beiden Geschlechtern ist die verschmolzene
Zone ziemlich breit, so dass sich die sehr zahlreichen unverzweigten Porencanäle als ziemlich dichte
Streifung der Randpartie markifen. Bisweilen, keineswegs immer, markirt sich beim 3 die Ansatzstelle
einer Muskelgruppe als kleeblattartigef oder viellappiger Fleck über dem Schliessmuskelansatz. Bisweilen
zeigt die hintere Schalenhälfte beim 9 eine ähnliche Zeichnung wie bei C. angulata. Diese Form
fand ich nur an einer der ziemlich zahlreich beobachteten Fundstätten und auch dort nur bei einem
Bruchtheil der Individuen. Zwischen glatten und gezeichneten Individuen fanden sich alle Übergänge,
den 3 fehlte die Zeichnung durchweg.
.. Von oben gesehen ist die grösste Breite annähernd gleich der halben Länge; sie liegt nahe
hinter der Mitte. Die Seiten bilden flache Bogen, welche vorn und hinten im spitzen Winkel zu-
sammenstossen, vordere und hintere Hälfte annähernd symmetrisch.
Länge des 9 1,24—1,3 mm
des 3 1,27—1,4 mm
Innere Theile: Furcaläste beim 3 ziemlich schlank und fast gerade, beim 9 stark gebogen,
nach der Basis hin stark erweitert. Die Borste am Hinterrand ziemlich kurz, meist kleiner als *|§ der