
Die mir vorliegenden Exemplare stimmen in der Körperform und Struktur der einzelnen
Segmente, sowie der Furcalanhänge mit europäischen überein, mit dem Unterschied
indessen, daß ihr Hinterrand nicht gezähnt ist. .
Am ersten Fußpa ar sind beide Äste dreigliederig und fast gleich lang. Am zweiten
Fußpaar erhebt sich an der Innenseite jg ^ le t z t e n äußeren Astgliedes eine Borste, wogegen
ah der des dritten und vierten Fußpaares je zwei lange Borsten ausgehen. Am zweiten und
vierten Fußpa ar ist der Innenrand des letzten inneren Astgliedes mit je zwei, am dritten
F u ß e hingegen mit drei langen Borsten bewehrt. Die äußeren Astglieder aller Ruderfüße
sind am Außenrand mit kleinen Domen in verschiedener. Anzahl versehen.
Am fünften Fußpaar ist die Spitze des Endgliedes mit zwei, an beiden Seiten, nahe
zur Spitze mit je einer, folglich zusammen mit vier Fiederborsten bewehrt, außerdem trägt
dasselbe am Außenrand zwei, am Innenrand vier kleine Boraten (Taf. IX, F ig. die innere
Spitze des Basalgliedes ist mit vier langen gefiederten und einer kurzen, dornartigen Borste
versehen.
Die Körperlänge des Weibchens beträgt ohne die Furcalborsten 0,6 mm, samt den End-
borsten 0,9 mm.
Vergleicht man die paraguayischen Exemplare mit europäischen, so zeigt es sich, daß
dieselben in der Behaarung des letzten äußeren und inneren Astgliedes der Ruderfüße voneinander
einigermaßen verschieden sind. A uffälliger hingegen ist die Verschiedenheit in der
Behaarung des fünften Fußpaares, insofern an europäischen Exemplaren das Endglied mit
fünf, die innere Spitze des Basalgliedes aber bloß mit drei Borsten bewehrt ist, die nach
innen allmählich länger werden. Nimmt man zu a ll dem noch hinzu, daß der Hinterrand
der Körpersegmente ungezähnt ist, so kann man die paraguayischen Exemplare füglich als
Repräsentanten einer geographischen Varietät betrachten.
Fam. Centropagidae.
Diese Familie besitzt eine allgemeine geographische Verbreitung. Die erste genau beschriebene
südamerikanische A r t machte J. L u b b o c k 1855 bekannt (10.), in den Jahren 1889
und 1891 verzeichnete auch S. A . P o p p e je eine fernere A r t (13.). In seiner Publikation
von 1894 hat f . D a h l außer einer Süßwasserart auch drei Arten aus dem Brackwasser
«numeriert (4.), während J. R i c h a r d 1897 die Beschreibung einer Süßwasserart bot (15.),
Zahlreiche A rten dieser Familie wurden von E . v. D a d a y , G. O. S a r s und A l . M r ä z e k
nachgewiesen. E . v, D a d a y publizierte nämlich 1901 die lateinische Diagnose von acht neuen
Arten (1.), beschrieb aber 1902 zehn neue Arten (2.). G. O. S a r s hat 1902 vier neue Arten
(17.), wogegen A l . M r ä z e k in seiner aus 1901 datierten Publikation (12.) acht Arten beschreibt,
darunter auch solche, welche E . v. D a d a y bereits früher charakterisiert hatte.
Von den im Süßwasser, oder auch im Brack- und Seewasser vorkommenden Gattungen
dieser Familie habe ich bei meinen derzeitigen Untersuchungen bloß Repräsentanten
der nachstehenden Gattung angetroffen.
■Gen. Diaptomus Westw.
