
so liebenswürdig, mir einen Theil des Materials von der Thursday-Insel zu überlassen. Die genaue
Untersuchung ergab, dass es sich hier um eine ganz andre Art handle, die Sluiter, seinen Irrthum
korrigirend, als Synstyela Michaelseni beschrieb (Bericht Synstyela-Art, p. 110. — Siehe auch oben
p. 24, Fussnote!) A. incrustans steht insofern allein in ihrer Gattung, als ihr Kiemensack rudimentäre
Falten aufweist. Die Anordnung der Polyearpen ist nicht angegeben; doch scheinen nach der Abbildung
einer Anzahl weiblicher Polyearpen die verschiedenen Geschlechter nicht durcheinander gemischt,
sondern wie bei allen übrigen bekannten Arten dieser Gattung voneinander gesondert zu sein.
Bei den unten beschriebenen 4 Alloeocarpa-Arten von Stid-Georgien und aus dem Magalhaensischen
Gebiet, die sich leicht durch die Zahl der Längsgeiasse am Kiemensack, sowie durch
die Gestalt der männlichen Geschlechtssäckchen voneinander unterscheiden lassen, sind die Poly-
carpen verschiedenen Geschlechts so geordnet, dass die männlichen auf die linke Körperhälfte, die
weiblichen auf die rechte Körperhälfte beschränkt sind und je eine zerstreute Gruppe bilden.
Eine ganz andre Anordnung findet sich bei A. dura (Ritter) (= Goodsiria dura Ritter)
von Californien. Bei dieser stehen, nach Untersuchung an einem mir freundlichst zur Verfügung
gestellten typischen Stück, die Polyearpen in zwei regelmässigen Linien, die jederseits dicht neben
dem Anfangstheil des Endostyls beginnen und sich parallel dem Endostyl nach hinten hinziehen.
Die der rechten Seite verläuft in ganzer Länge der Person neben dem Endostyl; die der linken
Seite biegt ungefähr in der Mitte scharf um und verläuft dann dorsalwärts. Sie vermeidet so den
Platz, der von dem Darm eingenommen wird. Die beiden Geschlechter theilen sich derartig in
diese beiden Linien, dass die kleineren weiblichen Polyearpen die vorderen Hälften, die grossen,
aus einer einfachen Hodenblase sammt kurzem, engem Ausführungsgang bestehenden männlichen Po-
lycarpen die hinteren Hälften der Linien einnehmen. Der Kiemensack der A. dura ist faltenlos
und trägt jederseits 5 (konstant?) starke Längsgefässe.
Geographische Verbreitung: Die Gattung Alloeocarpa verbreitet sich nach unserer
jetzigen Kenntniss von Californien über das Magalhaensische Gebiet und die Falkland-Inseln bis Süd-
Georgien.
2. Chorizocormus Herdman (s. s.)
Syn. Chorizocormus (part.?) Herdman.
Diagnose: „Koloni e a u s k l e i n e n St ö ck en bes t e hen d, die durch Stolonen*
mi t e i n a n d e r v e r b u n d e n sind. (Kiemensack glatt oder mit Falten, mit wenigen oder zahlreichen
Längsgefassen.) G e s e h l e c h t s a p p a r a t aus vi e l en e i n g e s c h l e c h t l i c h e n
P o l y e a r p e n ; mä n n l i c h e P o l y e a r p e n e in f a c h (stets?).
Ich habe keine Art dieser Gattung einer eigenen Untersuchung unterziehen können. Die
typische Art, Gh. reticulatus Herdman von den Kerguelen, besitzt Falten am Kiemensack. Ausser
dieser können nur Gh. sydneyensis Herdman und Gh. subfuscus Herdman, beide von Ost-Australien,
mit Sicherheit zur Gattung Chorizocormus (s. s.) gerechnet werden. Von Gh. subfuscus sagt Herdman
im Text: „some (polycarps) contain ova, and others spermatic vessicles.“ Bei Gh. sydneyensis fehlt
eine derartige Angabe im Text, aber in der Tafel-Erklärung bezeichnet Herdman „Fig. 7 der Plate
Pst. I“ (Tunic. Austral. Mus., p. 137) als „Polycarps containing ova“ ; also sind auch bei dieser
Art die Polyearpen sicherlich eingeschlechtlich. Gh. sydneyensis hat einen glatten, faltenlosen
Kiemensack. Bei Gh. subfuscus fehlt die entsprechende Angabe.