Diese Gattung wurde aus Südamerika zuerst 1855 von J. L u b b o c k erwähnt (io.),
später aber haben J. d e G u e r n e und J. R i c h a r d nachgewiesen, daß die unter dem Namen
D iap tom u s brasiliensis Lubb. beschriebene Art der Repräsentant einer anderen, der Gattung
Bo e cke lla sei (7.). D ie erste wirkliche Diaptomus-Art wurde 1889 von S. A . P o p p e
beschrieben (7.). Hierauf die Gattung und die Fauna von Südamerika in kurzen Intervallen
durch S. A . P o p p e ( 1 3 ^ F. D a h l (4-)/M R i c h a r d '^ ; . ) und A l. M r ä z e k (12.) mit je einer,
durch G. 0 . S a r s dagegen mit drei Arten bereichert (17.).
In dem mir vorliegenden Material habe ich bloß nachstehende drei Arten vorgefunden.
212. Diaptomus conifer Sars.
(Taf. IX , F ig. 10.)
Diaptomus conifer S a r s , G. D., 17» P- 13, Taf. III, Fig. t— 8.
Die gemeinste A r t des Genus, die ich von folgenden Fundorten verzeichnet habe:
A r e g u a , Inundationen eines Bacheäfiwelcher den W e g zur Lagune Ipacarai kreuzt, sowie
Pfütze an der Eisenbahn; zwischen A r e g u a und Y u g u a r i , Inundationen eines Baches;
A s u n c io n , Campo Grande, Calle de la Cañada, durch Quellen gebildete Tümpel; Tümpel
auf d á f í Insei (Banco) des Paraguayflusses, Gran Chaco, Nebenarm des Paraguayflusses;
La gunfl(Pa sito |, Inundationen des Paraguayflusses; C e r r o L e o n , Bañado; C o r u m b a ,
Matto Grosso, Inundationstümpel des Paraguayflusses; C u r u z u -ñ u , Teich beim Hause des
M a r flS Romeros; E s t i a P o 'S t i l lo n , La gune; G o ü r a l e s , ständiger Tümpel; G r a n
C h a c o , von den Riachok zurückgebliebene Lagune; L a g u n e I p a c a r a i , Oberfläche;
L u g u a , Pfütze?Tbei der Eisenbahnstation; P i r a y u ,| § t r a ß e n p fü t z e und Tümpel bei der
Ziegelei; S a p u c a y , mit Limnanthemum bewachsene Regenpfützen; T e b i c u a y , ständiger
Tümpel; Inundationen des Y u g u a r i f lu s s e s .
A u ße r den mit den von G. O. S a r s beschriebenen typischen Exemplaren übereinstimmenden
fand ich indessen auch solche, welche sich von denselben unterscheiden und ge wissermaßen
als V a r ie tä ten ' férscheinen. V on der Stammform unterscheiden sich diese
Exemplare hauptsächlich dadurch; daß die Seitenlappen des letzten Rumpfsegments etwas
kürzer uiid mit einem End- und einem Randdorn bewehrt sind, sowie daß in der Rückenmitte
des vorletzten Rumpfsegments kein kegelförmig er,Bindern ein nach unten gerichteter
fingerförmiger Vorsprung vorhanden ist (Taf. IX, Fig. 10).
Das erste Antennenpaar reicht, nach hinten gelegt, fast bis zu der Spitze der Furcalanhänge,
ist somit weit länger als bei der Stammform, bei welcher es gewöhnlich das Ge-
nitalségment nur wenig überragt. .
Am fünften weiblichen F u ß e ist der innere Ast zweigliederig, und überragt die halbe
Länge des ersten äußeren Astgliedes nur um weniges, trägt an der Spitze einen kleinen
Dorn und ist nahe zur Spitze mit einem Kranze feiner kurzer Härchen versehen. Beim typischen
Weibchen trägt der fünfte F u ß an der inneren Astspitze zwei kleine Dornen und
keinen Haarkranz.
Der fünfte männliche F uß ist dem typischen Exemplar fast durchaus gleich und nur
darin verschieden, daß das letzte äußere Ästglied des rechten Fußes am Innenrande eine
kleine kegelförmige Erhöhung zeigt.
Die Körperlänge des Weibchens beträgt ohne die 1* urcalborsten 1,2 1,3 mm.
Zumeist fand ich derlei Exemplare in Gesellschaft mit der Stammform, an manchen
Stellen aber zeigten sie sich ohne derselben.