Sehr zweifelhaft erscheint es mir, ob Chorizocormus leucophaeus Herdman von Ost-Australien
ebenfalls in diese Gattung gehört. Ueber den Geschlechtsapparat sagt Herdman leider nur, dass
er aus „rounded polycarps imbedded in the mantle“ besteht. In der Gestaltung der Kolonie scheint
diese Art sich den krustenförmigen Formen zu nähern (wenn sie nicht direkt als Krustenform zu
bezeichnen ist) — »The colony consists of elongated sub-cylindrical masses, united to form an irregular
network (Fig. 1), the whole encrusting some brown Algae“ und an andrer Stelle „the stolons
are not nearly so well-marked, and the masses of Ascidiozooids are almost continuous with one
another.“
Geographische Verbreitung: Kerguelen und Ost-Australien.
3. Polyzoa Lesson.
Syn. G o o d siria Cunningham.
G o o d siria (part.) Herdman.
P o ly zo a Miciiaelsen
Diagnose: „Kol o n i e aus me h r e r e n f r e i wa c h s e n d e n Stö c k e n ode r (im
Jugendzustande?) e i n z e ln e n Pe r s o n e n b e s t ehe nd, d i e du r c h s t e l l e nwe i s e oder
g a n z p e r s o n e n l o s e S t o l o n e n mi t e i n a n d e r v e r b u n d e n sind, oder aus einer sto-
l o n e n h a l t i g e n Ba s a lma s s e he r vor s p r o s s e n . (Häufig losgerissene einzelne Stöcke mit
personenlosen Stielen.) Ki eme n s a c k f a l t e n los, j e d e r s e i t s m i t 8 s t a r k e n Läng s ge-
f äs s e n . Ge s c h l e c h t s a p p a r a t aus zwi t t r i g e n P o l y e a r p e n be s t e h end , de r e n
mä n n l i c h e r Thei l von e i ne r e i n z i g e n , e i n f a c h e n Ho d e n b l a s e sammt Ausfüh r
u n g s g a n g g e b i l d e tw i r d ; P o l y e a r p e n j e d e r s e i t s in e i ne r Lini e, di e neb e n
dem An f a n g s t h e i l des En d o s t y l s b e g i n n t und we n i g s t e n s a n f a n g s g e r a d e
na ch h i n t en v e r l ä u f t . “
Für die Erkennnung der von den Falkland-Inseln stammenden typischen Art dieser Gattung,
P. opuntia L esson, deren Beschreibung ich oben (p. 13) zum Abdruck gebracht habe, stehen nur
sehr wenig bedeutsame Angaben zur Verfügung. Die Kolonie soll aus vielen, abgeplattet bimförmigen,
bis 136mm langen und 54mm breiten Stöcken bestehen, die vermittelst kurzer, cylindri-
scher Stiele auf einem gemeinsamen Stiel (Basalmasse!) stehen; die Personen sollen in kurzer,
regelmässiger Entfernung voneinander stehen und cylindrisch, bis 7 mm lang sein.
Vielleicht gehört dieser Form ein Theil des Cunningh AM’schen Materials an, und zwar wohl
das von den Falkland-Inseln, sicher nicht jenes Stück, welches er näher beschrieben und abgebildet
hat; denn die Personen dieses letzteren—„seldom exceeding a line in length“ — sind viel kleiner
als die von Polyzoa opuntia L esson — „au plus 3 lignes de longueur“-^;^-^
Dieser alten LESsoN’schen Form ist wohl mit grösserer Sicherheit die HERDMAN’sche Goodsiria
pedunculata zuzuordnen, die ebenfalls annähernd von demselben Fundort, Ostküste der Falk-
land-Inseln, stammt, und, soweit es sich feststellen lässt, mit ihr im Bau und der Grösse der Personen
übereinstimmt. Nach Herdman sind die Personen „large and fairly numerous. They are distributed
evenly over the surface of the colony. Their anterior ends schow as rounded or elliptical
areas of a slightly darker colour, usually from 2 mm to 3 mm in length.“ Vielleicht auch ist Polyzoa
pictonis var. Waerni Mchlsn mit P. opuntia identisch,
Was die HERDMAN’sche P . (Goodsiria) pedunculata anbetrifft, so bedarf deren Geschlechtsappa
ra t einer eingehenderen Untersuchung. Die Polyearpen, deren Stellung leider nicht angegeben